Der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano will Vorsitzender der Linken werden. Bekannt ist er für spektakulären Protest und angriffslustige Rhetorik. Zugleich hat er noch eine andere Seite.

Neben veganer Ernährung und Gendersternchen geht auch vom Lastenrad eine erhebliche Triggergefahr aus: Oft reicht schon die Erwähnung, um Aufruhr zu verursachen – die Sichtung eines Lastenrads provoziert bei Teilen der Gesellschaft Unverständnis, Hohn oder blanken Hass. Luigi Pantisano freut sich hingegen jedes Mal, wenn er eines im Stuttgarter Westen sieht. Denn oft bedeutet das: ein Auto weniger.

Es ist das erste Beispiel, das Pantisano im Gespräch mit Kontext einfällt, um den Wechsel von der Kommunalpolitik auf die Bundesebene zu veranschaulichen. Nach knapp zehn Jahren als Stadtrat in Stuttgart ist er 2025 in den Bundestag eingezogen und dort seitdem verkehrspolitischer Sprecher der Linken. Als er noch im Gemeinderat saß, sagt Pantisano, konnte er "die Auswirkungen unserer Entscheidungen viel direkter auf der Straße sehen". Etwa als nach einer hitzigen Debatte die Mehrheit dafür stimmte, die städtische Lastenradförderung um einen Nachhaltigkeitsbonus zu ergänzen: Familien und Alleinerziehende, die über drei Jahre kein Auto angemeldet hatten, konnten nach dem Erwerb eines Lastenrads eine Prämie von 600 Euro beantragen – mit spürbaren Folgen für den Stuttgarter Westen.