Zwar teilen sie die ersten beiden Buchstaben im Namen, doch das Verhältnis zwischen CSU und CSD ist kompliziert. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Streit um die Teilnahme der konservativen Partei am Demonstrationszug des Christopher Street Day in München. In diesem Jahr ist die CSU zum ersten Mal seit einigen Jahren wieder mit einem eigenen Wagen bei der Politparade dabei, die am 27. Juni durch die Innenstadt ziehen wird.Für Manuel Pretzl, Fraktionschef der CSU im Stadtrat, ist das eine „Selbstverständlichkeit“. Er habe nie verstanden, warum es „so ein Zinnober“ darum gegeben habe. „Aus unserer Sicht ist das Normalität, wir sind ja früher auch mitgefahren.“ Die Stadtratsfraktion gilt als deutlich liberaler als weite Teile der Partei, sie nimmt gemeinsam mit der LSU (Lesben und Schwule in der Union) an der Parade teil.Erstmals war das lesbisch-schwule Netzwerk der CSU 2016 bei der Demo dabeigewesen. In den darauffolgenden Jahren gab es immer wieder Widerstand gegen ihre Teilnahme, etwa 2018, als der CSU-Wagen von Aktivisten blockiert wurde. Darunter war damals auch ein junger Stadtrat der Grünen: Dominik Krause.Der heutige Oberbürgermeister begründete die Blockade damals damit, dass die Partei zuletzt keine Gelegenheit ausgelassen habe, zu hetzen. „Niemand der CSU-Politiker, die hier mitlaufen, hat den Kurs der Partei kritisiert. Ich will mit solchen Menschen nicht demonstrieren.“ Im Jahr darauf, 2019, wurde der Wagen mit der Oberbürgermeister-Kandidatin der CSU, Kristina Frank, von einer Sitzblockade ausgebremst.2023 lehnte das Leitungsteam des CSD die Anmeldung eines CSU-Wagens für die Politparade ab. Stattdessen durfte die Partei nur einen Informationsstand beim CSD-Straßenfest aufbauen. Auslöser war eine politische Debatte um eine geplante Drag-Lesung für Kinder in einer Münchner Stadtbibliothek. Unter anderem hatte die CSU-Fraktion im Bezirksausschuss Bogenhausen gefordert, die Veranstaltung zu untersagen.Auch 2024 wurde die CSU von der Teilnahme ausgeschlossen. Als Gründe nannten die Veranstalter die kategorische Ablehnung des Selbstbestimmungsgesetzes, den „polemisierenden Absatz zu Identitätspolitik und Wokeness im CSU-Grundsatzprogramm“ sowie das Verbot geschlechtergerechter Sprache für staatliche Behörden.Im vergangenen Jahr gab es dann wieder eine Annäherung. Die CSU lief als Fußgruppe bei der Parade mit. CSD-Sprecher Conrad Breyer sagte dem Portal queer.de damals, die Partei habe die Teilnahmebedingungen unterschrieben und sich damit „automatisch hinter unsere Forderungen gestellt, die eigentlich dem Grundsatzprogramm der Partei widersprechen“. Das findet Fraktionschef Pretzl auf SZ-Anfrage „absurd, weil kein Mensch sich bei so einer Riesenliste hinter alle Forderungen stellt“. Dies sei sicher auch bei der SPD oder der FDP nicht der Fall.Warum der CSU die Teilnahme trotzdem wichtig sei? „Weil die queere Community parteipolitisch nicht eindeutig festgelegt ist und die CSU genauso wie andere Parteien in den politischen Kompass von queeren Menschen gehört“, sagt Fraktionschef Pretzl. Auch in der CSU gebe es „etliche offen schwule Politiker“. Mit erneutem Protest gegen die Teilnahme der CSU am CSD rechnet Pretzl heuer „eigentlich nicht“.CSD-Sprecher Breyer wundert sich indes ein wenig über das Medieninteresse an der CSU-Teilnahme in diesem Jahr – schließlich gebe es gerade wichtigere Themen. Dennoch freue er sich, dass man „gemeinsam in der demokratischen Mitte gegen alle Populisten und Extremisten“ demonstriere. Teile der queeren Community bleiben jedoch kritisch gegenüber der CSU, etwa weil Bayern als einziges Bundesland keinen umfassenden Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit hat.Oberbürgermeister Dominik Krause, der einst als junger Stadtrat gegen die CSU beim CSD protestiert hatte und heuer als Schirmherr der Veranstaltung den Demonstrationszug anführen wird, wollte sich auf SZ-Anfrage nicht zur Teilnahme der Christsozialen äußern.