Ein WM-Auftakt gegen Senegal – war da nicht mal was? „Ich weiß, dass Sie das Wort ‚Rache‘ gerne verwenden“, antwortete Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps, 57, am Tag vor dem ersten WM-Spiel der französischen Nationalmannschaft den Journalisten, die ihn an die identische Paarung 2002 in Seoul erinnerten. „Aber Rache gibt es im Fußball nicht.“ Die meisten seiner heutigen Spieler seien damals „nicht mal geboren“ gewesen. Und er selbst: „Ich habe das Spiel damals gesehen, aber ich war nicht dabei.“Eine 0:1-Niederlage gegen das Team aus Westafrika führte damals, vor 24 Jahren, zum Vorrunden-Aus der Bleus bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea. Und nun also: die Revanche? Oder könnte sich so etwas wie 2002 im Jahr 2026 wiederholen? „Wir werden sicherstellen, dass das Ergebnis diesmal positiv für uns ausfällt“, war Deschamps sich sicher. Aber allzu sicher kann man sich im Fußball halt nie sein. Und so lief im sogenannten New York/New Jersey-Stadion in East Rutherford am Dienstagmittag die 25. Minute, als ein Spieler des FC Bayern einen anderen Spieler des FC Bayern in ein vielversprechendes Sprintduell verwickelte.Der senegalesische Mittelstürmer Nicolas Jackson, 24, der in München eine eher mittelprächtige Saison hinter sich hat, lief auf seiner linken Seite dem französischen Innenverteidiger Dayot Upamecano, 27, davon. Jackson schoss, traf den Pfosten, von dort sprang der Ball an den Fuß des französischen Schlussmanns Mike Maignan, von dort kullerte er wieder Richtung Torlinie … aber haarscharf am Pfosten vorbei ins Aus.Es war eine erste Mahnung an den Titelkandidaten, dass das hier kein Selbstläufer wird gegen den Finalisten und Beinahe-Gewinner des vergangenen Afrika-Cups (der diesen Titel bekanntlich erst am grünen Tisch gegen Marokko verlor). Und überhaupt in der kniffeligen Gruppe I, in der neben dem mutmaßlichen Streichkandidaten Irak auch noch die starken Norweger um Erling Haaland warten. Auf Jacksons Weckruf sollten weitere folgen, zur Halbzeit blendete die Stadionregie die vorläufige Bilanz der Torschüsse ein. Senegal 5, Frankreich 1.Aber Didier Deschamps’ Franzosen waren ja schon immer die Meister des pragmatischen Minimalismus; weder 2018 in Russland noch 2022 in Katar hatten sie ein erweitertes Unterhaltungsprogramm geboten, ehe sie jeweils ins Endspiel einzogen (und 2018 gewannen). Ist das nun etwa wieder der Plan – trotz der spektakulären Offensivkönner, die Deschamps zur Verfügung hat?Nach der Pause werden die Franzosen deutlich besser, da stört auch ein verweigerter Elfer nicht großNun, diesmal reichte den Franzosen eine deutliche Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit – und schon wurde die Partie doch noch zum Spektakel. Angefangen bei einem Traumpass des FC-Bayern-Rechtsaußen Michael Olise durch alle Schnittstellen hindurch in die Spitze, den Kylian Mbappé aus der Drehung im Tor unterbrachte (66. Minute). Schon waren die anfänglichen Zweifel – Rache hin, Revanche her – beseitigt. In der 82. Minute passte dann Adrien Rabiot ebenso spektakulär auf den eingewechselten Bradley Barcola; der traf ebenfalls mit nur einem Ballkontakt aus der Drehung. Auch ein Spiel, in dem sie schwach beginnen, können Les Bleus dank ihrer Offensivqualität überzeugend gewinnen – letztlich war das sogar eine ziemlich gute Nachricht für die Franzosen. Kaum getrübt wurde sie, als Ibrahim Mbaye in der Nachspielzeit noch den 2:1-Anschlusstreffer erzielte (90.+5). Denn gleich danach traf erneut Mbappé, diesmal aus der Distanz in den Winkel (90.+6).Den 3:1 (0:0)-Sieg werden sie auch im Hotel der deutschen Mannschaft in Winston-Salem interessiert zur Kenntnis genommen haben. Dass der Turnierbaum Deutschland und Frankreich am 4. Juli in Philadelphia in einem Achtelfinale zusammenführt, bleibt also weiter möglich. Dafür müssten beide ihre Gruppen als Sieger abschließen.Vor dem Start ins Turnier hatte es für Deschamps ein paar offene Fragen in Bezug auf die Startaufstellung gegeben. Aber nichts Grundsätzliches. Theo Hernández erhielt dann als linker Außenverteidiger den Vorzug vor Lucas Digne; William Saliba, der zuletzt mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte, war rechtzeitig fit geworden und lief neben Upamecano als Innenverteidiger auf. Und dann war da noch die Position im weltweit gefürchteten Offensiv-Vierzack zu vergeben gewesen, neben Mbappé, Olise und Ousmane Dembélé. Hier entschied Deschamps sich für den jungen Desiré Doué von Paris Saint-Germain.Doch nach den ersten 45 Minuten, in denen kaum mal ein Pass den Mittelstürmer Mbappé erreichte, sah das alles noch ziemlich unperfekt aus. So viel Offensivtalent auf dem Rasen – und doch so wenige Offensivszenen, die diesen Namen verdienten.In der zweiten Halbzeit ging es zunächst so weiter. Geradezu kurios wurde es in der 58. Minute nach dem nächsten Vorstoß von Mbappé in den Strafraum. Da kam ein weiterer Senegalese herangerauscht, den sie beim FC Bayern gut kennen: ihr ehemaliger Stürmer Sadio Mané. Mbappé flog durch die Luft, ein möglicher Elfmeter stand zur Disposition, und nach einer ausgiebigen Prüfung zeigte der iranische Schiedsrichter tatsächlich auf den Punkt. Er meinte aber, warum auch immer, Abstoß. Kurz empörten sich die Franzosen, dann lösten sie das Problem eben mit Toren aus dem Spiel heraus.
Frankreich gegen Senegal: Kylian Mbappé beseitigt alle Zweifel
Vor 24 Jahren erlebten die Franzosen eine WM-Schmach gegen Senegal, für die sie sich diesmal revanchieren: Beim 3:1 steigert sich die Deschamps-Elf aber erst nach der Pause – mit Michael Olise und Kylian Mbappé in prägenden Rollen.












