Der frühere Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) muss sich wegen seiner nicht genehmigten Tätigkeiten beim FC Bayern München einem Disziplinarverfahren stellen. Das gab die Regierung von Oberbayern als zuständige Aufsichtsbehörde bekannt. Dem 68 Jahre alten Reiter drohen laut dem bayerischen Disziplinargesetz unter anderem ein Verweis, eine Geldbuße oder auch eine Reduzierung der Ruhestandsbezüge. Natürlich ist aber auch eine Einstellung des Verfahrens mangels Beweisen grundsätzlich möglich.Es bestehe der Verdacht, dass der Alt-OB „gegen Vorschriften des Beamtenrechts verstoßen“ habe, erklärt die Regierung von Oberbayern (ROB) schriftlich. Sie zählt drei verschiedene Nebentätigkeiten auf, mit denen Reiter die Vorgaben verletzt haben könnte: als einfaches Mitglied des Verwaltungsbeirats (Dezember 2016 bis Februar 2026), als Vorsitzender des Verwaltungsbeirats (Februar bis März 2026) und als Mitglied des Aufsichtsrats der FC Bayern AG (gleicher Zeitraum).Reiter selbst äußerte sich auf Anfrage nicht. Damit bleibt auch offen, ob und wie er mit der Aufsichtsbehörde im nun anstehenden Disziplinarverfahren kooperieren wird. Post von der Regierung von Oberbayern hat er jedenfalls schon erhalten. Sie habe „die anwaltliche Vertretung von Herrn Altoberbürgermeister Reiter über die Einleitung des Disziplinarverfahrens informiert und Herrn Altoberbürgermeister Reiter Gelegenheit gegeben, sich zum Verdacht zu äußern“, heißt es in der Mitteilung der Behörde.Die Regierung von Oberbayern verweist darin ausdrücklich auch darauf, dass bis Abschluss des Verfahrens „die Unschuldsvermutung gilt“. Allerdings hat Reiter am 5. März 2026 bereits öffentlich eingeräumt, für seine Nebentätigkeit als Verwaltungsbeirat von Ende 2021 an insgesamt 90 000 Euro erhalten zu haben. Die Rechnung beruht auf einer Jahresvergütung von 20 000 Euro und liegt damit deutlich über der für kommunale Wahlbeamte geltenden Grenze von 10 000 Euro pro Jahr für eine genehmigungsfreie Nebentätigkeit. Am Tag nach dieser Mitteilung gab die Regierung von Oberbayern bekannt, die Einleitung eines Disziplinarverfahrens zu prüfen.„Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner steht für mich über allem“Drei Tage nach der Kommunalwahl am 8. März 2026 erklärte Reiter, alle Ämter beim FC Bayern niedergelegt zu haben und seine Vergütung an zwei soziale Projekte zu spenden. Im ersten Wahlgang für das Amt des Oberbürgermeisters hatte er massive Einbußen erlitten. „Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner steht für mich über allem“, schrieb Reiter in einer Mitteilung. In der Stichwahl am 22. März zeigte sich, dass es ihm damit nicht gelungen war, das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner wieder herzustellen. Er kam nur auf 43,7 Prozent der Stimmen und unterlag damit seinem Konkurrenten Dominik Krause (Grüne).Die Affäre um die Nebentätigkeiten beim FC Bayern dürfte ihn nach zwölf Jahren das Amt des Oberbürgermeisters gekostet haben. Nun droht mit dem Verfahren noch eine weitere Strafe. Dass Reiter bereits seit 2016 im Verwaltungsbeirat des Vereins saß, war bis Februar 2026 öffentlich nicht aufgefallen. Am 7. Februar 2026 gab der FC Bayern in einer Pressemitteilung dann bekannt, dass Reiter als Nachfolger des früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) den Vorsitz des Gremiums übernommen habe. Mit dieser Position ist automatisch ein Sitz im Aufsichtsrat verbunden.Damit ergaben sich in den Wochen darauf Fragen, ob ein solches Engagement in einer Aktiengesellschaft mit dem Amt des Oberbürgermeisters vereinbar sei. Dazu rückte auch seine Tätigkeit als Verwaltungsbeirat in den Fokus der Öffentlichkeit. In einer Vollversammlung des Stadtrats am 4. März gab sich Reiter noch entspannt und blockte Nachfragen ab, befeuerte damit die Affäre aber mehr, als dass er sie auflöste.Der Stadtrat stellte die Aufklärung mangels Informationen einNach dem Verlust des Amts in der Stichwahl kehrte Reiter nicht mehr ins Rathaus zurück, obwohl seine Amtszeit noch bis 30. April lief. Nach einer Erkrankung nahm er sich frei, zu einer politischen Aufklärung der Affäre im Stadtrat trug er nichts mehr bei. Zur entscheidenden Sitzung erschien er nicht. Damit bleibt öffentlich weiter ungeklärt, ob und wie der damalige Oberbürgermeister in der Zeit von 2016 bis 2021 als Verwaltungsbeirat bezahlt worden war. Dazu hatte sich Reiter trotz Nachfragen bisher nie erklärt. Der Stadtrat stellte die Aufklärung mangels Informationen ein.Unabhängig davon lief jedoch die rechtliche Prüfung bei der Regierung von Oberbayern weiter. Dort äußerte sich Reiter zu den Vorwürfen schriftlich. „Im Zusammenhang mit der Tätigkeit von Herrn Altoberbürgermeister Reiter im Verwaltungsrat des FC Bayern e. V. hat die bevollmächtigte Rechtsanwältin zwischenzeitlich eine Stellungnahme übermittelt“, erklärte die Regierung von Oberbayern am 20. Mai 2026 auf Anfrage.Die Vorwürfe entkräften konnte Reiter damit offensichtlich nicht. „Es liegen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte vor, die den Verdacht eines Dienstvergehens begründen“, erklärt die Aufsichtsbehörde. Auch zur möglichen Sanktionierung äußerte sich die Behörde, ohne jedoch Details zu nennen. „Sollte sich ein Dienstvergehen bestätigen, ist über eine etwaige Disziplinarmaßnahme nach pflichtgemäßem Ermessen, insbesondere unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit zu entscheiden.“
Nicht genehmigte FC-Bayern-Job: Welche Strafe Alt-OB Reiter im Disziplinarverfahren droht
Die Regierung von Oberbayern prüft, ob der Ex-Oberbürgermeister gegen das Beamtenrecht verstoßen hat. Die Folgen könnten empfindlich sein.








