Jüdisches Familienzentrum : Babymassage, Ballett und Capoeira08.06.2026, 13:33Lesezeit: 2 Min.Vor fünf Jahren hat das Familienzentrum der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt eröffnet – und war damit bundesweit Vorreiter.Diese Institution ist im doppelten Sinne gewachsen: Anfang Juni ist das Familienzentrum im Westend fünf Jahre alt geworden. Seit ihrer Gründung konnte die bundesweit erste von einer jüdischen Gemeinde getragene Familienbildungsstätte ihre Fläche verdreifachen. Babymassage und Kinderturnen, Treffs für Väter und Mütter, Geburtsvorbereitung und Rückbildung, Ballett, Hip-Hop und Capoeira: Die Angebotspalette hat sich seit 2021 ebenfalls stetig erweitert und dreht sich längst nicht mehr nur um Babys und Kleinkinder.Mit dem Familienzentrum sind auch die Kinder gewachsen, deren Familien die Angebote nutzen. Am Sonntagnachmittag kamen zahlreiche Großeltern, Eltern und Kinder zum Geburtstagsfest des Familienzentrums im Hof des Jüdischen Gemeindezentrums an der Savignystraße zusammen. Bei bestem Sommerwetter boten Hüpfburg, Rutschen und allerlei Spielgerät Raum zum Austoben, während auf der Bühne junge Tanzkursteilnehmer ihre Choreographien zeigten.Die offizielle Fünfjahresfeier des Familienzentrums hatte schon am 1. Juni in dessen Räumen an der Westendstraße stattgefunden. Neben Benjamin Graumann, dem Ko-Vorstandsvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, sprach dort auch die Grünen-Stadträtin Elke Voitl. „In einer Zeit, in der viele Menschen sich verunsichert fühlen, entsteht hier etwas Konkretes: Vertrauen zwischen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenslagen“, sagte Frankfurts Dezernentin für Soziales und Gesundheit. Hier werde Gemeinschaft nicht diskutiert, sondern gelebt, so Voitl.„Ein Ort der Wärme“Graumann hatte die Gründung des Familienzentrums nach seinem Eintritt in den Gemeindevorstand im Jahr 2020 initiiert. Zuvor habe es in der Gemeinde lediglich lose Betreuungsangebote wie einen Babytreff gegeben, erinnert er sich. Über die große Nachfrage und das damit einhergehende Wachstum des Familienzentrums freut sich Graumann. „Es ist ein Ort der Wärme und der Herzlichkeit“, sagt er. Für viele sei das Familienzentrum zu einer zweiten Familie geworden. Graumann verweist zudem auf die im bundesweiten Vergleich jüdischer Gemeinden sehr hohe Anzahl von Geburten und den ebenfalls beträchtlichen Anteil junger Familien in Frankfurt.Die ersten fünf Jahre des Familienzentrums waren von vielerlei Herausforderungen begleitet. Die Eröffnung fiel in die Corona-Pandemie, und im zweiten Jahr des Bestehens kam ein Willkommenszentrum für die vielen vor Russlands Überfall geflüchteten ukrainischen Familien hinzu. Auch der Angriff islamistischer Terrorgruppen auf Israel am 7. Oktober 2023 erhöhte den Betreuungs- und Beratungsbedarf. Gerade in diesen Zeiten sei ein geschützter Raum zum Ankommen wichtig, an dem man sich vernetzen, Begleitung und Beratung erhalten und Angebote wahrnehmen könne, sagt Leiterin Daphna Baum.„Das Familienzentrum ist immer offen für alle Menschen, unabhängig von den Lebensumständen und Hintergründen“, so Baum. Diesen Aspekt betont auch Benjamin Graumann. Auch wenn die Verbindung zur Jüdischen Gemeinde besondere Sicherheitsvorkehrungen verlange, klappe der Umgang zwischen den unterschiedlichen Familien wunderbar: „Da gibt es viel Austausch und viele Verbindungen, die noch nachwirken.“