Nach der Diskussion über ein Foto von Sachsen-Anhalts CDU-Fraktionschef Guido Heuer und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund weckt ein Videoausschnitt Zweifel an der Darstellung des Christdemokraten, es handle sich „eher um Konfrontation“ als um Vertrautheit. In dem kurzen Ausschnitt sagt Siegmund an den neben ihm sitzenden Heuer gewandt: Man könne „irgendwie meinen, dass ihr noch nie was mit der Regierung zu tun hattet, wenn ich so zuhöre“. Dabei legt er dem CDU-Mann die Hand auf die Schulter. „Nee“, sagt Heuer zunächst mit verschränkten Armen. Er greift sich das Mikrofon von Siegmund, legt die Hand auf dessen Schulter, als er sich vorbeugt, und sagt: „Ich saß noch nie im Bundestag.“ Es folgt ein kurzer, von Lachen begleiteter Wortwechsel zwischen den beiden Politikern: Heuer versucht sich dabei an einem Witz, als er ein funktionsuntüchtiges Mikrofon im Stile der AfD als „Altparteien-Telefon“ bezeichnet. Siegmund geht darauf ein – und erwidert: „Da war vielleicht der Verfassungsschutz direkt mit drinne.“ Auch Politiker von BSW, Linken und SPD sind in dem Ausschnitt auf dem Podium zu sehen.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Der Clip ist nur 27 Sekunden lang und wurde zunächst vom AfD-nahen YouTuber Kolja Barghoorn veröffentlicht sowie vom früheren „Bild“- und heutigen „Nius“-Chefredakteur Julian Reichelt weiterverbreitet. Foto löste Irritationen aus Die kurze Aufnahme dokumentiert nur einen kleinen Ausschnitt der Podiumsdiskussion. Inwieweit vor oder nach der Szene eine inhaltliche Konfrontation zwischen den Politikern stattgefunden hat, lässt sich aufgrund des kurzen Videos nicht sagen. Eine Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion teilte auf Anfrage mit: „Der Abend des Wahlforums war insgesamt geprägt von inhaltlicher Auseinandersetzung.“Das Bild, auf dem Siegmund und Heuer vertraut wirken, war am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Halberstadt (Landkreis Harz) entstanden. Es zeigt den CDU-Mann, wie er sich auf die Schulter des AfD-Politikers stützt. Beide Abgeordnete haben die Hand am selben Mikrofon. Diskutiert wird die Szene in den sozialen Netzwerken seither auch deshalb, weil in Sachsen-Anhalt immer wieder über die Stabilität der CDU-„Brandmauer“ zur AfD und über mögliche Konstellationen nach der Wahl spekuliert wird.Heuer hatte den entstandenen Eindruck einer Vertrautheit am Rande des Landesparteitags der CDU in Dessau-Roßlau zurückgewiesen. „Das war eher Konfrontation, keine Verbrüderung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es habe für mehrere Podiumsteilnehmer nur zwei Mikrofone gegeben. In der Situation habe er Siegmund ins Mikro gegriffen, weil dieser „die Unwahrheit“ gesagt habe. „Das war alles.“Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hatte sich ähnlich geäußert. „Man sollte das Foto nicht überbewerten.“ Guido Heuer habe lediglich nach einem Mikro gegriffen, so Schulze. Grüne und Linke üben scharfe Kritik Scharfe Kritik kommt vonseiten der Grünen und Linken. „Der CDU-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt lässt sich fröhlich mit dem AfD-Spitzenkandidaten ablichten. Und das BSW kündigt an, sich auch dann im Landtag zu enthalten, wenn ein AfD-Mann zur Wahl als Ministerpräsident auf dem Stimmzettel steht. Ich weiß gar nicht, ob ich da lachen oder weinen soll“, sagte Grünen-Chef Felix Banaszak dem „Spiegel“. Beide Parteien hätten den Kampf der Demokraten anscheinend schon aufgegeben, bevor der Wahlkampf „richtig losgeht“, konstatiert der Grünen-Chef.Das Video zeigt aus Sicht Banaszaks, „wie gut sich die beiden offenbar verstehen“ und wie „wenig Distanz“ es zwischen beiden gebe. „Das alles lässt mich zweifeln, ob die klare Abgrenzung zur AfD in Sachsen-Anhalt über den Wahltag hinaus Bestand haben wird“, sagte der Grünen-Chef weiter. Die stellvertretende Linken-Fraktionschefin Clara Bünger äußerte sich mit noch deutlicheren Worten. „Gestern hat Guido Heuer noch behauptet, er habe Ulrich Siegmund politisch konfrontiert. Heute zeigt sich: Das war eine Lüge“, sagte Bünger dem „Spiegel“. Die Linken-Politikerin stellt die Glaubwürdigkeit der ganzen Partei infrage. „Wie soll man der CDU dann noch glauben, dass sie sich von der AfD abgrenzt, wenn sie ständig das Gegenteil beweist?“, fragt die Parlamentarierin. Von der CDU fordert sie, sich zu entscheiden, was sie künftig sein wolle: „Steigbügelhalterin der Faschisten oder demokratisch-konservative Partei“. Beides gehe nicht, so Bünger. In einem Interview mit dem Regionalfernsehen Harz nach der Veranstaltung sagte Heuer auf das Verhältnis zu den anderen Politikern und Parteien angesprochen: „Wir sind in einem politischen Geschäft. Und ich halte nichts davon, dass man alle parlamentarischen Gepflogenheiten aufgrund von irgendwelchen Brandmauern außen vor lässt.“ Insofern pflege er einen guten Draht zu den Fraktionen. AfD in Umfragen weit vorn Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist für den 6. September terminiert. In Wahlumfragen lag die AfD zuletzt mit Werten um 40 Prozent weit vor der CDU mit um die 25 Prozent. Immer wieder gibt es Spekulationen, dass die beiden Parteien nach der Wahl zusammenarbeiten könnten. Ministerpräsident Schulze hat das mehrfach ausgeschlossen. Siegmund setzt ohnehin auf eine Alleinregierung der AfD und geht die CDU immer wieder scharf an. „Wir können unser Land nicht mit denen retten, die es in diese Lage gebracht haben“, postete er bei X.Auch CDU-Fraktionschef Heuer äußerte sich nach der Veranstaltung in einem Video des regionalen Fernsehsenders RFH zu einer Regierungsfortsetzung der CDU. Eine gemeinsame Mehrheit mit den aktuellen Koalitionspartnern SPD und FDP (Deutschlandkoalition) ist laut Umfragen unwahrscheinlich. „Natürlich wünsche ich mir, die Deutschlandkoalition fortzusetzen“, sagte Heuer. Aber man müsse auch auf Umfragen reagieren und sie zur Kenntnis nehmen. Man müsse auch über eine Minderheitsregierung nachdenken, sagte Heuer. „Eine Minderheitsregierung kann kein Tabu sein.“Der „Magdeburger Volksstimme“ sagte AfD-Politiker Siegmund: „Wichtig ist mir – bei allen politischen Differenzen – ein vernünftiger Umgang miteinander.“ Die „künstliche Aufregung“ um das Foto zeige nur „die Verzweiflung unserer politischen Gegner“. (Tsp/dpa)