Der Weltschachbund FIDE hat den russischen Schachverband ausgeschlossen. Russische Spieler dürfen weiterhin unter neutraler FIDE-Flagge antreten, doch die erst im Dezember beschlossene Wiederzulassung russischer Teams mit Flagge und Hymne bei der Schacholympiade ist hinfällig.Grund ist der massive Einsatz von Schachturnieren bei der Russifizierung der besetzten Gebiete in der Ukraine. Im März hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne entschieden, dass der russische Schachverband seine Aktivitäten in den Regionen Cherson, Donezk, Lugansk, Saporischschja und auf der Krim beenden muss, und dafür eine Frist bis zum 9. Juni gesetzt. Nach Verstreichen der Frist traf sich der FIDE-Rat außerplanmäßig zu seiner Onlinesitzung am Mittwochabend, um den Ausschluss formal zu beschließen.Langwieriger Kampf um SanktionenDer ukrainische Schachverband und der dänische Großmeister Peter Heine Nielsen haben seit Jahren für diese Sanktion gekämpft. 2024 hatten sie bei der FIDE-Ethikkommission zunächst Erfolg, doch der FIDE-Rat hat den vorübergehenden Ausschluss für zwei Jahre in eine Geldbuße von 45.000 Euro umgewandelt.Als Mitstreiter für das CAS-Verfahren gesucht wurden, lehnte die frühere Präsidentin des Deutschen Schachbunds, Ingrid Lauterbach, ab. Ihr Nachfolger Paul Meyer-Dunker spricht gegenüber der F.A.Z. von einer vertanen Chance. Er sieht Anzeichen, dass FIDE-Präsident Arkadi Dworkowitsch, der es im Kreml bis zum Stellvertretenden Ministerpräsidenten Russlands brachte, russische Teams weiterhin unter neutraler Flagge antreten lassen will. „Die Teilnahme trotz einer Suspendierung zu ermöglichen, unterläuft die Entscheidung des CAS und ist unzulässig. Solange sich der russische Verband nicht aus ukrainischen Gebieten zurückzieht, kann es keine sportliche Teilhabe für den russischen Schachverband geben“, so Meyer-Dunker.