Schriftsteller Goetz 2013

Man denkt doch eigentlich – oder kommt mir das nur so vor? – : weil es das Muster gibt, allein schon deshalb, WEIL es so überdeutlich ist, kann und wird man sein Opfer nicht werden, nicht sein. / Jedoch, man irrt.– Rainald Goetz, Rave

Es gibt Schriftsteller, sehr selten kommt das vor, deren Bücher man weniger liest als vielmehr hört. Genauer: Man liest die Wörter und Sätze, als wären es Noten; man liest den Text, als handelte es sich um eine Partitur.Die Bilder, Szenen und Gedanken klingen bei diesen Autoren. Man kann ihre Texte nicht hören, weil sie Rhythmus, Tempo, Melodie, Wohlklang haben – das haben andere Texte auch. Sondern weil der Text Rhythmus, Melodie, Wohlklang ist; das ist ein entscheidender Unterschied.

Rainald Goetz ist so ein Klangschreiber. Er schreibt nicht musikalisch, das tun viele, sondern er schreibt Musik, Sprachmusik. Das, was er schreibt, kann man, wenn man komplett unmusikalisch ist, natürlich lesen, man kann’s aber auch, wenn man Glück hat, hören, und wenn man sehr großes Glück hat, wird man beim Lesen seiner Texte selbst musikalisch.Goetz wurde berühmt, weil er sich beim Ingeborg-Bachmann-Vorlesen mal mit einem Rasiermesser die Stirn aufgeritzt hat. Das ist inzwischen viele Jahre her, aber weil der Literaturbetrieb sich nach dem Irren, Unberechenbaren, leicht Durchgeknallten sehnt, ist diese Geschichte immer noch das Erste, was Leuten zu Goetz einfällt: Ist das nicht der, der damals …