Die Satelliten von Starlink haben die Kriegsführung verändert. Doch das ist erst der Anfang: SpaceX wird noch wichtigerKriege werden künftig auch im Weltall entschieden. Das macht SpaceX zum bedeutenden Partner des amerikanischen Militärs.13.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDer Weltraum erhält eine grössere Bedeutung für das Militär. SpaceX spielt dabei eine wichtige Rolle. Start einer Falcon-9-Rakete mit 29 Starlink-Satelliten Anfang Juni auf Cape Canaveral in Florida.Jennifer Briggs / ImagoAnfang Jahr bekam die russische Armee an der Front plötzlich Probleme. Die Kommunikation der Truppe war eingeschränkt und bei weitreichenden Drohnenangriffen funktionierte die Fernsteuerung nicht mehr. Grund dafür war, dass die Russen ihren Zugang zum Satellitensystem Starlink verloren haben. Elon Musks Konzern SpaceX lässt in der Region nur noch registrierte Geräte der Ukrainer zu. Das hatte Auswirkungen auf den Krieg.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Starlink hat sich im Ukraine-Krieg als wichtigster Kommunikationskanal etabliert. Das Satelliteninternet von SpaceX ermöglicht es, mit relativ kleinen Terminals rasch grosse Datenmengen zu übertragen. Gleichzeitig ist die Kommunikation schwierig zu stören. Das ermöglicht mobilen Einheiten an der Front, kurzzeitig eine Verbindung zum zentralen Führungssystem Delta herzustellen oder Drohnenaufnahmen live zu übertragen.Starlink ist zum Rückgrat der digitalisierten Kriegsführung geworden. Der Einsatz in der Ukraine ist aber auch ein Glücksfall für Starlink selbst. Das System hatte einen idealen Anwendungsfall gefunden und konnte sich als entscheidendes militärisches Kommunikationsmittel beweisen. Das ist beste Werbung für Starlink.Dass Starlink so wichtig werden würde, war zu Kriegsbeginn noch nicht klar. Ursprünglich setzten die ukrainischen Sicherheitskräfte auf einen anderen privaten Satellitenanbieter, die Firma Viasat. Doch wenige Stunden vor dem Einmarsch der russischen Truppen am 24. Februar 2022 sabotierte der russische Militärgeheimdienst GRU dieses System mit einem Cyberangriff. Die Ukraine musste auf konventionelle Funkverbindungen, Mobiltelefonie oder das Festnetz ausweichen.Zu dieser Zeit stand die ukrainische Regierung bereits in Kontakt mit Starlink. Wenige Wochen nach Kriegsbeginn trafen die ersten Starlink-Terminals in der Ukraine ein. Sie sorgten in abgeschnittenen Ortschaften für eine Verbindung mit der Aussenwelt. Und schon bald setzte auch die ukrainische Armee auf die Datenverbindungen mit Starlink.Technische Eigenschaften von Starlink sind besserDas System funktioniert anders als etwa der Dienst von Viasat. Bei Viasat läuft die Kommunikation über einen geostationären Satelliten, der sich auf einer konstanten Position im Orbit befindet und mit seinem Signal Europa abdeckt. Bei Starlink handelt es sich hingegen um eine Konstellation von inzwischen gut zehntausend Satelliten. Diese umrunden die Erde ständig auf einer niedrigeren Umlaufbahn, im sogenannten Low Earth Orbit (LEO).Kommunikationssatelliten im erdnahen Orbit bringen entscheidende Vorteile. Im Vergleich zu geostationären Satelliten reichen bei Starlink kleinere Terminals, um vom Boden aus eine Verbindung zum Satelliten herzustellen. Die Bandbreite der Datenübertragung ist grösser, und die sogenannte Latenzzeit, also die Zeit, bis eine Antwort eintrifft, ist kleiner.Diese Eigenschaften sind im militärischen Kontext wichtig. Dort fallen immer mehr digitale Daten an, die übertragen und verarbeitet werden müssen. Starlink ermöglicht eine mobile und schnelle Verbindung bis zur Front. Das beschleunigt die Reaktionszeit, zum Beispiel zwischen der Ortung eines Ziels durch eine Aufklärungsdrohne und dem Beschuss durch Artillerie. Und das ist entscheidend. Viele Beobachter sind überzeugt, dass die ukrainische Hauptstadt Kiew ohne Starlink gefallen wäre.Starlink lässt sich auch mobil nutzen, zum Beispiel von einem fahrenden Auto aus. Ein ukrainischer Soldat neben einer Starlink-Antenne im Februar 2023 im Donbass.Lisi Niesner / ReutersStarlink erlaubt Verbindungen selbst von einem fahrenden Auto oder einer fliegenden Drohne aus. Die Ukrainer nutzen diese Fähigkeit etwa, um Marinedrohnen im Schwarzen Meer fernzusteuern. Für Angriffe ins russische Hinterland taugt Starlink hingegen nicht. Über russischem Gebiet ist der Dienst nicht aktiviert.Für die Russen ist Starlink eigentlich gesperrt. Doch vor zwei Jahren gab es mehrere Berichte über den Grauimport von Geräten nach Russland. Das Problem ist, dass sich die Satelliten nicht metergenau steuern lassen. Deswegen konnten die russischen Streitkräfte Starlink entlang der Frontlinie oder bei Drohnenangriffen auf ukrainische Städte dennoch nutzen. Erst im Frühjahr nun ergriff SpaceX wirksame Massnahmen dagegen.Diese Episode veranschaulicht den grossen Einfluss, den Elon Musk mit SpaceX auf den Kriegsverlauf in der Ukraine nehmen kann. Musk kann die Technologie entsprechend seiner persönlichen politischen Haltung einsetzen. Die Ukraine ist von ihm abhängig. Das birgt Risiken.Weltraumtransporte werden zur entscheidenden FähigkeitStarlink bot vor vier Jahren eine einzigartige Möglichkeit zur Satellitenkommunikation. Eine Konstellation mit mehreren tausend Satelliten, wie sie im erdnahen Orbit nötig ist, braucht grosse Investitionen. Das war der Grund, warum zu Beginn des Ukraine-Kriegs neben Starlink kein anderes vergleichbares System bestand.Doch bald wird es andere Konstellationen geben, die Ähnliches leisten. Auch andere Firmen und Länder treiben inzwischen ihre Konstellationen voran, darunter der europäische Anbieter Eutelsat mit One Web, Amazon oder chinesische Firmen. One Web hat inzwischen gut 650 aktive Satelliten im All, die beiden grössten chinesischen Konstellationen Spacesail und Guowang umfassen derzeit noch unter 200 Satelliten.SpaceX wird militärisch aber trotzdem wichtig bleiben. Das liegt an einer anderen Fähigkeit: Das Unternehmen kann billige Transporte ins Weltall anbieten. Und militärische Satelliten werden in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Dabei geht es nicht nur um Kommunikation, sondern auch um Überwachung und Aufklärung. Selbst bewaffnete Satelliten sind ein Thema. SpaceX verfolgt mit Starshield bereits ein entsprechendes Projekt für die amerikanischen Sicherheitskräfte.Satelliten werden künftig zum Beispiel für die Früherkennung von anfliegenden Raketen wichtig sein. Einen entsprechenden Auftrag über 4,2 Milliarden Dollar hat SpaceX Ende Mai von der amerikanischen Regierung erhalten. Die Firma soll eine Satellitenkonstellation aufbauen, die potenzielle Ziele in der Luft erkennt, darunter Kampfjets, Marschflugkörper und eventuell auch Hyperschallraketen.Das System ist die Grundlage für den sogenannten Golden Dome, ein gigantisches Schutzschild im Weltraum, das die USA vor anfliegenden Bedrohungen schützen soll. Wer die dazu nötigen satellitengestützten Abfangraketen bauen wird, ist noch nicht entschieden. SpaceX gehört zu jenen zwölf Firmen, welche bis 2028 einen Prototypen präsentieren sollen.Die militärische Bedeutung von SpaceX bleibt damit gross. Wichtig ist die Inbetriebnahme des grossen, wiederverwendbaren Raketentyps Starship. Diese neue Rakete wird Transporte ins Weltall weiter verbilligen. Das ist mittelfristig bedeutender als die Vision, den Mars zu besiedeln.Passend zum Artikel
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