Seit drei Jahren liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Dax-40-Unternehmen nahe der bis Juni 2026 gesetzlich vorgeschriebenen Quote von 40 Prozent. Das klingt erfreulich. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: An den Machtverhältnissen hat sich bisher wenig geändert. Denn dort, wo die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen werden – im Präsidial- und im Nominierungsausschuss –, sind Frauen als Vorsitzende und Mitglieder deutlich unterrepräsentiert (siehe Grafik). Das hat die Personalberatung Russell Reynolds in einer Analyse von öffentlich verfügbaren Daten über deutsche Aufsichtsgremien und ihre Mitglieder herausgefunden.Dass die Gleichstellung von Frauen in Aufsichtsräten hauptsächlich der Quote geschuldet ist und weniger einer echten Überzeugung in den Unternehmen, darauf deutet vor allem der geringe Frauenanteil von knapp 12 Prozent im Präsidialausschuss hin. Das oft als „Zentrum der Macht“ bezeichnete Gremium bereitet zentrale Beschlüsse des Plenums vor, lässt Mitglieder vorab über strittige Punkte abstimmen und formuliert Beschlussvorlagen. Ähnlich machtvoll ist der Nominierungsausschuss. Er steuert, wer im Aufsichtsrat sitzt, und bestimmt damit die Mehrheiten von morgen. Hier entspricht der Frauenanteil bei den Mitgliedern zwar in etwa dem des Gesamtgremiums. Doch nur ein kleiner Teil (12,5 Prozent) wird von einer Frau geleitet.„Das zweite Jahr in Folge gab es keinen Fortschritt auf dem vor Kurzem noch sicher geglaubten Weg hin zur Parität – und das gegen den europäischen Trend“, kommentiert Studienautor Jens-Thomas Pietralla, Leiter der Globalen Board & CEO Practice von Russell Reynolds. „Es herrscht Stillstand.“ So haben Frankreich, Norwegen, Großbritannien und Italien mittlerweile einen Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder von mehr als 45 Prozent erreicht. Deutschland hingegen ist nach dem bisherigen Höchststand im Jahr 2024 wieder auf 38,3 Prozent abgesackt.