»Meine Schwester und ich haben vor vielen Jahren verabredet, dass wir uns zu Weihnachten keine Geschenke mehr machen. Vorige Weihnachten haben meine Frau und ich – unter Verstoß gegen die Keine-Geschenke-Regel – meiner Schwester und ihrem Mann eine Flasche edlen Obstbrand geschenkt. Im Gegenzug überreichte sie uns eine Seifenschale mit Werbeaufdruck, in der drei bereits weiß angelaufene Schokoladenkugeln lagen. Jetzt fürchte ich mich vor dem, was sie für ein angemessenes Geschenk zu meinem anstehenden runden Geburtstag halten könnte. Ich überlege, ob ich sie auf das missratene Mitbringsel zu Weihnachten ansprechen und ihr empfehlen soll, mir zum Geburtstag lieber nichts zu schenken, als noch mal so danebenzugreifen. Soll ich das tun?« Christian W., Frankfurt am MainHalt! Wir müssen zunächst verschiedene Dinge auseinanderhalten. Das eine ist Weihnachten. Das andere der Geburtstag. Was Weihnachten angeht, kann man zwar Ihre Enttäuschung nachvollziehen, als Sie die Seifenschale mit den alten Schokoladenkugeln bekamen. Nein, so etwas will man nicht bekommen. Schon gar nicht als Weihnachtsgeschenk. Und noch mal weniger von der eigenen Schwester. Sie haben da allerdings etwas ganz Richtiges geschrieben: Diese Gabe war wohl nur symbolisch. Und insofern ein Akt der Höflichkeit. Denn mit ganz leeren Händen wollte Ihre Schwester nicht kommen. Und das hatten Sie ja eigentlich vereinbart. Sich nichts zu schenken. Also auch keinen edlen Obstbrand. Man kann ja nicht etwas ausmachen unter Geschwistern, es unangekündigt brechen und dann beleidigt sein, dass der andere es nicht auch gebrochen hat. Oder – denn sie hat es ja auch gebrochen – es mit einem gleichwertigen Gegenstand gebrochen hat.Ich finde es eigentlich, und bitte verzeihen Sie mir meine Gegenrede, sehr süß von Ihrer Schwester, dass Sie überhaupt etwas Eingepacktes dabeihatte. Symbolisch, das ja. Aber alles andere wäre ja auch gegen die Regeln gewesen, die Sie, ohne ihr das mitzuteilen, brachen. Insofern haben Sie sich, schiefes Bild, aber Sie verstehen schon, mit dem Obstbrand selbst ins Bein geschossen.Aber lassen wir die Vergangenheit ruhen, die nun nicht mehr zu ändern ist, und sehen wir auf Ihren Geburtstag: Tun Sie sich und Ihrer Schwester den Gefallen, sich von ihr ganz gezielt etwas zu wünschen. Es muss ja nicht allzu teuer sein. Einfach etwas, das Sie tatsächlich brauchen können. Es ist nicht allen Menschen gegeben, gute Schenker zu sein. Also helfen Sie ihr – und sich selbst – und lassen sie nicht in ihr sicheres Verderben rennen, indem sie Ihnen, wie erwartet, etwas Enttäuschendes schenkt.
Darf ich empfehlen, künftig nichts zu schenken?
Eigentlich hat unser Leser mit seiner Schwester vereinbart, sich zu Weihnachten nichts zu schenken. Doch dann gab sie ihm dennoch ein Geschenk, das er für Schrott hält. Darf er ihr sagen, dass er lieber gar kein Geschenk möchte als noch einmal so ein enttäuschendes?







