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Maschinenbau: Es läuft nicht alles rund im Hause Siempelkamp Die Chefs der Gießerei Siempelkamp melden sich regelmäßig in scharfem Ton zur Energiepolitik zu Wort. Dabei hat der Firmenverbund selbst Schwierigkeiten.
Nele Husmann 16.06.2026 - 17:51 Uhr Maschine zur Herstellung von Holzplatten der Firma Siempelkamp. Foto: PRNoch vor zehn Tagen gaben die Geschäftsführer der Siempelkamp Gießerei aus Krefeld, Dirk Howe und Georg Geier, in der WirtschaftsWoche zu Protokoll, dass ihr Unternehmen wirtschaftlich gesund sei – trotz der seit mehr als vier Jahren währenden Energiepreiskrise. 50 neue Mitarbeiter hätten sie in diesem Jahr eingestellt. Teils auf zehn Jahre im Voraus sei der Auftragsbestand gesichert.Jetzt aber kommen scheibchenweise Probleme bei dem Firmenverbund Siempelkamp heraus, zu dem auch der Gießereibetrieb zählt: Zunächst berichtete jüngst der „Pfälzer Merkur“ über einen Stellenabbau bei der Siempelkamp Size Reduction Solutions in Zweibrücken, bis zur Übernahme 2017 als Pallmann bekannt. Von 282 sollen 129 Arbeitsplätze gestrichen werden.Jetzt berichtet die „Rheinische Post“ unter Berufung auf den Betriebsrat auch von Stellenkürzungen am Stammsitz in Krefeld: Bei der Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau sollen 127 von 371 Arbeitsplätzen abgebaut werden. „Die Lage im Neuanlagengeschäft in der Holzwerkstoffindustrie hat sich noch einmal dramatisch verschärft“, so Unternehmenssprecher Jan Bender. „Anpassungen der bestehenden internen Strukturen und Personalkapazitäten sind unumgänglich geworden.“ Er bestätigt, dass nicht nur Pallmann, sondern auch die Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau von Stellenkürzungen betroffen ist.Energieintensive Industrie „An einem Feiertag nutzen uns Schleuderpreise an der Strombörse nicht“ Der Energiepreis schwankt so wild wie selten: Weshalb die Gießerei Siempelkamp wieder auf eine Reform für die Strompreisfeststellung hofft. von Nele HusmannWie viele Arbeitsplätze genau abgebaut werden, erklärte der Sprecher mit Blick auf „noch laufende Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite“ nicht. Der Betriebsrat der Anlagenbau-Sparte in Krefeld hatte gegenüber der „Rheinischen Post“ durchsickern lassen, dass Siempelkamp sogar einen Austritt aus dem Arbeitgeberverband und dem Tarifvertrag plane. Dazu gab das Unternehmen keinen Kommentar.Allen anderen Unternehmensteilen gehe es aber „gut“ – insbesondere der Siempelkamp Gießerei, so der Konzern-Sprecher: „Sie ist nicht von den Maßnahmen betroffen.“ Die Gießerei stellt große Strukturbauteile für systemkritische Anlagen wie Offshore-Windräder, Großmotoren für Kraftwerke, Zementwerke und Lithium- und Kupferminen her.Auch BMW, Tesla, Audi oder Apple und Samsung pressen Karosserien oder Handy-Teile auf Siempelkamp-Strukturgussteilen. Die beiden Geschäftsführer Howe und Geier fordern von der Politik seit dem Ausbruch der Energiekrise durch den Ukraine-Krieg wirksamere Maßnahmen für den Erhalt der energieintensiven Industrie. „Die Siempelkamp Gießerei agiert unabhängig von der Sparte Maschinen- und Anlagebau und vertritt in der Diskussion durchweg die Position der Gießerei“, so ein Sprecher der Gießerei. „Sie kann nicht für andere Unternehmen in der Gruppe sprechen.“Ein Gießereiarbeiter bei Siempelkamp gießt heißes Eisen in eine handgemachte Form. Foto: REUTERSDie von der Gießerei kritisierten hohen Strompreise tragen nur teilweise zu der Schieflage bei ihren Schwesterunternehmen bei, „die Energiekosten sind nur ein Faktor von mehreren“, sagt der Sprecher. Die „aktuellen geopolitischen Spannungen und die Zollpolitik der USA hätten in Verbindung mit der immer noch äußerst schwachen Bau-Konjunktur“ zu einer schwachen Nachfrage geführt – insbesondere für Neuanlagen zur Zerkleinerung von Holz für die Herstellung von Holz-Kompositplatten, wie Siempelkamp sie herstellt: „Neben dem weggebrochenen russischen Markt weisen weitere relevante Märkte strukturelle Nachfrageschwächen auf, ohne Aussicht auf langfristige Besserung.“ Neben Anlagen für die Holzwerkstoffindustrie baut das Unternehmen auch Anlagen zur Metallumformung.Der Umbau in der Gruppe währt schon länger: Bereits im vergangenen Sommer hatte die Krefelder Maschinenfabrik 86 Arbeitsplätze gestrichen. Zwei andere Schwestergesellschaften, die Siempelkamp Maschinenfabrik und die Siempelkamp Automation (vormals ATR), die Schaltschränke baut, verschmolzen vor wenigen Wochen. Die Maschinenfabrik, unter deren Namen die Geschäfte weiterlaufen, stellt die Fertigung elektronischer Baugruppen zur Mess-, Steuer- und Regeltechnik zum Jahresende ein.Die Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau hatte im Geschäftsjahr 2024 noch 600 Millionen Euro Umsatz gemacht und einen Gewinn von 9,2 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Gießerei verdient mit einem Sechstel des Umsatzes immerhin 5,7 Millionen Euro Gewinn. Die Maschinenfabrik hingegen erwirtschaftet bei 56 Millionen Euro Umsatz weniger als eine Million Euro Gewinn. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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