Auf dem Parkour-Areal balancieren zwei Mädchen an den Händen ihrer Mütter auf der Zipline, während zwei Jungs die Kletterleiter entlanghangeln. Sie messen sich, wer als Erster die sechs Sprossen überwunden hat. Auch auf dem überdachten Fußballplatz ist viel los. Eine Gruppe Jungs spielt zum ersten Mal auf dem Kunstrasen. Der ist noch makellos, in der Mitte das blau-weiße Makkabi-Logo mit dem stilisierten Davidstern.An diesem Sonntag ist die neue Sportstätte des jüdischen Turn- und Sportvereins Makkabi Frankfurt mit einem Sommerfest eröffnet worden. 24.000 Quadratmeter in der Wilhelm-Epstein-Straße, direkt gegenüber der Deutschen Bundesbank und dem Europaturm. Als hätte man sie beim Tetris zusammengesetzt, reihen sich die Klein- und Großspielanlagen aneinander: die drei Fußballplätze, das Basketballfeld, die Tischtennisplatten und die Padel-Käfige.Nach mehreren Jahrzehnten wieder eigene SportstätteHerzstück des neuen Vereinsgeländes ist das kobaltblaue Mehrzweckgebäude mit der großen Sporthalle. Auch auf der Fassade prangt das Logo, der jüdische Sportverein will sich nicht verstecken. Mit fast 6000 Mitgliedern ist Makkabi Frankfurt nicht nur einer der größten Breitensportvereine der Stadt, sondern auch der größte jüdische Sportverein Deutschlands.Der überdachte Fußballplatz sei sein persönlicher Lieblingsort, sagt Vereinspräsident Alon Meyer, der auch Präsident des Dachverbandes Makkabi Deutschland ist. „Weil er das Trainieren witterungsunabhängig möglich macht. Wenn es stark regnet oder schneit, können wir unter diesem Dach trotzdem trainieren, 365 Tage im Jahr.“ Auch will der Verein die weiblichen Fußball- und Basketballmannschaften ausbauen und mehr Angebote für Senioren schaffen, Walking Football zum Beispiel.Auf dem Parkour-Areal beim TuS Makkabi lässt es sich hervorragend turnen und klettern.Emil EichingerDer neue Campus ist nicht nur irgendeine Sportanlage. Seit den Achtzigerjahren hatte Makkabi Frankfurt keine Heimat mehr, nachdem das Gelände am Dachsberg dem Autobahnbau weichen musste. Mehrere Jahrzehnte lang trainierten die Mannschaften über das ganze Stadtgebiet verteilt, in Preungesheim etwa, oder auf der Bertramswiese im Stadtteil Dornbusch.Zusammenarbeit mit Architekturbüro Albert Speer + PartnerLuis Engelhardt, der selbst Fußballspieler und für die Bildungsarbeit bei Makkabi verantwortlich ist, erinnert sich noch genau: „An die Spiele ohne Flutlicht, bei denen wir Anfang der zweiten Halbzeit überlegen mussten, ob wir das Spiel überhaupt zu Ende spielen können. Oder an Spiele, bei denen wir den Elfmeterpunkt suchen mussten, weil er weggegrätscht war.“Der Weg bis zur Eröffnung der neuen Sportstätte war lang. Schon vor mehr als einem Jahrzehnt habe man erste Pläne gehabt, sagt der Baubeauftragte Max Baum. Doch die Corona-Pandemie und der Lückenschluss der U4 verzögerten das Projekt. Erst im Februar vergangenes Jahr fand die Grundsteinlegung statt. Doch dann ging alles recht schnell. Sechs Monate später feierte man Richtfest, insgesamt 16 Monate dauerte der Bau.Für die architektonische Planung ist das Architekturbüro Albert Speer + Partner verantwortlich, das vom Sohn des gleichnamigen NS-Architekten gegründet wurde. Wie es zu der ungewöhnlichen Partnerschaft kam? „Weil sich dort ein Wandel vollzogen hat“, sagt Meyer, und ihm die Zusammenarbeit beim Bau eines jüdischen Hauses angeboten wurde. „Dann haben wir die Idee wachsen lassen, auf diesem Gelände gemeinsam den neuen Campus entstehen zu lassen.“ 21 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Die Stadt förderte das Projekt mit 11 Millionen, 750.000 Euro gab es vom Land dazu.Schon vor Eröffnung gab es antisemitische SchmierereienAuch Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) ist beim Eröffnungsfest dabei. „61 Jahre nach der Gründung von Makkabi stellen wir leider fest, dass Normalität immer noch nicht gegeben ist. Wie unglaublich ist es, dass selbst muslimische Kinder, die in diesem Verein sind, antisemitisch angegriffenen werden“, sagt Josef. „Das zeigt, wie wichtig dieses Projekt nicht nur für den Sport ist, sondern für den Kampf gegen Antisemitismus in unserer Stadt.“Schon vor der Eröffnung der Anlage hatte es antisemitische Schmierereien gegeben. Bei den Spielen muss der Verein strenge Sicherheitsvorkehrungen treffen, teils mit Polizeischutz. „Auch wenn wir noch so offen sein wollen, sind wir ein jüdischer Verein und müssen uns stärker absichern“, sagt Meyer. „In dem Moment, wo jemand das Makkabi-Trikot trägt, wird er jüdisch gelesen und genauso angefeindet.“Dabei spielen bei Makkabi 87 Nationen und 12 Religionen Seite an Seite. Rund 90 Prozent der Mitglieder sind nichtjüdischen Glaubens. Im Rahmen der Bildungsinitiative „Zusammen1“ setzt sich der Verein für Antisemitismusprävention und gesellschaftliche Teilhabe ein. Die neue Anlage bringt auch in diesen Bereichen Chancen mit sich. In Zukunft wolle man die Zusammenarbeit mit Schulen intensivieren, sagt Meyer. Gerade am Vormittag böten sich dafür zahlreiche Möglichkeiten.Unterkriegen lassen sich die Makkabäer auf keinen Fall. Beim Eröffnungsfest können sie auf grauen Kieselsteinen ihre Wünsche für den Verein festhalten. „Makkabi Chai“ steht auf vielen davon. Der Name geht auf den jüdischen Freiheitskämpfer Yehuda Maccabi zurück. Der Leitspruch, der auf Deutsch „Makkabi lebt“ bedeutet, ist an diesem Tag immer wieder zu hören.
Jüdischer Sportverein Makkabi eröffnet neuen Sportcampus in Frankfurt
24.000 Quadratmeter für Fußball, Padel und Basketball: Der jüdische Sportverein Makkabi hat seine neue Sportstätte in Frankfurt eröffnet. Das bringt neue Chancen, trotzdem muss der Verein sich absichern.







