Die Royals sind ja penible Kleidervorschriften gewohnt. Doch in diesen Tagen ist das Reglement noch etwas restriktiver: Der Dresscode beim Pferderennen „Royal Ascot“ gilt als einer der strengsten überhaupt. Haarklein muss alles passen, Abweichungen sind nicht nur verpönt, sondern schlicht unmöglich. „Jeder Bereich des Royal Ascot hat seine eigenen, ganz besonderen Kleidungsvorschriften. Wir empfehlen Ihnen daher, sich vor Ihrem Besuch mit den für Ihren Bereich geltenden Richtlinien vertraut zu machen“, liest man auf der offiziellen Website. Darunter sind vier verschiedene Dresscodes für unterschiedliche Bereiche verlinkt.Ein paar Beispiele für das „Royal Enclosure“: Für die Damen müssen es Schulterträger auf eine Mindestbreite von 2,5 Zentimetern bringen, auch dann, wenn sie von einer Jacke bedeckt sind. Eine genau abgezirkelte Kopfbedeckung ist ebenfalls Pflicht. Ein Hut oder ein sogenannter Hatinator, der Arnold Schwarzenegger in diesem Segment, muss dabei mindestens zehn Zentimeter Durchmesser vorweisen. Für die Herren ist ausschließlich Morgengarderobe in Grau, Navy oder Schwarz inklusive Weste und Krawatte erlaubt. „Motive patriotischer Natur, zum Beispiel eine Nationalflagge, sind zulässig.“ Auch hier geht ohne Hut nichts, und der Knöchel muss stets besockt sein. Na, da kann die Party ja beginnen.Die britische Aristokratie mag mit solchen Regeln vertraut sein. Doch der Trend zum strengen Dresscode ist inzwischen weitverbreitet, auch hierzulande. Bei Hochzeiten, runden Geburtstagen oder festlichen Jubiläen steht immer öfter schon auf der Einladung, was von den Teilnehmern stofflich und stilistisch erwartet wird: modische Unterwerfung. Wer etwa aus Köln stammt und erstmals in Bayern auf eine Hochzeit eingeladen ist, bei der Lederhose und Dirndl Pflicht sind, kennt allerdings auch die Verlegenheit, die solche Kostümzwänge auslösen können, mal abgesehen von den Kosten.Ähnlich verhält es sich auch mit Mottopartys oder Hochzeiten, bei denen das Farbschema dermaßen ausgefallen daherkommt, dass man erst mal recherchieren muss, ob es derartige Kleidungsstücke überhaupt zu kaufen gibt. Vorschlag zur Güte für alle Motto- und Dresscodefans: Solange der Gast sich für den Anlass eine komplett neue Garderobe zulegen muss, ist das übergriffig.Ein Dresscode wie „Wir machen uns sommerlich schick und freuen uns, wenn ihr das auch mit euren Lieblingsstücken tut“, kommt doch gleich viel sympathischer daher. Auch farblich lässt sich mit Hell, Bunt oder Dunkel, vielleicht auch noch mit den Grundfarben arbeiten. Denn ganz ohne Anhaltspunkt ist man, zugegeben, auch schnell aufgeschmissen.Frei nach Maria Montessori: „Die vorbereitete Kleiderordnung muss dem Partygast die Freiheit geben, sich selbst zu entfalten.“ Einen Rahmen setzen, ja, gerne. Aber man kann es auch wirklich übertreiben beim Versuch, das strenge Regiment von Ascot zu imitieren, nur weil Boris und Michelle bei ihrer Hochzeitsfeier in Taufkirchen mal richtig auftrumpfen wollen. Wer das anders sieht, soll halt gleich die Royals einladen.