PfadnavigationHomeICONISTModeArtikeltyp:MeinungKongo im Leo-LookWM gewonnen, obwohl sie noch gar nicht gespielt habenStand: 15:38 UhrLesedauer: 3 MinutenSo sehen Sieger aus: die kongolesische Mannschaft bei der Ankunft in den USAQuelle: IMAGN IMAGES via Reuters/MARIA LYSAKERMit Leopardenmuster, Hermès-Taschen und einer Haltung, die aus der Tradition der La Sape erwächst, betritt der Kongo die WM-Bühne. Der Auftritt erzählt von Ehrgeiz und Aufbruch – und wirkt zeitgemäßer als Deutschlands Nostalgie-Manifestiere.Heute hat das Team Kongo sein erstes Spiel bei der WM in Nordamerika. Die Nationalmannschaft der Demokratischen Republik, auch Leoparden genannt, hat sich zum ersten Mal seit 52 Jahren für eine Fußballweltmeisterschaft qualifiziert. Die meisten anderen Mannschaften müssten sich nach so langer Wartezeit vermutlich erst einmal akklimatisieren und sich auf die Bedingungen vor Ort einstellen. Die Kongolesen hingegen schienen bei ihrer Ankunft am vergangenen Donnerstag am Flughafen von Houston eher so, als wollten sie direkt zur Siegerehrung durchschreiten. Mit perfekt geschneiderten Anzügen in tiefstem Schwarz, weißen Hemden, dunklen Krawatten und Leoparden-Schärpen und schnittigen Sonnenbrillen stellten sie sich stolz vor dem Blitzlicht der Fotografen auf. Dazu Reisetaschen von Louis Vuitton in dezentem Beige, riesige, asymmetrisch gezackte Taschen im Leopardenmuster und schwarze Hermès Kelly Bags. An den Revers funkelten hochkarätige Panther-Broschen. Das war kein bloßes Schaulaufen mehr. Das war modische Epiphanie, pure Angriffslust, gegossen in kompromisslose Eleganz.Einerseits ist dafür natürlich das Symbol der Mannschaft verantwortlich, der Leopard, der die Mode seit Jahrzehnten prägt. Von seinem Einsatz als echtes Leopardenfell über seine Popularisierung durch Designer wie Christian Dior und Diane von Furstenberg bis hin zu Punk- und Popkultur: Leopardenmuster gehören zu den mutigsten Entscheidungen in der Mode. Meistens tragen sie den Menschen. In seltenen Fällen trägt der Mensch sie.Hinter der modischen Urgewalt des Auftritts der kongolesischen Mannschaft steckt deshalb noch etwas mehr. Er ist das logische Destillat von La Sape (Société des Ambianceurs et des Personnes Élégantes) – eine Mode- und Lebensphilosophie aus den beiden Kongo-Republiken, in der Eleganz nicht als Frage des Geldes gilt, sondern als Ausdruck von Disziplin, Selbstachtung und dem Ehrgeiz, mehr aus sich zu machen. Lesen Sie auchLa Sape entstand als gewaltloser Widerstand gegen die koloniale Unterdrückung: Die Kongolesen eigneten sich die Mode der Kolonialherren an, perfektionierten sie und machten sie zu einer Waffe der Selbstbehauptung. Eleganz wird als sichtbarer Ausdruck von Ambition verstanden. Wer sich Mühe gibt, soll das auch zeigen dürfen. Während der klassische Dandy die elitäre, oft melancholische Distanz zur Masse sucht, und es sich bequem macht, ist der Sapeur das exakte Gegenteil: Er nutzt seinen Auftritt als lautstarkes, farbgewaltiges Manifest kollektiver Lebensfreude.Die vermeintlichen „Außenseiter-Nationen“ wie der Kongo oder Kapverden scheinen gerade nicht nur spielerisch etwas Wesentliches vorauszuhaben. Im Fußball und überhaupt konnte Deutschland sich lange auf seinen Erfolgen ausruhen. Langsam aber nicht mehr. Nach den zuletzt eher erfolglosen Weltmeisterschaften und angesichts wirtschaftlicher Stagnation und den Folgen jahrelanger Versäumnisse steigt die Sehnsucht nach einer neuen Erfolgsgeschichte. Also wurde in den vergangenen Wochen an deutschen Schreibtischen versucht, krampfhaft das nächste „Sommermärchen“ zu manifestieren, noch bevor überhaupt das erste Spiel gepfiffen wurde. Als läge die Zukunft irgendwo in der Wiederholung von 2006. Die Kongolesen wirken so, als interessiere sie vor allem das, was vor ihnen liegt. Und zum Glück interessieren sich Fußballer generell, auch die deutschen, angenehm wenig dafür, was die Märchenonkel und -tanten der Nation sich für ein „Narrativ“ für sie überlegt haben. Sie wollen eigentlich nur gewinnen. Der Leo-Look ließ daran keinen Zweifel.
Kongo im Leo-Look: Gewonnen, obwohl sie noch gar nicht gespielt haben - WELT
Mit Leopardenmuster, Hermès-Taschen und einer Haltung, die aus der Tradition der La Sape erwächst, betritt der Kongo die WM-Bühne. Der Auftritt erzählt von Ehrgeiz und Aufbruch – und wirkt zeitgemäßer als Deutschlands Nostalgie-Manifestiere.










