Den freien „Familientag“ der deutschen Fußball-Nationalspieler verbrachte Joshua Kimmich ohne Familie, zumindest ohne seine. Frau und Kinder sind in Deutschland, kommen erst zum dritten WM-Spiel gegen Ecuador in der kommenden Woche nach New York.Allein musste Kimmich den Dienstag dennoch nicht verbringen. Am Morgen saß der Kapitän auf dem Campus der Wake Forest University in der Farrell Hall, in der die Pressekonferenzen des Deutschen Fußball-Bundes während dieser Weltmeisterschaft stattfinden.Joshua Kimmich: „Ihr seid ja quasi im Urlaub hier“Kimmich war gut gelaunt, trotz des Arbeitseinsatzes am freien Tag, und auch ein wenig angriffslustig. Die Antwort auf die erste Frage, ob er am freien Tag noch etwas Besonderes vorhabe, begann er mit dem potentiellen „Unwort des Jahres“: „Noch nicht.“ Und er spielte die Frage zurück an die Journalistinnen und Journalisten, mit einem Lachen: „Vielleicht habt ihr ja Empfehlungen, was man hier machen kann. Ihr seid ja quasi im Urlaub hier.“In den nächsten 40 Minuten kamen ein paar Ideen zusammen, bessere, wie der Besuch beim Inder – ein Restaurant in der 4th Street in Winston-Salem – und schlechtere, wie die Annäherung an die Tierwelt, die Kimmich schon Respekt eingeflößt hat: „Hier hat man das Gefühl, wenn du mal auf eine Schlange trittst, kann es böse enden.“Böse enden soll diese WM nicht, nicht für Kimmich, nicht für Kimmichs zweite „Familie“. Die Bezeichnung ist auffällig oft zu hören in diesen Tagen, wenn es um die gute Stimmung im Tross der Nationalelf geht. Kimmich versuchte, den Eindruck zu relativieren. „Wenn man am Ende ein Spiel verliert, ist die Stimmung negativ.“ Zum Glück sei das erste Spiel gewonnen worden. Dennoch: „Hier ist nicht jeden Tag Friede, Freude, Eierkuchen.“Zudem entstehe diese zweite „Familie“ sowieso weniger an einem freien Tag wie am Dienstag, sondern an den „Werktagen“, die von diesem Mittwoch an in der Vorbereitung auf das zweite WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste am Samstag folgen: „Familie wird man vor allem auf dem Platz.“Früher war das womöglich anders. „Viele Experten sagen, dass sie einen saufen waren.“ Dass danach alles super sei, bezweifelte Kimmich. „Aber wenn du auf dem Platz zusammen alles reinhaust, kannst du das verstärken, indem du abends mal ein stilles Wasser zusammen trinkst.“ Vielleicht ja beim Inder in der 4th Street.