Der Satz war unscheinbar, klang aber auf den zweiten Blick schon ein wenig wie eine Drohung an all die anderen bedeutenden WM-Nationen, die noch ihren Zugang zu diesem noch jungen Turnier suchen. „Ich glaube nicht, dass wir schon in Fahrt sind, aber es ist großartig, so anzufangen“, sagte Kylian Mbappé nach dem am Ende sehr souveränen 3:1 (0:0) seiner Franzosen gegen Senegal, in dem nicht nur die Mannschaft ein Zeichen der Stärke gesetzt hatte. Auch Mbappé selbst hat sich auf imponierende Art und Weise als potenzieller Superstar dieses Turniers positioniert.Der Angreifer von Real Madrid erzielte das 1:0 (66.) und das 3:1 (90.+6) und ist nach diesem Tag nur noch zwei Treffer von Miroslav Kloses Rekord entfernt, der mit 16 Weltmeisterschaftstoren an der Spitze der ewigen Torschützenliste der Turniergeschichte steht. Mbappé hat jetzt 14. Zwei andere Rekorde hat er jedoch bereits an diesem Tag gebrochen. In der Nationalmannschaft löste er Oliver Giroud als besten Torjäger ab, Mbappé gelangen seine Tore 57 und 58 für die Èquipe Tricolore, Giroud hat 57. Und nebenbei überholte der Angreifer noch seinen Landsmann Just Fontaine, den Franzosen, der mit seinen 13 Treffern zwischen 1958 und 2006 der historisch erfolgreichste WM-Torschütze aller Nationen gewesen war, und bis 2026 auch der erfolgreichste Franzose.„Er weiß einfach, wie eine WM funktioniert“Was für ein Tag also für den Mbappé, der seine Großtaten aber nie so selbstherrlich in Szene setzt wie beispielsweise Cristiano Ronaldo. „Ich spiele Fußball, um die Geschichte meines Landes mitzugestalten, um mit meiner Mannschaft Endspiele zu erreichen und die Weltmeisterschaft zu gewinnen“, sagte er. „Alles andere gehört zu meiner Persönlichkeit und meiner Karriere.“Weltmeisterschaften sind ja immer Wochen, in denen Geschichten entstehen, die noch Jahre später erzählt werden. Spätestens an diesem Abend hat auch dieses Turnier damit angefangen. „Er weiß einfach, wie eine WM funktioniert“, sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps über den Spieler des Spiels.Mbappé ist ein TurnierspielerZunächst hatten die Franzosen um die Vier-Stürmer-Formation mit Mbappé, Michael Olise, Ousmane Dembélé und Desiré Doué aber viel Mühe mit dem Senegal. Der Weltmeister von 2018 hatte relativ viel Ballbesitz, die Kombinationen führten jedoch nicht zu viel Torgefahr. Die besseren Chancen erspielten sich vor der Pause vielmehr die Afrikaner. Nicolas Jackson traf den Pfosten und Ismail Sarr setzte aus sechs Metern freistehend einen Schuss über das Tor (45.+6). Doch am Ende dieser gigantischen WM wird der Sieger 14 Halbzeiten absolviert haben, die erste ist da kaum mehr als ein vorsichtiges Kennenlernen dieses Turniers und seiner Eigenheiten. Und Mbappé wollte nicht einmal dieser sehr besonderen zweiten nicht zu viel Bedeutung beimessen. „Es ist nur ein Vorrundenspiel, man muss einfach ruhig bleiben, alles geht sehr schnell bei einer Weltmeisterschaft“, sagte er.Der Superstar ist erst 27 Jahre alt, aber längst ein sehr erfahrener Turnierspieler. 2018 gewann er den Titel, 2022 stand er mit seinem Team in einem sagenhaft guten Endspiel, das im Elfmeterschießen verloren ging. Mbappé hat zwar auch schon viele Titel mit seinen Klubs gewonnen, unter anderem die Champions League mit Real Madrid. Mehr noch als ein Klubspieler ist er aber ein WM-Spieler.Das Wissen, das er in all den Turnieren sammelte, zu denen auch drei Europameisterschaften zählen, hilft dabei, emotional einen über Wochen tragfähigen Zustand zu entwickeln, obgleich die Welt verrückt zu spielen scheint. Im Moment ist Frankreich, was Deutschland einmal war: eine Turniermannschaft. Und Mbappé ist ein Turnierspieler, ein Kapitän, der zum WM-Einstieg gemeinsam mit seinen Kollegen und seinem Trainer sehr geschickt und schnell die passenden Maßnahmen fand, um die Probleme der ersten Halbzeit zu beheben.Kein Elfmeter nach Mané-FoulUnd so wurde dieses Spiel nach der Pause mehr und mehr zu einem Frankreich-Spiel, wie es zu erwarten gewesen war. Olise tauschte mit Dembélé die Position und war plötzlich dieser Angreifer, den es seit zwei Jahren beim FC Bayern zu bestaunen gibt: schlau, leichtfüßig, konsequent. Im Maschinenraum, wo nicht nur die defensiven Mittelfeldspieler Adrien Rabiot und Aurelién Tchoauméni arbeiteten, wurde aufs Gas getreten. Wie ein Schmetterling aus dem Kokon entfaltete sich dieses neue Didier-Deschamps-Frankreich, das inspiriert ist von Spielfreude und vom Paris-Saint-Germain-Geist, statt von der alten Neigung ihres Trainers zum Pragmatismus.Diesen Moment des Erfolges nutzte Deschamps, um nochmal ein paar Überlegungen im Mbappé-Kontext aufzuklären. Ja, es gebe Leute, die den Stürmer für sein manchmal etwas nachlässiges Spiel gegen den Ball kritisieren, und „Kylian macht hier weniger als andere, aber er arbeitet trotzdem viel für die Mannschaft“, sagte der Trainer und erklärte: „Die Leute werden immer einen Grund finden, ihn zu kritisieren, aber er ist ein ikonischer Spieler.“ Der sogar noch einen dritten Treffer hätte erzielen können.Denn eigentlich hätten die Franzosen nach einem Foul von Sadio Mané an Mbappé einen Elfmeter bekommen müssen, den wohl Mbappé geschossen hätte. Der Schiedsrichter entschied sich jedoch gegen den Strafstoß und blieb auch nach Ansicht der TV-Bilder bei seinem ursprünglichen Urteil: kein Elfmeter. Der französische Superspieler musste sich also mit zwei Treffern begnügen, aber auch so ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Kloses WM-Rekord übertroffen wird.
Fußball-WM 2026: Frankreichs Mbappé bricht zwei Rekorde bei WM-Auftaktsieg gegen Senegal
Erst in der zweiten Halbzeit kommt Frankreich gegen Senegal so richtig in Fahrt. Kylian Mbappé bricht gleich zwei Rekorde. Und positioniert sich als potenzieller Superstar dieses Turniers.











