In Kreuzberg oder Friedrichshain eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist für viele Berliner und jene, die es werden wollen, wie ein Sechser im Lotto. Fehlen in Berlin je nach Schätzung doch bis zu 100.000 Wohnungen. Gleichzeitig stehen gut zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. Woraus laut einer Kurzstudie rund 30.000 Wohnungen entstehen könnten. Ist die Lösung also einfach: Büros raus, Wohnungen rein?

Diese Idee halten einige Parteien zumindest für die ultimative Lösung. Linke, Grüne und SPD werben im Wahlkampf zum Abgeordnetenhaus in Berlin damit, Büroflächen und Gewerbeflächen stärker für Wohnraum zu nutzen. Und auch die Bundesregierung denkt bereits in diese Richtung. In diesem Monat startete das Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“: Bis zu 30.000 Euro je neu entstehender Wohneinheit sollen Investoren erhalten können. Doch die Lösung ist, wie so oft, nicht so einfach.

„Der Härtetest beginnt hinter der Fassade“

Denn Bürohäuser sind schlicht nicht auf Wohnungen ausgelegt. In diesem Befund sind sich Immobiliendienstleister, Bauwirtschaft, Architektenkammer und Immobilienverbände einig: Häufig passen Gebäudeschnitt und Lichtverhältnisse nicht.

Für Wohnungen braucht es mehr Bäder, Küchen und Abwasserleitungen, teils auch zusätzliche Treppenhäuser für Fluchtwege. Hinzu kommen Brandschutz, Schallschutz und Barrierefreiheit. Der Zentrale Immobilien-Ausschuss, der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, fasst es zusammen: „Viele Gebäude sehen von außen geeignet aus – der Härtetest beginnt hinter der Fassade.“