Nach dem 10-Millionen-Entscheid: Drei Umfragen attestieren den neuen Verträgen mit der EU intakte ChancenDie Begeisterung über das neue bilaterale Paket hält sich in Grenzen. Aber die Mehrheit scheint keinen überzeugenden «Plan B» zu sehen.16.06.2026, 20.54 Uhr3 LeseminutenEs bleibt kompliziert: Voraussichtlich in zwei Jahren kann die Schweiz über ihr Verhältnis zur EU abstimmen.Peter Klaunzer / KeystoneMan sollte die Aussagekraft politischer Umfragen nie überschätzen. Schon viele Parteistrategen haben bittere Erfahrungen gemacht, weil sie sich vor Abstimmungen oder Wahlen auf Umfragewerte verlassen hatten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Man sollte Umfragen aber auch nicht unterschätzen. Vor einem Jahr hat eine Befragung des Instituts Sotomo ergeben, dass 48 Prozent für die 10-Millionen-Initiative stimmen wollen. Als am Sonntag tatsächlich abgestimmt wurde, waren es 45,2 Prozent. Umfragen können also auch relativ nahe an der Realität sein.Nun sind unmittelbar nach der 10-Millionen-Abstimmung gleich drei neue Umfragen veröffentlicht worden, die sich alle mit dem nächsten grossen Konflikt in diesem Dossier befassen: Hat das Paket zu den bilateralen Abkommen, das der Bundesrat mit der EU ausgehandelt hat, an der Urne eine Chance?Die Gegner um die SVP sprechen von einem «Unterwerfungsvertrag», die Befürworter von den «Bilateralen III». Der Bundesrat will mit der Vorlage fünf bestehende Abkommen wie die Personenfreizügigkeit revidieren und drei neue abschliessen (Strom, Lebensmittel, Gesundheit).Zustimmung zwischen 46 und 62 ProzentWenn heute abgestimmt würde, hätte das Paket relativ gute oder zumindest intakte Chancen: Zu diesem Schluss kommen die drei Umfragen übereinstimmend, wobei sich die Werte aber unterscheiden. In einer Befragung von GfS Bern im Auftrag von Interpharma sagten 62 Prozent, dass sie bestimmt oder eher für das Paket stimmen wollen. 31 Prozent sind dagegen, 7 unentschlossen.Etwas geringer ist die Zustimmung in einer Umfrage, die Sotomo für den Wirtschaftsdachverband Economiesuisse durchgeführt hat: Hier haben 59 Prozent die Frage, ob sie die Vorlage unterstützen würden, mit «Ja» oder «eher Ja» beantwortet. 33 Prozent sind dagegen, 8 wissen es noch nicht.Deutlich kleiner ist die Unterstützung bei einer Umfrage, die das Institut Leewas mit Tamedia und «20 Minuten» durchgeführt hat: Hier haben gemäss den Autoren 46 Prozent erklärt, dass sie Ja stimmen wollen. Das reicht zwar nicht für eine Mehrheit, trotzdem sind die Befürworter auch nach dieser Umfrage im Vorteil, weil lediglich 40 Prozent angaben, Nein zu stimmen. 14 Prozent sind unentschlossen.Nur das Paket des Bundesrats ist mehrheitsfähigDie Interpharma-Befragung ist insofern erhellend, als sie seit 2015 erhoben wird und somit aufzeigen kann, ob und wie sich Einstellungen verändern. Die Teilnehmer werden unter anderem mit sechs Varianten konfrontiert, wie die Schweiz ihre Beziehungen zur EU gestalten könnte.Dabei zeigt sich, dass mittlerweile der Plan des Bundesrats am meisten Unterstützung findet. Diese Variante wird in der Umfrage so umschrieben: «Weiterentwicklung der Bilateralen trotz Übernahme von EU-Recht». Dafür haben sich 53 Prozent der Befragten ausgesprochen. Das sind deutlich weniger als die 62 Prozent, die sich generell für das neue Paket ausgesprochen haben. Das mag daran liegen, dass bei der Frage mit den Varianten einer der zentralen Kritikpunkte explizit angesprochen wird: die dynamische Rechtsübernahme.Auffälliger ist ein anderer Punkt: Die Weiterentwicklung der Bilateralen inklusive Rechtsübernahme ist die einzige der abgefragten Varianten, die von einer Mehrheit unterstützt wird. Alle anderen Optionen für das künftige Verhältnis zum wichtigsten Partner der Schweiz sind nur für Minderheiten verlockend.Auf dem zweiten Platz folgt erstaunlicherweise der Beitritt zum EWR, der mit einem grösseren Integrationsschritt verbunden wäre als das bundesrätliche Paket. 47 Prozent könnten sich laut der Umfrage einen EWR-Beitritt vorstellen. Dieser Wert hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen, zeitweise lag er bei 60 Prozent.Option Freihandel wird weniger unterstütztEbenfalls an Attraktivität verloren hat eine andere Variante, die vorübergehend von der SVP propagiert worden ist: die Kündigung der Bilateralen und der Abschluss eines neuen Freihandelsabkommens inklusive Landwirtschaft. Diese Option wurde lange von 50 bis 60 Prozent der Befragten unterstützt. Mittlerweile scheint Ernüchterung eingekehrt zu sein: Nur noch 43 Prozent sind für diese Variante.Inzwischen sprechen sich die meisten Gegner der neuen Verträge dafür aus, beim Status quo zu bleiben und mit den bestehenden Verträgen weiterzumachen. Aber auch dieser Vorschlag kommt weniger gut an (40 Prozent). Erst recht chancenlos sind die Varianten Alleingang (17 Prozent) und EU-Beitritt (20).So spannend die Umfragen auch sind, abgerechnet wird an der Urne. Die Volksabstimmung über das Paket dürfte frühestens 2028 stattfinden.Passend zum Artikel