PfadnavigationHomePolitikAuslandUkraine-Krieg„Barbarei“, „ruchlose Attacken“ – Brand in Höhlenkloster in Kiew löst Empörung ausStand: 11:26 UhrLesedauer: 5 MinutenBei einem massiven russischen Luftangriff auf die Ukraine sind mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. In der Hauptstadt Kiew gab laut Bürgermeister Vitali Klitschko mindestens 23 Verletzte. Reporter Max Hermes berichtet.Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist zum Ziel intensiver russischer Luftangriffe geworden. Ein historisches Wahrzeichen stand in Flammen. „Eine echte Bereitschaft besteht auf russischer Seite bisher nicht, in Verhandlungen einzutreten“, sagt Außenminister Wadephul.Bei einer neuen Welle russischer Luftangriffe auf die Ukraine ist die Hauptkirche des zum Weltkulturerbe zählenden Höhlenklosters in Kiew in Brand geraten. „Nach operativen Informationen gibt es ernsthafte Schäden auf dem Gelände des Höhlenklosters“, schrieb der Militärgouverneur der Dreimillionenstadt, Tymur Tkatschenko, bei Telegram. Landesweit gab es ukrainischen Behördenangaben zufolge mindestens zehn Tote und Dutzende Verletzte. Allein in Kiew sprachen die Behörden von 5 Toten und 30 Verletzten.Russland habe die Hauptstadt Kiew mit mehr als 60 Raketen und Marschflugkörpern angegriffen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Insgesamt seien gegen die Ukraine in der Nacht 611 Drohnen sowie 70 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt worden. Bilder der Schäden am jahrhundertealten Höhlenkloster in Kiew machten in sozialen Netzwerken schnell die Runde. Flammen züngelten aus dem Dach unter den vergoldeten Kuppeln der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, der Hauptkirche auf dem Klostergelände, das zum ukrainischen Staatseigentum gehört. Es ist unklar, ob die weltberühmte Pilgerstätte wegen direkter Einschläge russischer Geschosse oder durch herabfallende Trümmer nach dem Einsatz der Flugabwehr in Brand geraten war. Russland teilte mit, eine US-Luftabwehrrakete vom Typ Patriot sei in dem Kloster eingeschlagen. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.Selenskyj sprach von einem der „größten russischen Verbrechen gegen die christliche Kultur“. Der Brand sei inzwischen gelöscht. Die alten Ikonen und anderen Heiligtümer des orthodoxen Christentums sind nach Kirchenangaben in Sicherheit. Es sei eine rasche Rettung liturgischer Gegenstände und der Reliquien organisiert worden, teilte Metropolit Awraamij auf Facebook mit. Sie hätten „nicht nur kirchlichen, sondern auch nationalen und universellen Wert“, sagte der Vorsteher des Klosters.Selenskyj rief die Gruppe der sieben großen Industrienationen (G 7) zu einer entschlossenen Antwort auf die russischen Angriffe auf. Es brauche mehr Druck auf den Aggressor, mehr Unterstützung für die Luftverteidigung der Ukraine – vor allem zum Schutz vor Angriffen mit ballistischen Raketen, teilte Selenskyj bei Telegram mit. Er wird am Abend beim G-7-Gipfel im französischen Évian erwartet. Lesen Sie auchDer ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf Kremlchef Wladimir Putin auf X „Barbarei“ vor. Außenminister Johann Wadephul verurteilte die nächtlichen russischen Luftangriffe auf die Ukraine scharf. Der CDU-Politiker sprach von „ruchlosen Attacken“, die sich unter anderem gegen europäische Kulturgüter von unschätzbarem Wert gerichtet hätten. „Das zeigt: Eine echte Bereitschaft besteht auf russischer Seite bisher nicht, in Verhandlungen einzutreten“, sagte der CDU-Politiker mit Blick auf Spekulationen über eine mögliche Wiederaufnahme von Gesprächen über einen Waffenstillstand. Deswegen werde man die Ukraine weiter unterstützen und die Sanktionspolitik gegen Russland fortsetzen.US-General zieht Vergleich zu deutschen Angriffen im Zweiten WeltkriegEU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte auf X an, dass beim G-7-Gipfel über nächste Schritte gesprochen werde, um den Druck auf Russland zu erhöhen, Kremlchef Putin an den Verhandlungstisch zu bringen und dieses sinnlose Töten zu beenden. „Europa will Frieden. Niemand mehr als das ukrainische Volk. Russland hingegen hat erneut gezeigt, dass es allein an Gewalt und Zerstörung interessiert ist.“Donald Trumps früherer Sondergesandter für die Ukraine, General Keith Kellogg, schrieb auf der Plattform X: „Dieser Angriff der Russen auf das Kloster in Kiew heute Nacht macht keinen Sinn.“ Weiter zog Kellogg einen Vergleich zum Zweiten Weltkrieg: „Er (der Angriff) lässt Parallelen zu den deutschen Bombenangriffen auf die Londoner St. Paul’s Cathedral im Jahr 1940 erkennen.“ Das werde nicht funktionieren. „Kann mir jemand die militärische Notwendigkeit dieses russischen Angriffs erklären? Es gibt keine.“Das jahrhundertealte Kiewer Höhlenkloster beherbergt in einem verzweigten unterirdischen Höhlensystem auch mumifizierte Überreste von Geistlichen. Es gehört seit 1990 zum Weltkulturerbe. Es steht unter dem Schutz der UN-Kulturorganisation Unesco. Auf dem Gelände der weltberühmten Pilgerstätte am Fluss Dnipro, deren Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückgehen, befinden sich mehrere Museen. Der sogenannte untere Teil wird trotz staatlichem Druck weiterhin von der ukrainisch-orthodoxen Kirche genutzt, die sich bis zum russischen Einmarsch von 2022 als Teil des Moskauer Patriarchats sah, sich inzwischen jedoch von Moskau lossagte.Einschläge in drei Stadtteilen KiewsBürgermeister Klitschko zufolge sorgten die russischen Angriffe auch dafür, dass 140.000 Einwohner nach Beschädigungen an Oberleitungen ohne Strom sind. Trümmer abgeschossener Drohnen hätten weitere Häuser und Autos in Brand gesetzt. Etwa 30 Fahrzeuge sollen in Flammen aufgegangen sein. Klitschko zufolge gab es in drei Stadtteilen Einschläge. Die ukrainische Luftwaffe warnt vor anhaltenden Drohnenangriffen.Als Reaktion auf die russischen Luftangriffe ließ Polen eigene Kampfjets aufsteigen. Zudem wurden bodengestützte Luftabwehrsysteme und die Radaraufklärung in Bereitschaft versetzt, teilen die polnischen Streitkräfte auf der Plattform X mit. Die Maßnahmen sind den Angaben zufolge präventiver Natur. Sie dienen dem Schutz des eigenen Luftraums, insbesondere in den an die Ukraine grenzenden Gebieten.Die russischen Behörden meldeten derweil ukrainische Angriffe. In der Stadt Tula, rund 200 Kilometer südlich von Moskau, wurden nach Angaben des russischen Regionalgouverneurs Dmitri Miljaew drei Menschen bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Drei weitere Menschen, darunter ein einjähriges Kind, seien bei dem Angriff auf ein Wohngebiet verletzt worden. Die Stadtverwaltung von Moskau teilte mit, es seien mehrere anfliegende Drohnen abgeschossen worden.Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion.dpa/rtr/luwi/ll