Trotz Frieden mit Iran: Das Öl vom Persischen Golf wird noch auf sich warten lassenDie Strasse von Hormuz soll nach über hundert Tagen Iran-Krieg wieder geöffnet werden. Die Folgen werden noch ebenso lange zu spüren sein. Antworten auf die wichtigsten Fragen.16.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDem Tanker «Agios Fanourios I» gelang im April die Einfahrt in den Persischen Golf. Mit einem Friedensabkommen soll das wieder der Normalfall werden.Mohammed Aty / Reuters«Schiffe dieser Welt, startet die Motoren. Lasst das Öl fliessen!» Wie bei früheren Annäherungen zwischen den USA und Iran zögerte Präsident Donald Trump auch am Sonntagabend nicht mit klaren Aufrufen an Reeder und Energieunternehmen. Doch auch beim Abschluss eines Friedensabkommens mit Teheran kehrt die Normalität nicht über Nacht zurück an den Persischen Golf.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Seit Kriegsbeginn Ende Februar ist die Seestrasse von Hormuz weitgehend blockiert und damit der Exportweg für rund 15 Prozent der globalen Ölversorgung unterbrochen. Warum der ersehnte Neubeginn Zeit brauchen wird, erklärt diese Übersicht.Wie gross ist der Stau rund um die Strasse von Hormuz?Noch sitzen geschätzt rund 500 Handelsschiffe im Persischen Golf fest. Dazu gehören laut dem britischen Branchenportal Lloyd’s List Intelligence etwa 160 Tanker mit 3000 Seeleuten. Das vorrangige Ziel der Eigner und Charterer dürfte es sein, diese Schiffe aus dem Golf herauszubekommen. Die Einfahrt neuer Schiffe kommt erst an zweiter Stelle.Wie sehr sich der Verkehr vor der Ausfahrt staut, zeigt dieses Satellitenbild vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), aufgenommen bei der Stadt Sharjah am 11. Juni:Die Strasse von Hormuz ist ein Nadelöhr – zusätzlich verengt durch iranische Minen, die sich in dem Wasserweg befinden sollen. Deshalb ist es wichtig, dass die Durchfahrt der Handelsschiffe kontrolliert und organisiert abläuft.Doch für den Moment gibt es viele Fragen, wie diese Öffnung abgewickelt wird. Stattfinden soll sie ab Freitag, nach der Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen den USA und Iran in Genf. Für den Moment warteten viele Kapitäne und Reeder lieber ab, berichtete das Branchenportal Argus Media.Wenn das Prozedere klar ist, dürften sich die Schiffe, die den Golf verlassen wollen, vor der engen Strasse stauen. Die deutsche Hapag-Lloyd, eine der weltgrössten Containerreedereien, rechnet nach einer Wiederöffnung mit einer Zeit von drei Monaten, bis sich der Betrieb auf dem Wasserweg normalisiert.Fahren nicht bereits wieder Schiffe durch die Meerenge?Ja, aber in geringer Zahl. Seit Beginn des Krieges passierten hauptsächlich Schiffe die Strasse, deren Fracht eine Verbindung zu Iran hatte – etwa iranisches Öl. Doch in den vergangenen Wochen akzeptierten mehr westliche Schiffsbetreiber die iranische Vorherrschaft und waren auch bereit, Zölle zu zahlen.Insgesamt zählte Lloyd’s in der ersten Juniwoche 40 Schiffe, die den Golf verliessen, und 15, die hineinfuhren. Üblich waren vor Kriegsbeginn rund 130 Transits – und zwar pro Tag.Auch die transportierten Frachtmengen waren gering. Im Juni seien im Golf bisher täglich rund 2,3 Millionen Fass Rohöl auf Tanker verladen worden, meldet die UBS. Im April und Mai waren es zwar nur rund 500 000 Fass pro Tag. Doch vor dem Krieg passierten regelmässig Tanker mit täglich insgesamt 20 Millionen Fass Öl und Ölprodukten die Meerenge.Wichtiger für die globale Energieversorgung war die Umgehung der Meerenge: Saudiarabien und den VAE gelang es immer besser, Öl über Pipelines zu Exporthäfen ausserhalb des Golfs zu bringen.Wer wird die Wasserstrasse künftig kontrollieren, und müssen Schiffe Zoll zahlen?Das ist die Gretchenfrage für den Neustart eines geregelten Frachtverkehrs in beide Richtungen. Donald Trump teilte mit, er «autorisiere» die zollfreie Öffnung der Strasse. Ob Iran dem zustimmt, ist ungewiss. Das Regime hat sich ein neues Machtinstrument und eine Einnahmequelle aufgebaut.Allerdings ist ein Zoll keine Lösung: Selbst wenn die Maut legalisiert und von Sanktionen ausgenommen würde, schüfe das einen Präzedenzfall in der internationalen Schifffahrt. «Es ist ein bisschen naiv, zu glauben, dass man einfach einen Zoll bezahlt und damit die Sache erledigt ist. Der Zoll garantiert nicht die Sicherheit der Schiffe», sagte vor wenigen Tagen Matt Wright, Experte des Rohstoffanalysehauses Kpler, in einer Online-Konferenz.Kommt hinzu, dass Iran und die USA sich zunächst nur auf eine 60-tägige Verlängerung der Waffenruhe verständigt haben. Ein Wiederaufflammen der Kämpfe bleibt möglich. Aus diesem Grund werden wahrscheinlich auch die Versicherungsprämien sowohl für einen Aufenthalt von Schiffen im Golf wie auch für den Transit der Meerenge erst langsam sinken.Wie schnell sinkt der Erdölpreis auf das Vorkriegsniveau?Der Beginn ist gemacht: Mit rund 83 Dollar kostet ein Fass der Rohölsorte Brent so wenig wie zuletzt Anfang März, kurz nach Kriegsbeginn. Doch grundsätzlich kommt es darauf an, wie schnell die Versorgung des Ölmarkts zu ihrem alten Niveau zurückkehrt. «Ein Deal ist keine Normalisierung», schrieb die Grossbank Barclays Ende Mai in einer Studie. «Es ist der Anfang einer Erholung, die sich bis in die zweite Jahreshälfte und wahrscheinlich bis 2027 hineinziehen wird.»Die Lager vieler Ölförderer in der Golfregion sind bis zum Bersten gefüllt, weil sie den Brennstoff nicht in gewohntem Masse exportieren konnten. Damit sich die Lager leeren, müssen die Frachtterminals in den Häfen wie gewohnt arbeiten. Ähnlich wie vor der Einfahrt in die Strasse von Hormuz dürften sich die Tanker ebenfalls stauen. Die Investmentbank J. P. Morgan schätzt, dass es rund zwei Monate dauern wird, bis in den Häfen wieder Normalität herrscht.Wie schnell steigt die Produktion von Öl und Gas?Viele Länder in der Golfregion mussten während des Krieges die Produktion ihrer Ölfelder herunterfahren. Der Neustart könnte aus technischen Gründen etwas dauern. Nach Einschätzung von Barclays sind Saudiarabien und die VAE am besten für das Hochfahren der Förderung gerüstet; der Irak und Kuwait dürften mehr Zeit benötigen. Adnoc, der staatliche Ölförderer der VAE, kalkuliert mit vier Monaten, bis 80 Prozent des Öltransports durch die Strasse von Hormuz wiederhergestellt sind. Der Rest werde erst 2027 gelingen.Technische Probleme gibt es auch beim Erdgas – hier allerdings durch Kriegsschäden. Die Produktion von verflüssigtem Erdgas (LNG) in Katar wurde durch einen iranischen Angriff gestört. Die Reparatur im Industriekomplex von Ras Laffan wird geschätzt drei bis fünf Jahre dauern; betroffen sind 17 Prozent von Katars Exportkapazität. Das Emirat ist der weltgrösste Lieferant des Rohstoffs, der für Europas Energieversorgung im Winter eine wichtige Rolle spielt.Passend zum Artikel
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Die Strasse von Hormuz soll nach über hundert Tagen Iran-Krieg wieder geöffnet werden. Die Folgen werden noch ebenso lange zu spüren sein. Antworten auf die wichtigsten Fragen.













