Anders als die Europäische Zentralbank, die jüngst den Leitzins angehoben hat, wird die Bank of England (BoE) vorerst nicht an der Zinsschraube drehen. Das prognostizieren Ökonomen in London. Die britische Notenbank werde vorerst abwarten, wie sich die Inflation entwickle. „Wir erwarten, dass der Leitzins zum vierten Mal in Folge unverändert bei 3,75 Prozent bleiben wird“, sagt Sanjay Raja, britischer Chefvolkswirt der Deutschen Bank in London. Die Mehrheit der neun Mitglieder des Geldpolitischen Komitees (MPC) werde am Donnerstag gegen eine Zinserhöhung stimmen.Vermutlich wird es aber zwei Ausnahmen geben: Der Chefvolkswirt der Band of England, How Pill, hatte schon im April für eine Zinserhöhung votiert. Auch das externe MPC-Mitglied Megan Greene könnte nun dafür stimmen. Greene hatte jüngst gesagt, eine straffere Geldpolitik sei angemessen, um der Gefahr einer steigenden Inflation zu begegnen. Die übrigen sieben MPC-Entscheider, angeführt von Notenbank-Gouverneur Andrew Bailey, werden aber höchstwahrscheinlich für einen konstanten Leitzins stimmen. Notenbankchef Bailey hat signalisiert, dass er mehr Belege sehen wolle, ob der Inflationsdruck auf breiter Front zunehme.Einen Tag vor der Sitzung wird das Statistikamt die Daten für Mai veröffentlichen. Volkswirte gehen von einer Teuerungsrate von mehr als 3,0 Prozent aus. Im Vormonat war die Rate überraschend auf 2,8 Prozent gesunken. Grund waren neue staatliche Preisobergrenzen für Energierechnungen, die kurz zuvor in Kraft traten. Angesichts der hohen Energiepreise infolge des Irankriegs gehen Ökonomen von einer steigenden Teuerungsrate aus, die in der zweiten Jahreshälfte noch zulegen könnte.Auswirkungen der hohen EnergiepreiseDennoch will die BoE-Führung zunächst die Auswirkungen des Energiepreisschocks auf die Inflation abwarten. Insbesondere beobachtet sie, wie sich die abgekühlte Konjunktur und der schwächere Arbeitsmarkt auswirken. „Die Preis-Unsicherheit hält weiterhin an“, sagt Raja. Das MPC-Komitee wandele auf einem schmalen Grat. Der schwächere Arbeitsmarkt mit steigender Arbeitslosigkeit und weniger offenen Stellen dürfte den Lohndruck verringern. Das müsse die Notenbank gegen die steigenden Energiepreise abwägen. In den nächsten Monaten könnte dann doch eine Zinserhöhung folgen, die Wahrscheinlichkeit dafür sei etwas gestiegen, sagt Raja.Auch Ruth Gregory von Capital Economics erwartet, dass an diesem Donnerstag der Leitzins bei 3,75 Prozent bleibt. „Das scheint so gut wie sicher“, sagt sie. „Zinserhöhungen im Juli und/oder September sind jedoch nicht auszuschließen.“ Am Kapitalmarkt wird bis 2027 mit zwei bis drei Zinserhöhungen auf 4,25 bis 4,50 Prozent gerechnet. Das findet Gregory weit übertrieben.Auch Andrew Wishart, Ökonom der Berenberg Bank in London, hält das für unrealistisch. „Ich gehe davon aus, dass die Bank of England die Zinsen bis Dezember unverändert lassen wird; dann wird sie den Leitzins von 3,75 auf 3,50 Prozent senken“, sagt er.
Bank of England: Andrew Bailey zögert beim Leitzins
Obwohl die Inflationsrate im Mai über drei Prozent gestiegen ist, dürfte die Bank of England vorerst den Leitzins nicht erhöhen. Notenbank-Chef Bailey zögert noch, ob er handeln soll.














