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G7-Gipfel in Frankreich: Test the West China, KI, Ukraine: Die Agenda am Genfer See war schon kompliziert genug, bevor der US-Präsident seinen Iran-Deal verkündete. Finden die führenden Industrieländer eine Linie?

Daniel Goffart, Max Haerder 16.06.2026 - 10:42 Uhr aktualisiert Bundeskanzler Friedrich Merz beim G7 Gipfel in Évian. Foto: IMAGO/BestimageDie Demonstranten waren schon da, noch bevor die ersten Hubschrauber die Staats- und Regierungschefs am Montagabend im malerischen Évian-les-Bains am Südufer des Genfer Sees absetzten. Im großen Sicherheitsabstand zum Tagungsort, dem Fünf-Sterne-Ressort „Hôtel Royal“, sammelten sich tausende Protestierende, die anders als in der Vergangenheit aber weitgehend friedlich blieben.Gastgeber des G7-Gipfels ist in diesem Jahr Emmanuel Macron. Für den französischen Staatspräsidenten ist die zweitägige Konferenz der sieben führenden westlichen Industrieländer die letzte Gelegenheit, im ganz großen internationalen Rahmen zu glänzen. Seine Amtszeit endet 2027.Offiziell beginnt der G7-Gipfel zwar erst heute, allerdings trafen sich die sieben Staats- und Regierungschefs schon am gestrigen Montagabend inoffiziell zum Abendessen auf der Hotelterrasse. Durch den am Sonntag verkündeten Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran wird das Treffen mit noch größerer Bedeutung aufgeladen sein als ohnehin schon. Ursprünglich hatte vor allem der Umgang mit China im Mittelpunkt der Arbeitssitzungen stehen sollen – versteckt hinter der diplomatischen Überschrift „Wiederbelebung eines ausgewogenen und nachhaltigen Wirtschaftswachstums“. Nun rücken die Folgen des Iran-Abkommens in den Vordergrund.„Die Straße von Hormus muss geöffnet werden“Die Regierungschefinnen und -chefs von Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan wollen sich aus erster Hand von US-Präsident Donald Trump über die Vereinbarung informieren lassen, die auf Vermittlung Pakistans zwischen dem Iran und den USA getroffen worden ist. Neben dem Verzicht des Iran auf eigene Atomwaffen steht für die EU-Partner unter den G7 auch die ungehinderte Passage durch die Straße von Hormus im Vordergrund.Man dürfe, so hieß es aus Regierungskreisen in Brüssel, unter keinen Umständen zulassen, dass der Iran eine Art Oberaufsicht über diesen Schifffahrtsweg beanspruche, möglicherweise noch verbunden mit der Erhebung einer Maut. „Die Straße von Hormus muss dauerhaft und uneingeschränkt für die freie Schifffahrt geöffnet werden“, hatte auch Bundeskanzler Friedrich Merz bereits am Sonntag gefordert.Sollte sich der Waffenstillstand zwischen Washington und Teheran tatsächlich als belastbar herausstellen, wollen die Europäer Trump bei dem G7-Gipfel ihre bereits in Aussicht gestellte militärische Hilfe zur Absicherung der Vereinbarung anbieten. Auch deswegen werden EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa nach Evian reisen.Dass die Europäer bei der militärischen Absicherung des Friedensschlusses helfen wollen, soll ein positives Signal im Vorfeld des Nato-Gipfels aussenden, der am 7. und 8. Juli in Ankara stattfindet. Nach den Querelen mit Washington steht die Weiterentwicklung der transatlantischen Beziehungen ganz oben auf der Tagesordnung der G7. Das Ziel: massive Investitionen in die eigene Verteidigung und eine Stärkung des europäischen Pfeilers der Nato. Hintergrund ist Trumps Aufforderung, Europa müsse künftig selbst für seine Sicherheit sorgen.Was passiert in der Ukraine?Wegen der globalen Bedeutung des Iran-Krieges nehmen in Évian-les-Bains auch die Regierungschefs der wichtigsten Golfstaaten teil, darunter der ägyptische Präsident, der Emir von Katar und der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate. Neben den Energiepreisen hat der Iran-Krieg auch erhebliche Auswirkungen auf die globale Ernährungslage, da durch den Konflikt die Verschiffung von Düngemitteln erheblich eingeschränkt wurde.Da China nicht zum Kreis der G7 zählt, können die westlichen Regierungschefs am Südufer des Genfer Sees außerdem ganz offen über das Thema globale Handelsungleichgewichte sprechen. Der Druck steigt: Pekings aggressive Exportpolitik zeichnet sich durch Handelsbeschränkungen, Drohungen und massive staatliche Subventionen aus, um europäische Anbieter in strategischen Bereichen mit Dumpingpreisen aus dem Markt zu drängen. Auch der Zugang zu kritischen Rohstoffen steht in diesem Zusammenhang ganz oben auf der Tagesordnung.Ölpreis Öl dürfte trotz Trumps Iran-Deal vorerst teuer bleiben Der Iran und die USA haben sich vorläufig auf ein Abkommen geeinigt. Folgerichtig sinkt der Ölpreis. Vier Gründe sprechen jedoch gegen einen Ölcrash. von Martin GerthSpannend wird zudem sein, was die G7 in Anwesenheit des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj diskutieren werden. Zuletzt hatte es in den Gesprächen zwischen Washington und Moskau so gut wie keine Bewegung gegeben. Das wiederum hatte die Europäer ermuntert, sich aktiver als bislang einzuschalten. In jüngster Zeit war sogar schon diskutiert worden, wer aus dem Kreis der EU-Regierungschefs als Vermittler zwischen Kiew und Moskau infrage kommen könnte.Am Mittwochmittag könnte es deshalb zu kontroversen Diskussionen kommen. Da wollen die G7-Spitzen mit Topmanagern und führenden Experten der künstlichen Intelligenz zusammenkommen, darunter Sam Altman (OpenAI), Arthur Mensch (Mistral) und Dario Amodei, der CEO von Anthropic.Ob der US-Präsident dann allerdings noch anwesend sein wird, um die Kritik persönlich zu hören, gilt nach wie vor als offen. Im vergangenen Jahr hatte Trump den Gipfel in den kanadischen Rocky Mountains abrupt verlassen. Die Möglichkeit eines vorzeitigen Abgangs des US-Präsidenten beunruhigt auch Gastgeber Macron. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum Macron Trump nach dem Gipfel noch zu einem prunkvollen Abendessen ins Schloss Versailles eingeladen hat. Der Elysée erklärte offiziell, das Bankett solle den baldigen 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit an dem Ort feiern, an dem der Vertrag zur Anerkennung dieser Unabhängigkeit unterzeichnet worden war. In Sachen diplomatischer Finesse macht den Franzosen so schnell niemand etwas vor. 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