7:1, Spielwitz, variable Offensive – diese Grafik zeigt, was Deutschland trotzdem noch ausmerzen mussDie deutsche Mannschaft ist in Houston furios gegen Curaçao in die Weltmeisterschaft gestartet. Was lässt sich daraus für den weiteren Turnierverlauf ableiten? Eine visuelle Analyse.Niels Bossert, Cian Jochem, Jasmin Hegetschweiler, Simon Huwiler15.06.2026, 13.06 Uhr3 LeseminutenAktualisiert7:1 für Deutschland – da klingelt doch etwas. Bevor aber nostalgische Erinnerungen an den WM-Titel von 2014 aufkommen: Der Gegner hiess diesmal nicht Brasilien. Er hiess Curaçao. Und es war nicht der Halbfinal, sondern das erste Gruppenspiel. Für überschwängliche Lobhudelei gibt es also noch keinen Anlass.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Daten des Spiels zeigen dennoch einige Aspekte, die im weiteren Turnierverlauf für dieses deutsche Team wichtig werden können. Und auch ein, zwei Schwachstellen.Acht Spieler als Skorer – und das ohne klassische NeunAber zuerst zum Positiven: Besonders auffällig dabei ist die Kreativität in der Offensive – und dass sich die Last des Toreschiessens bei diesem Turnier auf mehrere Schultern verteilen könnte. Das zeigt etwa ein Blick auf alle Tore:Insgesamt acht verschiedene Spieler trugen sich als Torschützen oder Vorbereiter in die Skorerliste ein. Ohne den klassischen Strafraum-Stürmer zeigte sich Deutschland offensiv variabel und spielfreudig. Das lag allerdings auch daran, dass Curaçao erstaunlich mutig mitspielte. Der Bundestrainer hatte das Team des Niederländers Dick Advocaat wohl tiefer im Block erwartet. Somit boten sich jedoch den Männern von Julian Nagelsmann mehr Räume zur offensiven Entfaltung.In diesen Räumen glänzten speziell auch Kai Havertz und Deniz Undav als polyvalente Stürmertypen. Sie schalteten sich ins Kombinationsspiel ein, setzten ihre Mitspieler in Szene und trugen sich auch selbst in die Skorerliste ein. Havertz traf doppelt. Undav wurde in der 64. Minute eingewechselt, bereitete zwei Tore vor und schoss eines selbst.Dabei übertraf Deutschland seinen xG-Wert – also die zu erwartenden Tore – deutlich. Der Wert lag bei 4,22. Am Ende standen fast drei Treffer mehr auf der Anzeigetafel.Zu den grössten Gewinnern des Auftaktspiels zählen zudem zwei WM-Debütanten: Felix Nmecha brachte Dynamik ins Mittelfeld, spielte direkt, eröffnete den Torreigen mit einem sehenswerten Schlenzer und holte den Penalty heraus. Auch der erst 22-jährige Nathaniel Brown überzeugte links hinten – unter anderem mit der Ecke, die zu Nico Schlotterbecks Kopfballtor führte.Später belohnte sich Brown auch noch selbst:Offensiv «hurra», defensiv «na ja»Doch nicht alles gelang Deutschland. Besonders Leroy Sané, dessen Nominierung bereits Verwunderung und Kritik ausgelöst hatte, blieb hinter seinen Mitspielern zurück: bemüht, aber glücklos im Dribbling und im Abschluss, dazu 18 Ballverluste. Sinnbildlich für seine Leistung war die Grosschance in der 63. Minute, als er allein vor dem Goalie Eloy Room auftauchte und vergab.Nachjustieren muss Julian Nagelsmann wohl vor allem defensiv. Die wenigen Vorstösse des Gegners aus der Karibik entstanden durch deutsche Unachtsamkeiten. Gefährliche Ballverluste streuten sich ins Spiel des Captains Joshua Kimmich. Nico Schlotterbeck klärte gleich zwei Mal unglücklich im Strafraum, was zu dem Tor des Spielers des FC Zürich, Livano Comenencia, führte. Auch Jonathan Tah war nicht der sicherste Rückhalt und leistete sich leichte Fehler. In Duellen mit stärkeren Gegnern könnten solche Patzer teuer werden.Trotz den Patzern zeigte die deutsche Mannschaft insgesamt eine starke Leistung. Nach dem Auftaktspiel ist der Trainer Julian Nagelsmann einem der schwierigsten Ziele schon ein Stück näher gekommen: die Zweifler zu besänftigen und Euphorie im Land zu entfachen.Wie die Daten erhoben wurdenDie Daten werden der NZZ von Opta zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen nutzt Videobilder, um mittels Bilderkennung die Position der Spieler und des Balles zu ermitteln. Jede Ballaktion erhält eine Kategorie, etwa «Schuss aufs Tor» oder «Foul». Diese Daten bilden die Grundlage der Analyse.Passend zum Artikel