PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaft„Glaubensfreiheit“ – Rüdiger verteidigt Nmecha für WM-GebetStand: 21:22 UhrLesedauer: 6 MinutenNach dem öffentlichen Gebet von Felix Nmecha nach dem WM-Spiel gegen Curaçao wird über Religion im öffentlichen Raum diskutiert. Autor Hasnain Kazim sieht darin ein Zeichen von Glaubensfreiheit und Zusammenhalt, betont aber die Bedeutung des jeweiligen Kontexts religiöser Symbole.Antonio Rüdiger war in der Nationalelf lange gesetzt. Jetzt ist der Abwehrstar von Real Madrid nur noch Ersatz. Er spricht über seine neue Rolle. Und verteidigt seinen Kollegen Felix Nmecha, der mit einem Gebet für Diskussionen sorgt.Nach der Störung hatte Antonio Rüdiger direkt einen Spruch parat. „Das kostet!“, rief der Verteidiger der Fußball-Nationalmannschaft grinsend in den Hörsaal der Wake Forest University bei Winston-Salem, nachdem bei jemandem im Saal das Smartphone geklingelt hatte.Mittwochmittag hielt Rüdiger nach dem Training nahe dem WM-Quartier des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine Pressekonferenz ab. Eine solche Frage-Antwort-Runde mit dem 33-Jährigen gibt es eher selten. Rüdiger polarisiert seit Jahren – entsprechend gab es sehr viele Fragen von sehr vielen Reportern aus Deutschland und anderen Ländern.Der Defensivprofi agiert auf dem Spielfeld oft sehr emotional und leidenschaftlich. An diesem Mittag in North Carolina saß er ruhig auf dem Podium, antwortete überlegt und humorvoll. Es war ein bemerkenswerter Auftritt des Abwehrstars von Real Madrid.Zunächst sprach Rüdiger über seine Rolle bei dieser WM in den USA. Für ihn ist es eine sehr besondere: In den vergangenen Jahren war er der Abwehrchef. Jetzt ist er nur noch Ersatz, hinter den aktuell gesetzten Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck. Rüdiger sendete die klare Botschaft: Ich akzeptiere diese neue Rolle total. Und könnte noch wichtig werden – auch wenn ich beim 7:1 gegen Curaçao nicht zur Startelf gehörte.„Beim Tanzen muss sich Jonathan Tah noch verbessern“„Als Fußballer ist es nicht einfach, auf der Bank zu sein. Aber in der Nationalmannschaft ist es noch etwas ganz anderes als im Verein“, sagte Rüdiger. „Wir alle haben hier nur ein Ziel. Jeder ist wichtig. Und wenn man von außen Input geben kann, ist das nur besser.“ Es gehe darum, mit den Leuten in der Mannschaft Spaß zu haben. „Gute Vibes verbreiten“, nannte er es. Lesen Sie auchUnd betonte in Bezug auf die neue Hierarchie in der Defensivkette mit Tah in der Zentrale: „Den Schub, den Jona in den vergangenen zwei Jahren nochmal gemacht hat, verdient bei mir sehr viel Respekt. Auch die vergangene Saison bei Bayern München war überragend. Und ja – er ist der neue Chef!“ Diese Worte zu sagen, würden ihn keine Überwindung kosten.Lesen Sie auchSein Verhältnis zu Tah sei immer schon sehr gut und harmonisch. „Wir lachen viel und tanzen auch mal – da muss er sich noch verbessern“, so Rüdiger lachend. Und dann wieder ernsthaft über das neue Innenverteidiger-Duo: „Jeder hat seine Zeit – jetzt ist deren Zeit.“Dann sprach Rüdiger über zwei durchaus brisante Themen: das WM-Gebet von Felix Nmecha und sein eigenes Image als polarisierender Fußballprofi.Mit einem Plädoyer für Meinungs- und Religionsfreiheit verteidigte Rüdiger seinen Teamkollegen Nmecha gegen Kritik an dessen Gebet nach dem WM-Auftaktspiel. „Es ist etwas Persönliches. Er hat das gemacht, und ich sehe nichts Falsches daran“, sagte Rüdiger zu dem Gebetskreis, den Nmecha mit Jonathan Tah und Gegenspielern nach Abpfiff gebildet hatte. „Wir leben in einem Land, wir reden von Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit. Also sehe ich kein Problem darin.“Die Szene im Stadion von Houston hatte unterschiedliche Kommentare ausgelöst. Nmecha spricht öffentlich oft über seinen christlichen Glauben und persönliche Ansichten. In der Vergangenheit hatten seine Social-Media-Posts mehrfach auch Kritik ausgelöst. „Ich glaube, die Bilder sind um die Welt gegangen.“ Es seien doch „schöne Bilder“ gewesen, so Rüdiger. „Oder?“„Mehr Thema war seine geile Leistung“, sagt RüdigerIn der Mannschaft sei das kein Thema gewesen. „Also, ehrlich gesagt, mehr Thema war seine geile Leistung“, sagte Rüdiger. Nmecha hatte Deutschland mit seinem ersten WM-Tor in Führung gebracht. Rüdiger war mehrfach selbst für seinen muslimischen Glauben in die Kritik geraten. Andere Internet-Kommentare richteten sich mehrfach gegen sein kontroverses Verhalten auf dem Rasen. Die Rolle als vermeintlicher Bösewicht nimmt Rüdiger inzwischen nur noch zur Kenntnis. Lesen Sie auchZu der Kritik an ihm sagte Rüdiger: „Ich respektiere Meinungen. Ich bin kein Kind von Traurigkeit.“ Es gehe ihm aber ausschließlich um seriöse Meinungen. „Ich habe mich entschuldigt zu diesen Sachen. Ich habe dazu davor schon viele Interviews gegeben. Ich nehme seriöse Meinungen wahr und habe mich auch ganz klar für diese Sachen entschuldigt. Deswegen gibt es von der Seite nicht viel von mir zu sagen. Auch in Richtung meiner Kritiker. Seriöse Kritik ist bei mir immer willkommen.“Er sieht die Kritik an sich offenbar vor allem als Phänomen der von den sogenannten sozialen Medien geprägten Welt. „In der Social-Media-Welt bin ich der Buhmann. Das ist auch für mich okay. Wir bleiben in der realen Welt. Lassen wir Social Media Social Media bleiben“, so Rüdiger. „Mein Name bringt halt viele Klicks. Schlechte Presse ist auch gute Presse“, sagte er mit einem milden Lächeln.Und natürlich kann es keine Pressekonferenz mit Rüdiger geben, ohne dass es nicht um Real geht. Der 33-Jährige hat seinen Vertrag beim spanischen Fußball-Rekordmeister gerade bis 30. Juni 2027 verlängert. Er spielt seit 2022 bei Real. Rüdiger hat seitdem mit dem Verein die Champions League, die spanische Meisterschaft und den spanischen Pokal je einmal gewonnen. In der vergangenen Saison absolvierte der ehemalige Stuttgarter wegen mehrerer Verletzungen nur 26 Spiele in allen Wettbewerben. Nach einer enttäuschenden Saison will er mit Real die sportliche Wende schaffen. „Die vergangenen zwei Jahre in Madrid waren hart. Wir haben nicht viel Erfolg gehabt“, sagte er.Lesen Sie auchSchlotterbeck wird immer wieder als möglicher Transfer von Real gehandelt. Auf eine Frage dazu antwortete Rüdiger: „Gute Spieler sind immer willkommen. Ich würde mich sehr freuen. In der Mannschaft hat jeder die Qualität, für Real zu spielen.“ Er freue sich sehr auf den neuen Trainer José Mourinho. „Endlich klappt es, dass ich unter ihm spielen kann.“ Es habe in der Vergangenheit sehr viele Gespräche mit ihm gegeben, „aber es ist nicht passiert“, dass er vorher unter ihm spielen konnte. „Madrid ist mein Zuhause, meine Familie fühlt sich sehr wohl. Ich habe mir meinen neuen Vertrag verdient“, so Rüdiger. Nach rund einer halben Stunde endete seine Pressekonferenz.Ein Podcast, ein Champion, ein Rätsel – wer ist der Gast? Raten Sie mit: Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.Dann ging es zurück ins Hotel der Nationalmannschaft. Dort schätze er vor allem die kurzen Wege zum Trainingsplatz und sein Bett, sagte Rüdiger. „Dort verbringe ich die meiste Zeit.“ Ausruhen und regenerieren. Für die Momente, in denen er noch wichtig für die Mannschaft werden könnte.Am Freitag reisen Antonio Rüdiger und Felix Nmecha mit der Mannschaft nach Toronto, wo diese am Samstag (22 Uhr, ZDF, MagentaTV und Liveticker bei WELT) im zweiten Gruppenspiel der WM auf die Elfenbeinküste trifft. Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit zwei Wochen sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die WM-Vorbereitung der deutschen Auswahl.