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Der Künstler Jon Rafman fängt das Lebensgefühl derer ein, die ihr Leben vor Bildschirmen verbringen. Der Kanadier erzählt, was nach dem Bildschirmzeitalter kommen wird, und warum er einen grauen Riegel an seinem iPhone befestigt hat.

„You do not move your eyes from the screen“, hypnotisiert der Fernseher. „You have become invisible.“ Vor dem Bildschirm liegt eine schmale Matratze, über die der mit Internetbildern bedruckte Stoff drapiert wurde. Stoff, der auch die hohen Wände bedeckt und den Keller des Museums in eine Höhle verwandelt.

Ich habe einen Kopfhörer auf, niemand bekommt mit, was da gesprochen wird, denn es sind viele Bildschirme in diesem einen Raum. Er präsentiert das Frühwerk des Jon Rafman, aus den noch recht unschuldigen 2000ern. In den von ihm zusammengeschnittenen Internetvideos tun Menschen in Furry-Kostümen unaussprechliche Dinge miteinander. Es ist das Lebensgefühl derer, die ihr Leben vor Bildschirmen verbringen – damals waren es wenige, heute tun wir das eigentlich alle.

Der 1981 geborene Kanadier Jon Rafman nimmt sein Material aus Videospielwelten und Internetforen. Er schneidet es zusammen, mischt andere Musik darunter und baut fantastische Medienkunst daraus. In der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat er nun seine erste Überblicksschau – und setzt dem Minimalismus des White Cube einen Maximalismus des versifften Gamer-Zimmers entgegen. Da gibt es Gamingstationen, die wie Dschungelhütten aussehen, ein riesenhaftes Sofa, auf dem eine von ihm geschaffene KI-Alternativversion des guten alten MTV läuft („Main Stream Media“), und eine Serverfarm, in der verlorene Seelen von Verschwörungstheorien, Post-Internet-Männlichkeitswahn und rein privat geprägten Mythologien erzählen.