»Wir haben uns vor Kurzem einen Hund angeschafft. Meine Frau und ich diskutieren häufig über die Ernährung des Tieres. Ich bevorzuge normales Trockenfutter. Meiner Frau hingegen wäre es lieber, der Hund bekäme hochwertigeres Nassfutter, am besten von einer Bio-Marke. Sie argumentiert, dass es gesünder sei und das Leben verlängere. Das sagen so auch Hundeexperten. Bio-Futter fürs Tier, während viele Menschen sich Bio nicht leisten können, kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Mit der kürzeren Lebenserwartung des Tieres kann ich umgehen. Ich möchte das aber vor ihr nicht anführen, um nicht als Tierquäler wahrgenommen zu werden. Haben Sie eine andere starke Argumentationslinie, wie ich meine Frau überzeugen kann?« Anonym, BerlinWie schön ist es doch, wenn Menschen diskutieren. Der Austausch von Argumenten gilt nicht erst seit der Antike als gutes Training für eigenständiges Denken, und weil gegen eigenständiges Denken nichts zu sagen ist, überhaupt gegen Denken, ist diese Frage nur zu begrüßen. Aber leider kann ich sie nicht beantworten. Weder nennen Sie die Rasse des Hundes noch sein Alter, es fehlen also wichtige Grundlagen für eine ernstliche Recherche. Vermutlich spricht für beide Ernährungsweisen etwas, sonst hätten Sie und Ihre Frau sich ja wohl längst geeinigt.Am Ende hängt es für Sie an der Frage, ob man einem Hund etwas zugutekommen lassen möchte, das viele Menschen sich aus ökonomischen Gründen versagen müssen. Ausgerechnet dieses Argument aber enthalten Sie Ihrer Frau vor – warum? Das ist doch für Sie der eigentliche Knackpunkt. Während Ihre Frau biologisch argumentiert, geben Sie das für sich nur vor, während es Ihnen in Wahrheit um Moral geht. Beziehungsweise um die Frage, was ein Tier wert ist. Oder anders: wie weit ein Tier unter dem Menschen steht. Doch auch das werden wir hier nicht klären können. Das Verhältnis des Menschen zum Tier ist zutiefst gestört und pervers. Während viele Tiergattungen unhinterfragt gegessen werden, ja sogar deren Junge, behandelt man andere wie kleine Kinder, gibt ihnen Namen, schläft mit ihnen im selben Bett. Und ein einzelner irgendwo gestrandeter Wal bekommt mitunter mehr Mitleid als Kriegsopfer in einem Land, in dem man niemanden persönlich kennt.Ich kann Ihnen leider keine Argumente liefern, mit denen Sie Ihre Frau überzeugen können, weil ich nicht einmal weiß, auf wessen Seite ich hier stehe. Vielleicht finde ich ja, dass man dem Hund, den man nun mal liebt und bei sich aufgenommen hat, das bestmögliche Leben bieten sollte, das man sich für ihn leisten kann?
Nur das Beste für den Hund?
Genügt Trockenfutter oder sollte man das Haustier mit hochwertigem Bio-Nassfutter versorgen? Ein Leser ist uneins mit seiner Frau über die Ernährung ihres neuen Hundes.








