Hormuz, Handel, Helvetia – Trump und Iran stellen den G-7-Gipfel auf den KopfDie Aussicht auf ein Iran-Abkommen verändert die Agenda des G-7-Gipfels. Emmanuel Macron hofft auf diplomatischen Schwung und versucht, Donald Trump weiter bei Laune zu halten. Ärger über ein altes Problem gibt es zudem mit den Schweizer Nachbarn.15.06.2026, 20.31 Uhr4 LeseminutenDer amerikanische Präsident Donald Trump und sein «besonderer Freund» Emmanuel Macron am Rande des G-7-Gipfels am Montag.Ludovic Marin / ReutersDas Hotel Royal thront über dem Genfersee wie ein Schloss aus der Belle Époque. Vor den Fenstern liegen gepflegte Rasenflächen und ein Golfplatz, dahinter glitzert der See. Donald Trump dürfte die königliche Kulisse gefallen. Für den Stargast des G-7-Gipfels in Évian-les-Bains wurde eigens die Suite Royale, das prestigeträchtigste Zimmer des Hauses, reserviert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Gastgeber Emmanuel Macron hatte viel dafür getan, den amerikanischen Präsidenten in den französischen Kurort zu holen. Der Beginn des Gipfels wurde eigens auf Montag gelegt, damit er nicht mit Trumps 80. Geburtstag am Vortag kollidierte. Aus der Agenda wurden G-7-typische Themen wie Klimapolitik, Entwicklungszusammenarbeit oder Gendergerechtigkeit, die für Washington lästig sind, weitgehend oder ganz gestrichen.«Startet eure Motoren!»Mit einem für Mittwoch geplanten Staatsdinner auf Schloss Versailles aus Anlass des bevorstehenden 250. Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeit wollte Macron Trump zusätzlich schmeicheln. Trotzdem galt die Teilnahme des bekennenden Multilateralismus-Skeptikers als keineswegs sicher. Es war womöglich erst die Aussicht auf ein Friedensabkommen mit Iran, die den G-7-Gipfel für Trump schlagartig attraktiver machte.Der amerikanische Präsident hatte die Nachricht, dass sich die USA und Iran auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung der Kampfhandlungen verständigt hätten, am Sonntag selbst verkündet. «Schiffe der Welt, startet eure Motoren», schrieb er stolz auf seiner Plattform Truth Social und spielte damit auf die bevorstehende Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormuz an. Bereits am Freitag könnte in Genf eine erste Vereinbarung unterzeichnet werden.In Évian bot sich Trump nun die Möglichkeit, als Friedensstifter aufzutreten. Das sollte die Dynamik des Gipfels grundlegend verändern. Hatten sich die Staats- und Regierungschefs zunächst vorgenommen, über die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts zu beraten, rückte nun das mögliche Abkommen selbst in den Mittelpunkt. Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Italien begrüssten die Einigung umgehend als Chance, «die Region und die Weltwirtschaft wieder zu stabilisieren».Am Montagnachmittag traf Macron Trump zunächst zu einem bilateralen Gespräch. Für den französischen Präsidenten war dies der Moment, auf den er seit Monaten hingearbeitet hatte. Vor den Kameras zeigte sich Trump verbindlich. «Emmanuel war immer ein besonderer Freund. Wir haben eine sehr gute Beziehung», sagte er. Anschliessend sprach er über das geplante Abkommen mit Iran und forderte Frankreich auf, sich stärker in der Strasse von Hormuz zu engagieren.Im Mittelpunkt der Beratungen steht denn auch die Zukunft der strategisch wichtigen Wasserstrasse. Die vier europäischen G-7-Staaten signalisierten ihre Bereitschaft, sich an einer internationalen Mission zur Sicherung der Meerenge zu beteiligen. Am Dienstag werden Vertreter Ägyptens, Katars und der Vereinigten Arabischen Emirate zu den Gesprächen stossen. Viele Teilnehmer hoffen, dann mehr über die Details des geplanten Abkommens zu erfahren.Trumps freundliche Worte für Macron konnten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass er seinem Gastgeber auch eine Drohung mitgebracht hatte. Wenige Stunden vor seiner Ankunft kündigte er Strafzölle von 100 Prozent auf französische Weine und Champagner an, falls Paris an seiner 2019 eingeführten Digitalsteuer für amerikanische Technologiekonzerne festhält. Der Streit begleitet die transatlantischen Beziehungen seit Jahren. Da die Handelspolitik in die Zuständigkeit der EU fällt, würde eine Eskalation weit über Frankreich hinausreichen. Für zusätzlichen Gesprächsstoff in Évian dürfte damit gesorgt sein.Dabei hat der Gipfel auch jenseits von Iran und Zöllen genügend Themen. Die Ukraine steht ebenso auf dem Programm wie die Handelskonflikte mit China, die Sicherung kritischer Rohstoffe, künstliche Intelligenz und die Bekämpfung internationaler Kriminalität. Eine grosse gemeinsame Abschlusserklärung ist diesmal nicht vorgesehen. Damit will die französische Präsidentschaft langwierige Verhandlungen über einzelne Formulierungen vermeiden und das Risiko verringern, dass sich Teilnehmer am Ende von gemeinsamen Positionen distanzieren.Streit mit BernMacron hatte alles darangesetzt, seinem schwierigen Gast einen möglichst störungsfreien Gipfel zu bieten. Dazu gehören auch die massiven Sicherheitsvorkehrungen. Rund um Évian-les-Bains gleicht die Region derzeit einer Hochsicherheitszone. Polizeikontrollen und Strassensperren sind allgegenwärtig, viele Bereiche des Kurorts nur mit spezieller Zutrittsgenehmigung zugänglich.In der Schweiz sorgt das für Unmut. Wie schon beim G-8-Gipfel in Évian von 2003 lautet der Vorwurf, Frankreich verlagere einen beträchtlichen Teil des Sicherheitsaufwands auf den Nachbarn. Die meisten Delegationen landen in Genf, die Schweizer Armee überwacht den Genfersee und beteiligt sich an der Sicherung des Luftraums, rund 4000 Soldaten stehen im Einsatz. Hinzu kommt die Sorge, dass sich Proteste und mögliche Ausschreitungen erneut auf Schweizer Gebiet verlagern könnten. In Genf kam es am Wochenende bereits zu Zusammenstössen zwischen Gipfelgegnern und der Polizei.Passend zum Artikel
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