Die Besiedlung fremder Welten im Sonnensystem rückt näherLena Waltle15.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEs mag heute nach Science-Fiction klingen. Aber in Zukunft werden Menschen im Weltall leben. Ein Grund dafür ist die Schwerelosigkeit. Sie bietet einzigartige Möglichkeiten für Forschung und Produktion.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kristalle, zum Beispiel, wachsen ohne Schwerkraft schneller und gleichmässiger. Für die Chipproduktion können im Weltall wertvolle Teile hergestellt werden.Werden Menschen den Blauen Planeten dereinst dauerhaft verlassen?Nasa auf UnsplashDie Beratungsfirma Roland Berger schätzt, dass der globale Markt für jegliche Form von Raumfahrtwirtschaft in den kommenden Jahren um 9 Prozent jährlich wachsen dürfte: von 470 Milliarden Dollar im Jahr 2024 auf 2 Billionen Dollar im Jahr 2040.Dazu kommen Visionäre wie Elon Musk. Er träumt davon, dass die Menschheit zu einer multiplanetaren Spezies wird – und ordnet sein gigantisches Vermögen diesem Plan unter. Gerade baut er die grösste Rakete aller Zeiten, das Starship. Das Ziel ist damit nichts Geringeres als eine Zivilisation auf dem Mars.Doch bevor die Menschheit den Weltraum besiedelt, muss die Wissenschaft noch entscheidende Hürden überwinden. Denn das All ist ein unwirtlicher Ort.Problem 1: der Abbau von MuskelnDer menschliche Körper hat sich während der Evolution der Schwerkraft angepasst. Fällt sie weg, passt sich der Körper an. Er verliert Muskelkraft und Knochendichte. Für heutige Astronauten ist die Zeit im All damit auf etwa ein Jahr begrenzt.Ein Flug zum Mars dauert aber mit heutiger Antriebstechnik etwa sechs bis neun Monate – nur der Hinweg. Für lange Aufenthalte im Orbit der Erde oder Reisen ins All braucht es also eine Erfindung, mit der die Schwerkraft im All künstlich imitiert werden kann.Das amerikanische Unternehmen Vast arbeitet an einer Raumstation für den Erdorbit, die sich stetig dreht. Sie funktioniert wie ein Kettenkarussell: Je schneller sie sich dreht, desto stärker werden die Passagiere nach aussen gedrückt. Genau diese Fliehkraft lässt sich nutzen: Am Aussenring entsteht eine Kraft, die sich für den Körper anfühlt wie die Erdanziehung. Im Innern ist die Drehung kaum merklich, so dass die Kristalle in der Schwerelosigkeit wachsen können.Problem 2: die StrahlungAuf der Erde schützt eine Hülle aus Magnetfeld und Atmosphäre Menschen, Tiere und Pflanzen vor Sonnenstürmen. Sie entstehen, wenn sich auf der Oberfläche der Sonne Explosionen ereignen. Die Sonne schleudert darin Unmengen von Teilchen mit viel Energie ins All hinaus.Wenn die Strahlung der Sonnenstürme auf die Erde trifft, wird sie in unserer Atmosphäre abgebremst. Das bringt den Himmel zum Glühen und Leuchten, es entstehen Polarlichter. Was auf der Erde ein wunderschönes Naturspektakel ist, bedeutet eine Bedrohung für Astronauten und ihre Raumschiffe.Denn treffen die Teilchen aus den Sonnenstürmen ungehindert auf den Körper von Menschen, zerstören sie ihre Zellen. Bei geringen Dosen verursachen sie Krebs. Bei hohen Dosen bekommen die Astronauten eine akute Strahlenkrankheit. Das kann tödlich enden.Zu den Sonnenstürmen kommt noch die galaktische kosmische Strahlung. Sie entsteht, wenn Sterne explodieren.Menschen im All müssen also konstant vor Strahlung geschützt werden. An einer Lösung dafür arbeitet eine Forschungsgruppe der Universität Gent. Die Wissenschafter wollen Wasser als Strahlenschutz einsetzen. Da Wasser in der Schwerelosigkeit etwas unpraktisch ist, wird der Wasserstoff in Form von anderen Materialien verbaut: in Plastik oder in einem Hydrogel. Schon eine ein Zentimeter dicke Schicht kann die Strahlenbelastung deutlich verringern.Damit kommen wir den Sternen schon fast zum Greifen nah – und Schritt für Schritt zeigt die Wissenschaft, dass Science-Fiction nicht unmöglich sein muss.Am Dienstag, 30. Juni 2026, sind Thomas Zurbuchen, Professor und Direktor ETH Zürich Space, und Rabea Rogge, Astronautin, im Kaufleuten in Zürich zu Gast: Von Science-Fiction zur Realität: Lebensraum Weltall?Dienstag, 30. Juni 2026Tickets und weitere InformationenPassend zum Artikel
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