Es gibt einen Satz, der bei Geschäftsessen sofort für erhöhten Puls sorgt: „Bei uns sind alle Gerichte zum Teilen!“ Vor allem in hippen Großstadtrestaurants greifen „Sharing Plates“-Konzepte um sich. Das heißt in den meisten Fällen: Auf einem viel zu kleinen Tisch werden diverse Teller und Gerichte abgestellt, von denen man sich nun einigermaßen fair und würdevoll bedienen soll.Ein Graus. Gerade im beruflichen Kontext gibt es doch kaum Unangenehmeres, als urplötzlich die persönlichen Nähe- und Distanzgrenzen überschreiten zu müssen. Und das passiert unweigerlich, wenn man versehentlich zeitgleich mit Dr. Soundso, mit dem die Details der künftigen Zusammenarbeit nicht mal ansatzweise geklärt sind, ins Rote-Bete-Risotto löffelt. Wer lässt wem den Vortritt, wer nimmt sich unanständig viel vom Lieblingsgericht, wer am Tisch übernimmt die Chefrolle und zerteilt das Fischfilet in gleich große Stücke für alle? Beim großen Essen-Teilen zeichnen sich Dynamiken ab, die nie so schnell aufgefallen wären, würde jede und jeder vor seinem eigenen Steak-Frites-Teller sitzen.
Die Probleme fangen schon bei der Bestellung anJetzt mag man argumentieren: Dann ist wenigstens das Eis gebrochen und man weiß, mit wem man es zu tun hat! Und ja, in vielen Kulturen und Küchen ist es selbstverständlich, Essen zu teilen. Dafür braucht man aber auch die richtige Mentalität ohne große Berührungsängste. Im gehemmten Deutschland hingegen, wo man sich allzu oft nicht einmal über Begrüßungsmodalitäten einig ist (Handschlag, joviale Umarmung, Küsschen-Küsschen??), gestaltet es sich meist als Zumutung, mit eigentlich Fremden Essen teilen zu müssen.






