PfadnavigationHomePolitikDeutschlandVor Parteitag„Es gibt eine immense Wut bei denjenigen, die den Laden am Laufen halten“, sagt der Linke-BewerberStand: 11:02 UhrLesedauer: 3 MinutenSeptember 2025: Luigi Pantisano spricht im BundestagQuelle: Helena Dolderer/dpaLuigi Pantisano warnt vor wachsender Entfremdung arbeitender Menschen von der Politik. Viele fühlten sich herabgesetzt und würden sich deshalb der AfD zuwenden, sagt der Bewerber um den Linken-Vorsitz.Der Bewerber für den Parteivorsitz der Linken, Luigi Pantisano, will die Sorgen und Nöte arbeitender Menschen stärker aufgreifen. „Es gibt eine immense Wut bei denjenigen, die den Laden am Laufen halten, also Arbeiterinnen und Arbeitern“, sagte Pantisano der Nachrichtenagentur AFP. Diese müssten sich von Kanzler Friedrich Merz (CDU) anhören, dass sie nur so täten, als seien sie krank, aber eigentlich arbeiten könnten, dass sie 13 statt acht Stunden täglich arbeiten und später in Rente gehen sollten.„Und das macht sie wütend“, betonte der Bundestagsabgeordnete im Gespräch mit AFP vor dem Linken-Parteitag, der am Freitag in Potsdam beginnt. Es führe zudem dazu, dass sich Arbeiter von der Politik herabgewürdigt fühlten und den Bezug zu den demokratischen Parteien verlören. „Ihre Wut bringen sie zum Ausdruck, indem sie die AfD wählen, weil die es schafft, diese Wut aufzugreifen. Dabei hat die AfD keinen Plan, wie der Wohlstand gesichert werden kann.“Lesen Sie auchHier müsse die Linke ansetzen und den Menschen zuhören, forderte Pantisano. „Wir müssen an die Werkstore gehen und dort ins Gespräch kommen.“ Als weitere Maßnahme nannte der Linken-Politiker eine Hotline, die er Ende April einrichtete, bei der sich Beschäftigte mit ihren Anliegen melden können. „Wir müssen hinter den Arbeiterinnen und Arbeitern stehen, wenn Konzernbosse mit Tarifkürzungen und Werksschließungen drohen“, betonte er.Eine weitere Aufgabe für seine Partei sieht Pantisano darin, die Widersprüche der AfD aufzuzeigen. Diese rede davon, eine Arbeiterpartei sein zu wollen, vertrete aber im Bundestag genau gegenteilige Positionen. „Sie ist eine neoliberale Partei durch und durch. Das heißt: Sie ist gegen den Mindestlohn, gegen Mitbestimmung der Beschäftigten, gegen Arbeitssicherheit.“„Wir wollen verändern und nicht regieren“Erwartungsvoll blickt der Linken-Politiker auf die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September. Von einem Sieg von Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp und einer Koalition unter ihrer Führung könne „ein bundesweites Zeichen“ und echte Veränderung ausgehen. Mit Blick auf den Bund stellte Pantisano jedoch klar, dass eine Regierungsbeteiligung nicht Hauptziel sei: „Wir wollen verändern und nicht regieren“, sagte er.Lesen Sie auchEralp könnte in Berlin in einem Bündnis mit der SPD und den Grünen regieren. Auf Bundesebene kritisiert Pantisano die beiden Parteien allerdings. Die SPD müsse sich fragen, „ob sie denn bereit ist, wieder in irgendeiner Weise sozialdemokratische Politik zu machen“.Lesen Sie auchDie Grünen müssten wieder Klimagerechtigkeit in den Vordergrund stellen, forderte der Linken-Politiker. „Ich kann mir wirklich vieles vorstellen, aber mit einer Cem-Özdemir-Grünen-Partei kann ich mir keinerlei Koalition vorstellen. Wo wären da die inhaltlichen Überschneidungen?“Pantisano, aktuell Fraktionsvize der Linken-Bundestagsfraktion, will Nachfolger von Jan van Aken als Parteichef werden. Dieser kündigte im April an, aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut für den Vorsitz zu kandidieren. Die Linke wählt bei ihrem dreitägigen Parteitag in Potsdam eine neue Spitze, die Wahl ist für Samstag geplant. Pantisano und die amtierende Ko-Parteichefin Ines Schwerdtner treten zusammen als Team an.AFP/nw