Sollte man vorab sagen, was man nicht geschenkt bekommen möchte? Getty Images Meine Freundinnen wollen mir einen Blumenstrauss zum Geburtstag schenken. Ich mag Sträusse nicht — zwei Tage Kunstwerk, dann Verfall. Als ich das im Vorfeld so erklärte, fand jemand, dieser Wunsch habe keinen Stil. Stimmt das? – Elisa F., ZürichLiebe Elisa, wenn Sie keine Prachtsträusse mögen, dann mögen Sie keine Prachtsträusse. Dann ist es klug und vorausschauend, dies rechtzeitig mitzuteilen: Die Freundinnen möchten doch auch nicht ihr Geld für Geschenke verballern, die dann nicht richtig beim Empfänger landen und am Ende nur den Planeten belasten. Dass Sie dafür beschämt werden, diesen sinnvollen Gedanken geäussert zu haben, ist für mich ein Zeichen dafür, dass von Frauen erwartet wird, ihre Bedürfnisse zurückzustellen, selbst wenn diese absolut legitim sind.Denn es macht mehr Arbeit, über ein passendes Geschenk nachzudenken, als beim Floristen die Kreditkarte zum Glühen zu bringen, aber es ist nun einmal der Sinn von Geburtstagen, dass man den anderen feiert. Und das tut man, indem man diese Person genau anschaut. Und ganz nebenbei: «zwei Tage Kunstwerk, dann Verfall» ist die präziseste Beschreibung eines Strausses, die ich je gehört habe. Wer so über Blumen nachdenkt, verdient ein Geschenk, das länger hält.Welches stilistische oder zwischenmenschliche Dilemma beschäftigt Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Wir freuen uns über Ihre Zuschrift: hatdasstil@nzz.ch Namen können geändert oder anonymisiert werden: hatdasstil@nzz.ch Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.