Das ist eine Schweinerei: 380 Dollar für einen Parkplatz, 2000 für einen Sitzplatz beim WM-Spiel zwischen Brasilien und Marokko. Wer kann sich das leisten? Ein in der Summe annähernd mittleres Nettogehalt deutscher Vollzeitbeschäftigter von rund 2700 Euro für einen Kick der Weltmeisterschaft auszugeben? Für Nachrechner mit Neigung zur Beckmesserei: Zu den Tickets käme ja noch ein Getränk dazu in der Hitze und vielleicht eine Wurst zwischen zwei Brotdeckeln im – geschätzten – WM-Wert von 90 Dollar (78 Euro) – ohne Senf. Jedenfalls würde diese Annahme der Relation entsprechen.Diese Beispielrechnung steht nicht für alle Ticketpreise bei allen Spielen. Aber sie entspricht einer im Schnitt grotesken Preispolitik, die nicht vom Wucher des Schwarzmarktes diktiert wird, sondern vom sogenannten dynamischen System. Ohnehin hohe Kartenpreise entwickeln sich wie Börsenstars. Nach dem ersten Spiel der Amerikaner gegen Paraguay (4:1) müssen Spätentschlossene nun einen Aufschlag von 77 Prozent für das zweite Gruppenspiel und einen von 90 Prozent für das dritte hinnehmen. Macht dann jeweils 1650 Euro.Beim 1. FCK wird besser gespieltDie erste Erkenntnis zu der kaum vier Tage alten Weltmeisterschaft wird den größten aller Schirmherren oder Kappenträger begeistern. Sie beginnt mit einem Weltrekord, der im Stile Trumps benannt werden muss: TWAZ, die teuerste WM aller Zeiten, besticht Geschäftemacher gleichzeitig mit einer gewaltigen Diskrepanz. Nie war die Differenz zwischen Nehmen und Geben größer.Dazu bietet sich ein Vergleich an. In der guten, soliden Zweiten Bundesliga kostet ein Sitzplatz rund 550 bis 600 Euro. Bevor sich nun der Zweitligafan echauffiert: ja doch, für 17 Heimspiele. Man mag sich fragen, was die WM bislang mit dem 1. FC Kaiserslautern zu tun hat? Leider noch zu wenig. Dort wird besser gespielt.Deshalb ist der erste Satz dieses Kommentars infrage zu stellen. Ist es eine Schweinerei, wenn Menschen sich ganz ohne Trick, halbwegs transparent für jeden Geschäftstüchtigen über den Tisch ziehen lassen? Die Käufer werden protestieren und vermutlich aller Welt erklären, dass sich der Einsatz selbstverständlich gelohnt habe. Auf das Geschäft mit den Gefühlen versteht sich der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes. Gianni Infantino wird als Chef des Fußballkonzerns FIFA milde lächelnd auf den Marktmechanismus von Nachfrage und Angebot hinweisen. Zwingen wir jemanden?Das sieht nicht so aus. Aber auf den zweiten Blick entwickeln Preisspiralen einen Zug. Weltmeisterschaften dienen auch als Tests für die beteiligten Unternehmen (Vereine) und ihre Marktbeobachter. Die erkennen eine offenbar ungebrochene Bereitschaft ihrer Kunden, immer mehr Geld auszugeben, wenn nicht für das Spiel an sich, dann für das Unterhaltungsprogramm, das sogenannte Event mit Kick.Die Teuerung wird den Fußball des Alltags erreichen, also auch die Bundesliga. Das führt, wie bei der WM zu sehen, irgendwann zu einer Reduzierung des Publikums auf eine Einkommenselite. „Weiß und reich“ erscheint beim Blick auf die Tribünen in den Vereinigten Staaten nicht als Schlagwort einer Ideologie. Die Fakten sprechen für eine Entfremdung des Profifußballs von dem, was ihn groß machte, was ihm in Zeiten der Disruption eine besondere Bedeutung verleihen könnte: alle zu versammeln im Stadion. Dort entsteht, was ein Leben lang eine Gesellschaft verbinden kann.
Fußball-WM 2026: Abpfiff für Normalverdiener
Die WM 2026 bricht Rekorde – vor allem beim Abkassieren: Wer nicht zahlen kann, bleibt draußen. FIFA-Präsident Gianni Infantino nennt es Marktwirtschaft.
WM 2026 nutzt dynamisches Pricing mit Tickets bis 2000 Dollar und Aufschlägen bis 90 Prozent – teuerste WM aller Zeiten. Stadien werden zur Elite-Veranstaltung, Massenmarkt ausgeschlossen – klares Marktsignal: Sport ist reines Revenue-Tool geworden.










