PfadnavigationHomeSportFußballWMSpäter SiegZweimal Note 1, zweimal die 4 – die deutsche Mannschaft in der EinzelkritikStand: 01:04 UhrLesedauer: 6 MinutenDeniz Undav zeigt seine ganze Klasse. Nach einem scharf gespielten Ball verarbeitet der deutsche Nationalstürmer die Vorlage technisch stark und vollendet eiskalt. Zunächst prüft der Videoassistent die Szene, doch bis dahin kennt der Jubel keine Grenzen.Die deutsche Mannschaft hat sich erstmals seit 2014 wieder für die K.o-Runde bei einer WM qualifiziert. Überragender Spieler auf dem Rasen ist wieder ein Joker. Aber drei Offensivkräfte fallen etwas ab.Die deutsche Mannschaft ist erstmals seit 2006 mit zwei Siegen in eine WM gestartet – und hat sich nach dem 2:1 (0:1) gegen die Elfenbeinküste erstmals seit 2014 wieder für die die K.-o.-Runde qualifiziert. Deniz Undav war mit zwei Toren der Matchwinner beim elften Sieg der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann in Folge. Die Spieler in der Einzelkritik.Manuel Neuer: Der Münchner, der mit seinem 21. WM-Spiel Hugo Lloris überholt hat und nun alleiniger WM-Rekordtorhüter ist, hielt vor dem Anpfiff die Ansprache im Kreis. Hatte vor dem 0:1 nichts zu tun, beim Gegentreffer war er schon ins Eck gerutscht, konnte nichts machen. Aber: wie schon gegen Curaçao führte erneut der erste Torschuss des Gegners zu einem Tor. In der 30. Spielminute mit wichtiger Parade nach einem Bonny-Schuss. Er war auf der Höhe, wenn er gebraucht wurde. Note 3Joshua Kimmich: Der Kapitän hatte in Diomande einen Gegner auf seiner Seite, der mit enormem Tempo spielte. In der 30. Minute fand er keinen Zugriff im Laufduell mit dem 19 Jahre alten Leipziger. Dessen Hereingabe verwertete die Elfenbeinküste im zweiten Versuch durch Kessié zur Führung. Kimmich spielte gut – und reagierte in der 62. Minute überragend. „Komm, steh auf“, brüllte er Joker Amiri an. Der hatte nach einem Zweikampf am Boden gelegen. Drei Minuten später flankte Amiri zum 1:1 von Undav. Was für ein Weckruf des Kapitäns. Note 3Jonathan Tah: Der Abwehrchef hielt die Defensivkette bis auf den Gegentreffer hinten dicht. Er machte eine ordentliche Partie, klärte das eine oder andere Mal sehr solide – und mit Auge. Es fällt schon auf, wie gereift und verlässlich der deutsche Abwehrchef ist. Hatte wie seine anderen Abwehrkollegen auch Glück in der Szene in der Endphase, in der die Elfenbeinküste beinahe zum 2:1 trifft. Note 3Nico Schlotterbeck: Der Dortmunder machte bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung ein ordentliches Spiel. Bei den drei Eckbällen, die es bis zum Seitenwechsel gab, konnte er seine Kopfballstärke nicht einsetzen. Gegen Curaçao hatte es zum zwischenzeitlichen 2:1 geklappt. Note 3 Lesen Sie auchNathaniel Brown: Er wurde vor vier Tagen 23 und erbrachte eine solide Leistung. Wenn es mal schnell über links ging, dann durch den Frankfurter. In der zwölften Spielminute mit einer großen Rettungstat, als er einen Schuss von Sangare blockte. Man merkte aber, dass es gegen stärkere Gegner für ihn dann auch herausfordernder wird. Verpasste kurz vor Spielende das Siegtor, als er rechts am Tor vorbeischoss. Note 3Aleksandar Pavlović: „Ich will der beste Sechser der Welt werden“, hatte der Münchner in einem Interview mit WELT AM SONNTAG gesagt. In der 22. Minute jubelte der 22-Jährige schon, doch sein Kopfball zum 1:0 zählte nicht. Der Schiedsrichter aus Paraguay erkannte auf Foul an Torhüter Fofana. Ansonsten ein guter Auftritt. Hielt mit Nebenmann Nmecha die Zentrale weitestgehend dicht. Musste vorzeitig raus, da der Bundestrainer ob des Rückstands mehr Zugriff in der Offensive brauchte. Note 3Felix Nmecha: Er war stark in seinen Zweikämpfen – und lief vor allem Bälle gut ab. Mal stellte er Amad, mal Kessie. In der 44. Minute gab es für eine Aktion sogar Szenenapplaus. Der Dortmunder hatte aber auch ein, zwei Wackler. Vor dem Gegentor sprach er sich nicht richtig mit Kimmich ab. Aber in der Nachspielzeit hatte er die eine Idee und spielte einen Traumpass zu Undav, der zum 2:1 traf. Sein ehemaliger Nationalelf-Kollege Robert Andrich bezeichnete Nmecha bei MagentaTV als besten deutschen Spieler der Partie. Note 1Leroy Sané: Der so viel kritisierte Offensivspieler agierte gleich in den ersten 20 Minuten unglücklich. Erst startete er nach einem guten Steckpass von Musiala zu spät (7.), dann reagierte er zu spät nach einer Flanke von Brown (16.). Er war bemüht in seinem 78. Länderspiel, aber wenn er im Arjen-Robben-Stil von rechts mal nach innen zog, blieb er oft hängen. Er hatte bis zu seiner Auswechslung keinen Torschuss und keine Torschussvorlage. Note 4Jamal Musiala: In der ersten Halbzeit seines 44. Länderspiels spielte er phasenweise unauffällig. Einmal fiel der Jungstar sehr positiv auf, doch ein guter Rechtsschuss des Münchners ging rechts am Tor vorbei (19.). Er blieb bei Dribblings hin und wieder oft hängen, hatte aber auch mehrere gute Aktionen und forderte immer wieder den Ball. Man merkt, dass er noch nicht wieder auf dem Level ist, das er vor seinem Beinbruch hatte. So locker und leicht läuft er noch nicht wieder durch die Reihen des Gegners. Doch er war immer wieder präsent. Note 3Florian Wirtz: Hatte Pech, als ein Schuss kurz vor der Pause neben das Tor ging – und ein zweiter abgefälscht wurde. Dass das starke Kombinationsspiel, das der Liverpooler im Nationaldress mit Musiala normalerweise hat, aktuell sehr ausbaufähig ist, ist auch ihm geschuldet. Er will Akzente setzen, das ist nicht zu übersehen. Aber die Durchschlagskraft fehlte am Samstag in Toronto. Er hatte keine Lösungen. Note 4Kai Havertz: Er hatte die erste Großchance, als er nach einer Flanke von Kimmich aufs Tor köpfte. Doch Torwart Fofana fischte den Ball noch weg. In der 38. Minute wurde ihm ein Tor aberkannt. Der Schiedsrichter erkannte zu Recht auf ein Foul, das Musiala zuvor an Kossounou begangen hatte. In der 63. Minute wieder Pech, dieses Mal ging ein Kopfball nach Kimmich-Ecke vorbei. Note 3Ein Podcast, ein Champion, ein Rätsel – wer ist der Gast? Raten Sie mit: Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify oder Apple Podcasts.Antonio Rüdiger (46. für Schlotterbeck): Fügte sich nach seiner Hereinnahme gut ein. Er hatte keine Wackler, setzte seinen Körper in einigen Zweikämpfen gut ein, klärte so zweimal stark zur Ecke. Sollte Schlotterbeck verletzt am kommenden Donnerstag ausfallen, ist er eine starke Alternative. Note 2 Deniz Undav (60. für Musiala): Deutschlands Heilsbringer. Die Fans forderten ihn in der 55. Minute mit Sprechchören. Fünf Minuten später kam er rein – und fünf Minuten später traf er. In der vierten Minute der Nachspielzeit erzielte er dann auch noch das 2:1. Die WM-Tore zwei und drei, dazu noch zwei Vorlagen. Nach dem Spiel stand er auf Platz eins der WM-Scorerliste. Was für ein Turnier bislang für den Stuttgarter, obwohl er in beiden Partien nur Joker war! Note 1Jamie Leweling (60. für Sané): Der Stuttgarter hatte direkt nach seiner Einwechslung einen Distanzschuss, der aber über das Tor ging. Er spielte ansonsten sehr unauffällig. Note 3Nadiem Amiri (60. für Pavlovic): Der Mainzer hatte am Telefon geweint, als der Bundestrainer ihn für die WM nominierte. Am Samstag zahlte der 29-Jährige das Vertrauen zurück. Er bereitete den Undav-Treffer mit einer Flanke von rechts vor. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit vergab er frei nach Undav-Zuspiel die Chance zum 2:1. Note 2Leon Goretzka (86. für Havertz): ohne Note Lars Gartenschläger ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit Anfang Juni ist er für die Redaktion in den USA und schreibt von dort aus über die WM-Vorbereitung der deutschen Auswahl. Am Samstagabend saß er auf der Tribüne in Toronto.