Es fühlt sich genau wie früher an, als ich mit der U8 zur Endstation fahre, um das Ricam-Hospiz in der Neuköllner Delbrückstraße zu besuchen. Vor zwei Jahrzehnten habe ich dort als Zivi gedient. Eine ganze Generation junger Männer floh ins eingemauerte West-Berlin, um der Wehrpflicht zu entgehen. Ich kam her, um Sterbebegleiter zu werden.
Was für die meisten abschreckend klingen mag, war für mich der Beginn einer großen Liebe. Berlin wurde zu meiner Heimat, die ich seitdem nicht verlassen habe. Das Ricam-Hospiz trägt einen entscheidenden Anteil daran. Denn nachdem die erste Lebensetappe mich meinen Artgenossen bereits weitgehend entfremdet hatte, gab die Arbeit mit den Sterbenden mir den Glauben an die Menschheit zurück. Im Angesicht des Todes entwickeln die Leute eine Größe und Erhabenheit, so viel Witz und Chuzpe, dass man nur staunen kann. Nach meinem Zivildienst blieb ich deshalb noch zwei Jahre als Ehrenamtlicher dort.
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„Wer hält ihre Hand, wenn sie gehen?“: Warum ich ehrenamtlich Sterbende begleite
Das ist, wie gesagt, schon ein Weilchen her. Doch aus irgendeinem Grund denke ich in letzter Zeit immer öfter daran zurück. Nachdem meine Karriere bei den Anonymen Alkoholikern gerade erst gescheitert ist, suche ich händeringend nach einem Ausgleich zu meinem Leben als kaputter Literat. Warum also nicht einfach zurück ins Hospiz gehen?








