Nichts macht der Mensch noch selbst, nicht einmal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Überall wird digitalisiert, optimiert, gestreamlined, alles muss effizienter, präziser, schneller werden. Ob ein Spieler im Abseits stand oder nicht, ermittelt bei der WM 2026 eine Halbautomatik. Ob die Hand im Spiel war, sagt der digitale Ball. Als Zuschauer kann man inzwischen Bilder vom Headset des Schiedsrichters sehen, die von künstlicher Intelligenz bearbeitet wurden. Was bleibt da noch, als ein Rest von Menschlichkeit? Der Blick auf die japanische Trainerbank!Ein Mitglied des Trainerstabs war da am Sonntag in Dallas zu sehen, in den letzten Minuten des Spiels gegen die Niederlande (2:2). Eilig malte der Mann auf eine große Taktiktafel mit einem roten Filzstift eine „3“, auf die Rückseite eine „2“. Dann hielt Cheftrainer Hajime Moriyasu die Tafel in die Höhe. Ebenso eilig löschte sein Assistent dann die „3“ und ersetzte sie durch eine „1“, die er danach wieder in die Luft hielt. Die japanische Mannschaft sollte so auf eine Art und Weise über die verbleibende Länge der Nachspielzeit hingewiesen werden, die den wenigen verbliebenen Hermann Gerlands dieser Fußballwelt Tränen in die Augen treiben sollte. Mit ihrer handbemalten Taktiktafel weckten die Japaner die Erinnerung an die kleinen, analogen Ursprünge dieser inzwischen digitalisierten Sportart, die alle Zeiten überdauern wird.Wenn also eines Tages im Fußball komplett der Strom ausfällt, die Server crashen und die Bälle sich nicht mehr sicher sind, ob sie gerade im Aus liegen oder auf dem Feld – dann wird Japans Nationalmannschaft wissen, wie lange noch zu spielen ist.