Der russische Angriff auf die Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale auf dem Gelände des Höhlenklosters in Kiew ist nur das letzte kulturelle Kriegsverbrechen, dessen sich Wladimir Putin, der Machthaber in Moskau, schuldig gemacht hat. Zum Glück hat das Gotteshaus die Attacke überstanden, die dem ukrainischen Geheimdienst SBU zufolge mit einer Kamikazedrohne ausgeführt worden ist.Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat angekündigt, dass die Kirche vollständig wiederhergestellt wird – es wäre dies ihre zweite Wiedergeburt. 1941 war die Kathedrale von den Deutschen, die vor der sowjetischen Armee zurückwichen, gesprengt worden. Und erst im Jahr 2000 war sie wieder vollständig aufgebaut und wurde neu eröffnet.Überraschend ist der Angriff auf die Kathedrale nicht. Das ukrainische Kulturministerium zählte schon Ende 2024 etwa 1220 beschädigte oder zerstörte Kulturgüter. Die UN-Kulturbehörde Unesco bestätigte vor wenigen Tagen weit mehr als 500 zerstörte oder beschädigte bedeutende Kulturgüter in der Ukraine. Berühmt-berüchtigt ist die Ansicht des Kreml-Herrschers, Ukrainisch sei keine richtige Sprache, die Ukraine nur „ein künstliches, in Sowjetzeiten geschaffenes Land“. So sagte es Putin 2008 zu US-Präsident George W. Bush.Ein solches Land hat in seiner Logik also kein Recht auf eine eigene Kultur; diese muss demnach zerstört oder geplündert, ihre Repräsentanten müssen ermordet werden, so wie es etwa Diktator Josef Stalin in den 1930er-Jahren tat. Doch stattdessen wagte es Kiew 2023, das bis dahin von einem dem Moskauer Patriarchen Kirill unterstehenden Zweig der Orthodoxen Kirche genutzte Höhlenkloster zu übernehmen. Und schüttelte damit die Moskauer Oberherrschaft auch auf religiösem Gebiet demonstrativ ab. Das dürfte für Putin wohl ein weiterer Grund gewesen sein, den Angriff auf die Kathedrale zu genehmigen. Dieser sollte Kiews Willen zur Eigenständigkeit bestrafen.
Angriff auf Höhlenkloster: Russland spricht der Ukraine das Recht auf eine eigene Kultur ab
Das Bombardement der Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale in Kiew ist schrecklich, kommt aber nicht überraschend. In ihm spiegelt sich die krude Weltsicht des Mannes im Kreml.












