Jeder reagiert nach einem Spiel anders, das das Ende einer extrem langen Durststrecke von 53 Jahren besiegelt. Wenn auch nicht weniger intensiv. Die Basketballer der New York Knicks, die als Außenseiter in die Finalserie gegangen waren und wenige Augenblicke zuvor einmal mehr erst nach einer kräftezehrenden Aufholjagd gewonnen hatten, rangen mit ihren Emotionen und suchten nach Worten.Nicht nur Kapitän Jalen Brunson, der das Team in der Halle der San Antonio Spurs mit 45 Punkten beinahe im Alleingang zum 94:90-Erfolg geführt hatte und als wertvollster Spieler der Serie ausgezeichnet wurde, unterdrückte Tränen. Auch sein langjähriger Weggefährte Mikal Bridges, mit dem er bereits 2016 und 2018 an der Universität Villanova die amerikanische College-Meisterschaft gewonnen hatte, war dem Weinen nahe. Und Center Mitchell Robinson wusste einfach nicht, was er sagen sollte: „Ich bin sprachlos.“Währenddessen machten Tausende von Fans in den Straßen von New York lautstark ihrer Begeisterung Luft. Nicht nur die 3000 Menschen, die sich vor dem Madison Square Garden in Manhattan eingefunden hatten und ausgelassen „eine Stimmung wie an Silvester“ („New York Times“) entfachten. Weshalb sich die Polizei irgendwann genötigt sah, mit einer Reiterstaffel die Menge auseinanderzutreiben, in der die ausgelassene Stimmung dafür verantwortlich war, dass zwei geparkte Autos demoliert wurden.Brunson gegen WembanyamaDas Spektrum an Freude wird wohl noch mindestens bis Dienstag anhalten, wenn die Mannschaft im Rahmen der klassischen New Yorker Konfettiparade vom neuen Bürgermeister Zohran Mamdani geehrt wird, der dies bereits unmittelbar nach der Schlusssirene ankündigte.Wie hatten die oft unterschätzten Knicks, angeführt von ihrem gerade mal 1,88 Meter großen Spielmacher Jalen Brunson, gegen die San Antonio Spurs und ihren französischen Ausnahmebasketballer, den 2,24 Meter langen Victor Wembanyama, das möglich gemacht?Mithilfe einer hartnäckigen Verteidigungsarbeit und einer unbeugbaren Zielstrebigkeit im Kampf um jeden Korb. Das beste Beispiel war der Sieg im vierten Spiel der Best-of-Seven-Serie am Mittwoch in eigener Halle, als man in der zweiten Hälfte einen 29-Punkte-Rückstand aufholte und 107:106 gewann.Die einzige Niederlage hatte man sich ausgerechnet eingehandelt, als der aus New York stammende Donald Trump auf Einladung von Teambesitzer James Dolan angereist war. Die Fans in der Halle buhten ihn aus. Und das nicht nur, weil sie mit enormen Sicherheitsmaßnahmen konfrontiert worden waren. Sondern auch, weil Trump in New York einfach äußerst unbeliebt ist.Ein Trainerwechsel bringt die WendeDer entscheidende Faktor in einem aufgeladenen Wettstreit, in dem fast jede Begegnung bis zum Ende auf der Kippe stand und vor allem die Spurs – von den Schiedsrichtern toleriert – die Knicks mit einem körperharten, ruppigen Stil konfrontierten: die Kondition der Akteure. San Antonio hatte auf dem Weg in die Endspielserie neunzehn Spiele bestreiten müssen und im Halbfinale den aktuellen Meister, Oklahoma City Thunder, erst nach sieben kraftraubenden Auseinandersetzungen bezwungen.Demgegenüber wirkte das Play-off-Pensum der Knicks wie ein Spaziergang. Denn sowohl in der zweiten als auch in der dritten Runde räumte man die Gegner jeweils mit einer 4:0-Siegesserie fast mühelos aus dem Weg. Die Spieler konnten sich dadurch vor Beginn der Finalserie eine Woche lang ausruhen.Die Mannschaft, die vor einem Jahr bereits das Halbfinale erreicht und dort gegen die Indiana Pacers verloren hatte, beantwortete auf dem Weg zum Titel ganz nebenbei die Frage, die lange Zeit offen gewesen war: Hatten sich der prompt folgende Rauswurf von Trainer Tim Thibodeau – zwei Jahre vor Ablauf seines Vertrags – und die Verpflichtung von Mike Brown gelohnt?Der Neue, NBA-Coach des Jahres 2009 und 2023, der im Laufe seiner Karriere bei den Cleveland Cavaliers Ausnahmebasketballer wie LeBron James und Kobe Bryant betreut, aber nie die Meisterschaft gewonnen hatte, gilt als Mann für Problemfälle in Sachen Teamchemie und überzogene Egos von selbstbewussten Stars.Sein Beitrag zum Erfolg der Knicks war vermutlich das Tüpfelchen auf dem i: ein neues Angriffskonzept, das mit der alten, allzu bedächtigen Halbfeld-Offensive Schluss machte, auf Tempo Wert legt und dies mit einem beweglichen und verwirrend schnellen Passspiel verbindet. Dazu: der gezielte Einsatz von Einwechselspielern, um den Leistungsträgern während der Begegnungen längere Verschnaufpausen zu gönnen. Etwas, was für Thibodeau überhaupt nicht infrage kam. Der verließ sich in seiner Rotationsplanung auf sieben bis neun Spieler und deren Fähigkeit, die Belastung einer langen NBA-Saison zu verkraften.Mit dem Meisterschaftserfolg der New York Knicks und der enormen Willensleistung ihres besten Mannes (Brunson: „Ich habe mich auf nichts anderes konzentriert, als das Spiel zu gewinnen, und gewusst, dass wir zu keinem Zeitpunkt aufgeben werden.“) setzt sich in der NBA eine Serie fort, die 2019 begann, als die Toronto Raptors mit einem Endspielerfolg über die Golden State Warriors, die lange Zeit überragende Mannschaft der Liga, siegten. Seitdem gewann in jeder Saison ein anderes Team den Titel. Die Knicks sind in dieser Reihe bereits die Nummer acht.