KommentarEin Gipfel, um Trump zu bespassenDie G-7 tut noch immer so, als wäre sie ein politisches Direktorium der Weltgemeinschaft. Das ist sie aber schon lange nicht mehr.17.06.2026, 18.07 Uhr3 LeseminutenDer amerikanische Präsident Donald Trump am G-7-Gipfel in Évian-les-Bains: ein schwieriger GastChristian Hartmann / REUTERSEs ist schon absurd. Wenn an diesem Mittwoch die Staats- und Regierungschefs der G-7-Staaten ihre Gipfelfestung am Genfersee verlassen, steht Frankreich die zweite aussergewöhnlich frühe Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 40 Grad bevor. Dennoch spielte der Klimawandel zum ersten Mal seit Jahrzehnten an einem G-7-Gipfel keine Rolle. Man habe Donald Trump nicht verärgern wollen, räumen Diplomaten freimütig ein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bloss den Stargast nicht langweilenAuch die Entwicklungszusammenarbeit spielte in Évian nur eine Nebenrolle. Frühere G-7-Gipfel hatten regelmässig neue Hilfsinitiativen angestossen oder Schuldenerleichterungen für arme Staaten auf den Weg gebracht. Davon war diesmal kaum die Rede. Die Staats- und Regierungschefs einigten sich lediglich auf ein unverbindliches Bekenntnis zur Reform der Entwicklungshilfe. Man wollte es sich mit Trump nicht verscherzen, dessen Regierung die eigenen Mittel für Entwicklungshilfe gerade massiv zusammengestrichen hat.Und die Schieflage der Weltwirtschaft? Die globalen Ungleichgewichte beim Handel, die der französische Gastgeber Emmanuel Macron im Vorfeld zum Schwerpunktthema des Treffens erklärt hatte? Selbst sie erhielten in Évian-les-Bains kaum die Aufmerksamkeit, die sie verdient hätten.Dabei wurde der Klub der sogenannten führenden westlichen Industrienationen einst genau für solche Fragen gegründet. Die Welthandelsorganisation ist blockiert, die Spannungen mit China nehmen zu, und Donald Trump droht selbst engen Verbündeten wie Frankreich mit drastischen Strafzöllen. Man hätte erwarten dürfen, dass die Staats- und Regierungschefs diese Fragen ins Zentrum ihrer Beratungen stellen.Stattdessen vermittelte der Gipfel den Eindruck, als verfolge er vor allem ein Ziel: den mächtigsten Mann der Welt bei der Stange zu halten. Was liess sich Macron nicht alles einfallen, damit Trump nicht vorzeitig abreiste; von einer Einladung ins prachtvolle Versailles über die ständige Verfügbarkeit eines Golfplatzes bis hin zu einem Programm, das den Stargast weder verärgern noch langweilen sollte.Man kann das aus Sicht der Diplomatie schon nachvollziehen. Nach der Annäherung zwischen Washington und Teheran und Trumps Ankündigung, sich stärker für die Ukraine einzusetzen, wollten die übrigen Staats- und Regierungschefs die neue Gesprächsbereitschaft des amerikanischen Präsidenten nicht gefährden. Schliesslich blieb er tatsächlich bis zum Schluss am Tisch sitzen.Versprechen mit Vorsicht geniessenNoch ist allerdings völlig offen, ob die Vereinbarung auch hält, was sie verspricht. Ob sie Iran davon abhält, eine Atombombe zu bauen, wie Trump behauptet, wird sich noch zeigen. Die Ankündigungen des Präsidenten sollte man ohnehin mit Vorsicht geniessen – das gilt auch für seine Zusagen gegenüber der Ukraine. Die Euphorie einiger Gipfelteilnehmer ist reichlich verfrüht.Sicher ist dagegen, dass die G-7 bei einigen der drängendsten Fragen der Gegenwart auffallend zurückhaltend blieb. Für ein Gremium, das sich noch immer als eine Art informelles Direktorium der westlichen Industriestaaten versteht, reicht es aber nicht, sich auf einige unverbindliche Absichtserklärungen zu beschränken.Vielleicht erklärt das, warum dieser exklusive Klub heute zunehmend aus der Zeit gefallen wirkt. Als er Mitte der 1970er Jahre gegründet wurde, dominierten seine Mitglieder noch die Weltwirtschaft. Diese Zeiten sind längst vorbei. Heute bestimmen Länder wie China und Indien die globale Entwicklung entscheidend mit. Wer Antworten auf die grossen Fragen der Gegenwart finden will, kommt an ihnen nicht vorbei. Umso mehr wäre die G-7 darauf angewiesen, politische Führung zu zeigen. In Évian war davon so gut wie nichts zu spüren.1 KommentarFrancis Gerz vor 15 MinutenDonald ist nur noch eine Witznummer (ein alter Mann) auf der Weltbühne und alle haben es verstanden, ausser Donald.Passend zum Artikel