Die Zahl negativer Strompreisstunden an der Strombörse nimmt einer Untersuchung zufolge weiter zu. „An der europäischen Stromhandelsplattform EPEX Spot wurde von Januar bis einschließlich Mai für den deutschen Markt an 242 Stunden Strom zu weniger als null Cent pro Kilowattstunde gehandelt“, erklärte das Hamburger Energieunternehmen 1Komma5Grad am Sonntag. „Damit trat das Phänomen negativer Strompreise in den ersten Monaten des Jahres bereits häufiger auf als in sechs der vergangenen zehn Gesamtjahre.“Negative Strompreise bringen in der Regel keine Vorteile für Verbraucher. Ihre zunehmende Häufigkeit ist vor allem Ausdruck eines unflexiblen und schlecht an den Ausbau der Erneuerbaren angepassten Stromnetzes. Den weiterhin nötigen Ausbau der Stromproduktion durch Photovoltaik und Windanlagen kann dies bremsen.Das Phänomen entsteht, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt - etwa an sonnigen Tagen zur Mittagszeit - und zugleich Speicher dies nicht ausgleichen können. Erzeuger zahlen dann drauf, „damit ihr überschüssiger Strom abgenommen und das Netz nicht überlastet wird“, wie Jannik Schall von 1Komma5Grad erklärt. Bisher fehle es noch an Tempo „beim Ausbau von Flexibilität im Stromnetz, von Speichern und von der Harmonisierung von Stromerzeugung und Verbrauch durch eine intelligente Steuerung“.Eine Teillösung des Problems können dynamische Stromtarife sein: Der Strom ist dann zu Zeiten hoher Verfügbarkeit günstiger und bei niedriger Verfügbarkeit teurer. 1Komma5Grad spricht sich zusätzlich für eine intelligente Stromsteuerung aus: „Da ein manuelles Verschieben des eigenen Stromverbrauchs in günstige oder negative Börsenstromzeiten im Alltag aufwendig ist, reicht ein dynamischer Tarif alleine nicht aus.“