PfadnavigationHomePolitikAuslandG7-Gipfel in EvianTrump sieht Iran als erledigt an – und will sich wieder der Ukraine zuwendenStand: 19:30 UhrLesedauer: 3 MinutenUS-Präsident Donald Trump beim G7-GipfelQuelle: MANDEL NGAN/AFPNach Aushandlung eines Abkommens mit dem Iran wendet sich US-Präsident Trump wieder der Ukraine zu. „Jetzt, wo das eine beendet ist, können wir uns auf das andere konzentrieren und sehen, dass wir das erledigt bekommen“, sagte er beim G7-Gipfel.Einmal quer durch den riesigen Garten des Hôtel Royal lief Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, um seinen ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj direkt am Auto abzuholen. Die Botschaft war klar: Die Ukraine sollte beim G7-Gipfel in Evian volle Aufmerksamkeit bekommen. Die Gelegenheit dafür war günstig wie lange nicht: US-Präsident Donald Trump zeigte sich überraschend entschlossen, sich der Ukraine wieder zuzuwenden, nachdem er monatelang durch den von ihm mitangezettelten Iran-Krieg abgelenkt war.„Jetzt, wo das eine beendet ist, können wir uns auf das andere konzentrieren und sehen, dass wir das erledigt bekommen“, sagte Trump, der bestens gelaunt in Evian erschien – noch ganz begeistert von der Kampfschau am Vorabend, die er sich selbst zum 80. Geburtstag geschenkt hatte, und die er immer wieder erwähnte.Trump mag Kampfschauen, weil er Gewinner mag – insofern hatte Selenskyj bessere Chancen als je zuvor, die Aufmerksamkeit des US-Präsidenten zu bekommen. Die Ukraine hat sich zuletzt gut geschlagen gegen Russland, sie hat Gebietsgewinne gemacht, immer bessere Drohnen entwickelt und Ziele tief in Russland getroffen.Lesen Sie auchUnd Selenskyj weiß um die Macht der Bilder: Bei der Ukraine-Sitzung der G7-Staaten zeigte er Fotos der bei Angriffen beschädigten Kathedrale, die zum Kiewer Höhlenkloster gehört. Dies dürfte Trump berührt haben, der sich gerne als Beschützer bedrohter Christen inszeniert.Und wie fast immer bei Trump spielen große Geldbeträge eine wichtige Rolle: Die Tatsache, dass die EU der Ukraine 90 Milliarden Euro zugesagt hat, dürfte ihm die Sorge nehmen, dass die USA am Ende zahlen sollen.Lesen Sie auchBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte kurz vor Beginn des Treffens gemutmaßt, dass sich mit Blick auf die Ukraine ein „Fenster für die Diplomatie“ öffnet. Auch Macron sprach bei seinem Gang mit Selenskyj durch den Hotelgarten von einem „offenen Fenster“. Er bemühte sich erfolgreich, Selenskyj und Trump zu Zweiergesprächen zusammenzubringen, die zunächst nicht eingeplant waren.Lesen Sie auchSelenskyj postete später ein Foto von sich und Trump mit dem Kommentar: „Es ist immer gut, Positionen miteinander abzustimmen“. Kein Vergleich mit der Szene im Oval Office im Februar, wo Trump Selenskyj offensichtlich als Verlierer sah und herablassend abkanzelte.Wenig später forderte Trump deutlich wie lange nicht, dass Russland Verhandlungen aufnehmen solle. Zudem zeigte er sich erstmals offen dafür, die Ausnahmen bei Ölsanktionen gegen Russland zurückzunehmen. Alle G7-Staaten seien sich einig, den Druck auf Russland zu erhöhen, sagte ein deutscher Regierungsvertreter und betonte dabei das Wort „alle“.Für die Europäer ist dies eine erfreuliche Nachricht – begleitet von der Sorge, dass Trump erneut einen Alleingang in der Ukraine versuchen könnte. Das G7-Format erweist sich als nützliches Format, um Trump wieder an Bord zu bekommen und zugleich eine führende Rolle der Europäer bei möglichen Verhandlungen mit Russland einzufordern.Lesen Sie auchDass der russische Präsident Wladimir Putin überraschend anreisen könnte – wie Selenskyj es angeregt hatte –, gilt als ausgeschlossen. Zum einen entspräche es nicht Putins Charakter, zum anderen liegt gegen ihn ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen vor.Merz könnte also durchaus recht haben mit dem offenen Fenster. Ob es am Ende tatsächlich zu einer neuen und wirkungsvollen Verhandlungsrunde mit Russland kommt, hängt allerdings noch von zahlreichen Unwägbarkeiten ab. Nach Trumps Ansicht sind die Konflikte im Iran und in der Ukraine eng verbunden, und er betrachtet den Iran als abgehakt.Lesen Sie auchTatsächlich sind die Details des Abkommens, das am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden soll, noch nicht bekannt – und es ist nicht auszuschließen, dass beide Seiten es unterschiedlich auslegen könnten und der Konflikt am Ende wieder aufflammt. Dies könnte Trumps frisches Interesse an der Ukraine schnell wieder abflauen lassen.AFP/doli