Zendaya trug in der letzten Staffel von «Euphoria» die aus dem Strassenbild verschwundenen Converse-Chucks. HBO Jahrelang waren sie die ultimativen Turnschuhe, ein Stilbruch auf Nummer sicher, ein zeitloser Klassiker. Jetzt sieht man die «Chuck Taylor All Stars» immer weniger. Kommt bald das nächste Comeback?Sie waren so ziemlich die einzige Konstante in der wilden, kürzlich zu Ende gegangenen Serie «Euphoria»: die schwarzen Converse-Chucks von Zendaya alias Rue. Sie trug das High-Top-Modell durch alle drei Staffeln hindurch, egal wie sehr die Welt unterzugehen drohte. Oder eben gerade deswegen: weil dieser simple, klassische Turnschuh ihr wenigstens ein bisschen Halt gab in diesem durchgeknallten Leben.«Euphoria» startete im Jahr 2019, als noch gefühlt die halbe Welt ein Paar Converse All Stars im Schrank stehen hatte. Andere Sneakertrends gab es immer, ohne dass sie den Chucks etwas anhaben konnten. Der alte Klassiker lief gewissermassen ausser Konkurrenz, viel mehr noch als etwa ein Stan Smith. Doch in letzter Zeit sieht man den Schuh deutlich weniger auf der Strasse. Nicht einmal die «Deluxe-Variante» in Kooperation mit Comme des Garçons begegnet einem so oft wie früher. Stattdessen tragen jetzt alle Adidas, Reebok, Puma. Sieht man auch immer seltener: Die Chucks der Kollaboration von Comme des Garçons × Converse. Getty Images Ein Zeichen für RebellionAls sich Vizepräsidentin Kamala Harris 2021 für das Cover der «Vogue» fotografieren liess, trug sie schwarze Jeans und dazu ein Paar schwarze Converse-Chucks 70, das etwas teurere Premiummodell in der Halbschuh-Version. Das Foto sorgte für einen Skandal, weil es den meisten zu «casual» und nicht staatstragend genug erschien.Der Hintergrund wirkte für «Vogue»-Verhältnisse tatsächlich ungewöhnlich improvisiert, aber die Turnschuhe passten im Grunde perfekt ins Bild: weil das Lieblingsmodell von Harris die Politikerin als «Rebellin» charakterisierte, als moderne Frau, die sich von Amts wegen nicht umkrempeln liess, sondern ihre eigenen Spuren hinterlassen wollte. Nur geklappt hat es mit dem politischen Siegeszug dann am Ende bekanntlich nicht. Sind Converses womöglich auch deshalb jetzt irgendwie passé? Weil sie ein Stück weit ihren Nimbus verloren haben?Dünner, schlechter, teurerZumindest die Zahlen sind relativ eindeutig: Der Sportgigant Nike, der die damals gut laufende Marke 2003 kaufte, musste für Converse im dritten Quartal 2025 einen Rückgang um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vermelden, die Umsätze sanken von 405 Millionen Dollar auf 264 Millionen. Chucks trugen Punks, Celebritys und Normalsterbliche: Der Schuh sorgte für Bodenhaftung. Getty Images Seit einiger Zeit schon gibt es Gerüchte, dass Nike die Marke gern wieder loswerden möchte, und wenn man sich die Foren beispielsweise auf Reddit durchliest, hätten langjährige Chucks-Fans wohl nichts dagegen. Dort schimpfen sie regelmässig über die grösste «Abzocke aller Zeiten». Alles an dem Schuh sei seit der Nike-Übernahme schlechter, von dünnerem Canvas über die Verarbeitung bis zur zwei Millimeter dünneren Aussensohle – und dafür werde der Schuh sogar immer noch teurer. Momentan kostet der High Top in den USA 65 Dollar. Vor sechs Jahren waren es noch 55 Dollar.Vom Profisport zu den Schülern zu den InfluencerinnenDie Erfolgsgeschichte der Chucks ist tausendfach erzählt worden. Der Name stammt von Chuck Taylor, der beim Gummigaloschenhersteller Converse in Massachusetts als Verkäufer anfing, die Marke aber vor allem als Spieler und Coach des firmeneigenen Basketballteams – der Converse All Stars – im ganzen Land bekannt machte. Dass der simple Leinenschuh mit Gummisohle tatsächlich einmal ein «Performance»-Schuh war, den in den 1930er Jahren fast die gesamte NBA trug, ist heute im hochgerüsteten Profisport unvorstellbar.Dass er später in den achtziger Jahren als Freizeitschuh seine zweite, viel längere Karriere machte, erscheint dagegen rückblickend vollkommen logisch. Die schlichte Form, das leichte Tragegefühl und vor allem der geringe Preis machten ihn zu einer Art Basis-Schuh. Die Punks liebten in den achtziger Jahren das Rebellische am «No frills»-Design, in den Neunzigern hatten ganze Schulklassen die gleichen Schuhe an, nur in verschiedenen Farben. Der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre trug Chucks in den nuller Jahren bevorzugt als «modischen Bruch» zum Anzug. Chucks gingen immer, zu allem – ausser zu weiten Silhouetten. Veronika Heilbrunner gehörte zu jenen Influencerinnen in den 2010er Jahren, die den Chuck gekonnt zum Stilbruch einsetzten. Getty Images Durch dick und dünnWomöglich hat also der Designer Demna den Schuh ein Stück weit auf dem Gewissen. Der damalige Balenciaga-Kreativdirektor stellte 2017 den «Triple S» vor, einen Sneaker mit ultraklobiger Sohle. Er passte perfekt zu seiner XXL-Mode, die die folgenden Jahre ästhetisch wie kaum eine andere Richtung prägte. Daraufhin wurden die Sohlen von Turnschuhen bei fast sämtlichen Marken immer dicker, während die Luft für dünne Gummitreter spürbar dünner wurde. Da half auch die Einführung der All Stars mit dicker Plattform wenig. Der Balenciaga «Triple S» wurde 2017 auch Ugly Sneaker genannt. Fast zehn Jahre später wirkt er gar nicht mehr so klobig. Getty Images Seit einigen Saisons sind allerdings die Sohlen wieder sehr viel dünner, wie man am Revival der Onitsuka Tigers oder am grossen Erfolg der New-Balance-×-Miu-Miu-Sneaker sehen kann. Perfekte Voraussetzungen für das nächste Chucks-Comeback? Ryan Gosling in «Project Hail Mary» in Chucks. Imago Images Zumindest Margot Robbie wurde Anfang des Jahres mehrfach mit Jeans und schwarzen High Tops auf der Strasse fotografiert. Die beste Werbung bekamen die All Stars allerdings jüngst ganz woanders: In «Project Hail Mary» trägt Ryan Gosling als Naturwissenschaftslehrer Wollpulli, Jeans und weisse Low-Top-Chucks 70 – und hat diese später auch im Raumschiff häufig an, Hightech trifft Lowtech. Die simplen Chucks stehen exemplarisch für ein Stück Heimat, für Erdanziehung, Nostalgie, kurzum: für etwas zutiefst Menschliches. Wenn das die Schuhe mal nicht schleunigst wieder in die Erdumlaufbahn zurückbringt. 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Wo sind all die «Chucks» von Converse alle hin? Kommt bald das Comeback?
Sie waren die ultimativen Turnschuhe, ein Stilbruch, ein Klassiker. Jetzt sieht man die «Chuck Taylor All Stars» immer weniger. Kommt bald das Comeback?









