PfadnavigationHomeSportFußballWMWM-AuftaktDreimal Note 1, eine 4 – Die deutsche Mannschaft in der EinzelkritikStand: 21:36 UhrLesedauer: 6 MinutenRudi Völler zeigt sich vor dem WM-Auftakt gewohnt locker – und verteilt im Gespräch mit Thomas Müller und Jürgen Klopp gleich noch einen kleinen Seitenhieb. Die beiden seien schließlich „mehr für die Komik zuständig“, scherzt der DFB-Sportdirektor.Es ist der erhoffte Kantersieg zum WM-Auftakt. Die deutsche Mannschaft überzeugt in Houston gegen Curaçao und ist Gruppenerster. Drei Spieler ragen heraus. Einer von ihnen ist noch ganz frisch dabei.Die Fußball-Nationalmannschaft gewinnt ihr Auftaktspiel bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada gegen Curaçao 7:1 (3:1). Es war der zweithöchste WM-Sieg Deutschlands. Die DFB-Elf überzeugte in Houston/Texas mit Spielfreude, blieb aber wieder nicht ohne Gegentor. Das WM-Finale 2014 in Rio de Janeiro gegen Argentinien (1:0) war das bis heute letzte WM-Spiel Deutschlands ohne Gegentreffer. Alle Spieler der Auswahl von Bundestrainer Julian Nagelsmann in der Einzelkritik:Manuel Neuer: Das erste Länderspiel des Torwarts vom FC Bayern seit seinem Rücktritt aus der Nationalelf vor zwei Jahren – und dann gleich bei einer WM. Nach wochenlangen Wadenproblemen war er einer von vier Spielern des aktuellen Kaders, die auch bei der WM 2022 zur ersten Elf im Auftaktspiel gehörten. Der erste Schuss, den er auf sein Tor bekam, war gleich drin. Er wurde von Joshua Kimmich abgefälscht und war schwer zu halten, Neuer ging aber auch recht früh runter. In der zweiten Halbzeit hatte er kaum etwas abzuwehren. Die Prüfungen für ihn kommen noch, dieser Gegner war kein Maßstab.Note: 3Joshua Kimmich: Es ist die erste WM für ihn als Kapitän. Hatte Pech, als er beim Abwehrversuch im Strafraum den Schuss von Livano Comenencia zum 1:1 abfälschte. Viele würden ihn lieber im zentralen Mittelfeld sehen, wie beim FC Bayern. Doch der Bundestrainer setzt ihn auch bei dieser WM als rechten Verteidiger ein. Als solcher agierte er als verkappter Spielgestalter und bereitete mit einem klugen Pass das 4:1 von Jamal Musiala vor. Auch am 5:1 von Deniz Undav war er beteiligt.Note: 2Lesen Sie auchAb 83. Spielminute: Waldemar AntonOhne BewertungJonathan Tah: Zunächst spielte der Innenverteidiger sehr sicher und hatte wenig zu verteidigen. Mitte der ersten Halbzeit sorgte der Bayern-Profi dann mit einem unnötigen Ballverlust in der eigenen Spielhälfte für Gefahr vor dem deutschen Tor. Im Vergleich mit seinem Abwehrpartner Nico Schlotterbeck unauffälliger. Ein insgesamt solider Auftritt.Note: 3Ab 73. Spielminute: Antonio RüdigerOhne BewertungNico Schlotterbeck: Eine weitgehend überzeugende Leistung des Dortmunder Innenverteidigers. Er fing viele Bälle ab, agierte ruhig und war in der Offensive immer wieder mit Kopfbällen gefährlich, vor allem nach Freistößen und Eckbällen. Nach einem Eckball von Nathaniel Brown köpfte er aus sechs Metern das so wichtige 2:1 (38.). Sein erster Treffer für die Nationalelf. Einer der besten Spieler auf dem Rasen, wenngleich er vor dem 1:1 unglücklich den Ball in die Füße des Gegners grätschte.Note: 2Nathaniel Brown: Einer der besten Deutschen. Der 22-Jährige von Eintracht Frankfurt bewies, dass Nagelsmann zu Recht auf ihn setzt und nicht auf den erfahreneren David Raum. Auf der linken Abwehrseite überzeugte Brown mit seiner Schnelligkeit und Kreativität. Wie sehr der Trainer ihm vertraut, zeigt sich auch bei Standardsituationen: Brown durfte Eckbälle schießen, einer führte zum 2:1. Zum 5:1 traf Brown selbst, es war sein erstes Tor für die Nationalelf. Vor dem Ausgleich war er weit aufgerückt. Nach überzeugenden Testspielen und diesem WM-Auftakt hat er sich festgespielt. Endlich hat Deutschland wieder einen überzeugenden Linksverteidiger.Note: 1Ab 73. Spielminute: David RaumOhne BewertungFelix Nmecha: Manchen überraschte in den vergangenen Wochen, dass Nagelsmann auf ihn im zentralen Mittelfeld setzt – und nicht auf Leon Goretzka. Nmecha ist die richtige Wahl. Der Profi von Borussia Dortmund überzeugte. Das 1:0 erzielte er mit einem platzierten Schuss, es war sein zweites Tor im neunten Länderspiel. In der 9. Minute hätte er mit einem Schuss von der Strafraumgrenze beinahe zum 2:0 getroffen. Nmecha holte zudem den Elfmeter vor dem 3:1 heraus. Der Bundestrainer hat sich auf dieser Schlüsselposition offensichtlich genau richtig entschieden.Note: 1Ab 73. Spielminute: Leon GoretzkaOhne BewertungLesen Sie auchAleksandar Pavlović: Besetzte mit Nmecha die Zentrale im deutschen Spiel. Und löste seine Aufgabe solide. Ende der ersten Halbzeit hatte er die Chance zum 2:1. Später kam er an der Strafraumgrenze zum Abschluss, der Ball ging über das Tor. Kann noch effizienter werden, ist mit seinem körperlichen Spiel und seiner Zweikampfstärke ein wichtiges Element im deutschen Spiel. In der Defensive nahm er seinen Gegenspielern immer wieder den Ball ab.Note: 3Leroy Sané: Begann für den Jungstar Lennart Karl, der sich kurz vor der WM verletzte. Bislang hat Sané bei einem Turnier zu selten überzeugt. Auch in diesem Spiel setzte er keine Akzente. Seine riesige Torchance in der 32. Minute nach einem Traumpass von Florian Wirtz ließ er aus. In der 63. Spielminute schoss der 30-Jährige nach einem sehr guten Pass von Jonathan Tah freistehend am Tor vorbei und war in der Szene sichtbar von sich selbst enttäuscht. Ein Hackentrick in der eigenen Spielhälfte sorgte für einen Ballverlust. Er muss sich steigern, um als Startelf-Spieler weniger umstritten zu sein. Zumal es mit Undav und Jamie Leweling Optionen gibt.Note: 4Jamal Musiala: Der Spielgestalter war sehr präsent und versuchte viel. Ihm gelang zunächst längst nicht alles, einige Fehlpässe waren dabei. Doch er riss viele Lücken in der Abwehr des Gegners und traute sich Dribblings zu. In der Anfangsphase ließ er eine Torchance ungenutzt. In der zweiten Halbzeit dann effizient, er verwandelte zum 4:1. Und zeigte, wo er sich enorm verbessert hat – im Defensivspiel. Nach einem Fehler von Tah rettete Musiala in der eigenen Spielhälfte und arbeitete auch danach viel in der Rückwärtsbewegung. Nach einem Schlag auf das linke Bein wechselte Nagelsmann ihn aus. Es war Musialas bestes Länderspiel seit seiner schweren Verletzung.Note: 2Ab 64. Spielminute: Deniz Undav: Der Stürmer des VfB Stuttgart bereitete das 5:1 von Nathaniel Brown mit einem Hackentrick vor und zeigte einen enormen Offensivdrang. Beim 6:1 nach Vorlage von Kimmich ganz cool, das 7:1 bereitete er wieder vor. Zwei Tore vorbereitet, eines selbst erzielt, und das alles innerhalb von 24 Minuten – was für eine Bilanz für die erste Einwechslung bei einer WM.Note: 1Florian Wirtz: Hatte immer wieder gute Momente und machte viel Tempo. In der 14. Minute schoss er nach einem Dribbling aus der Distanz knapp vorbei. Der Jungstar des FC Liverpool spielte mehrfach präzise Pässe und bewies erneut seine enorme Ballsicherheit und seinen Wert für diese Mannschaft. Leitete das 5:1 ein.Note: 2Kai Havertz: Der Stürmer des FC Arsenal war vor dem Auftaktspiel der einzige der 26 deutschen Spieler, der schon bei einer WM getroffen hatte: 2022 erzielte er zwei Tore gegen Costa Rica. Beim 3:1 kurz vor der Pause war er eiskalt vom Elfmeterpunkt, verlud den Torwart. Kurz vor dem Spielende setzte er mit dem 7:1 den Schlusspunkt und bewies bei dem Abschluss aus 15 Metern – er lupfte den Ball cool über den Torwart – seine enorme technische Qualität.Note: 2Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit Anfang Juni ist er für die Redaktion in den USA und schreibt von dort aus über die WM der deutschen Auswahl. Samstag saß er in der Pressebox im Houston-Stadium.