Der Verlag Gallimard hat die von seinem früheren Autor Boualem Sansal jüngst in dessen Buch „La Légende“ formulierten Vorwürfe zurückgewiesen. In einer Stellungnahme, aus der französische Medien zitieren, wehrt sich das traditionsreiche Haus insbesondere gegen die Behauptung, der Verleger Antoine Gallimard habe Sansal nach dessen Freilassung aus dem algerischen Gefängnis zu diplomatischer Zurückhaltung gegenüber dem algerischen Regime gedrängt. Der Verlag kritisiert zudem die von Sansal in dessen Buch und in mehreren Interviews verbreitete Rekonstruktion der Ereignisse, die zu seiner Entlassung und seiner Ankunft in Frankreich geführt hatten. „Die Summe von Ungenauigkeiten und Auslassungen ergibt keine Wahrheit.“ Boualem Sansal habe „seine eigenen Entscheidungen“ getroffen – „politische, finanzielle und verlegerische“.Der algerische Schriftsteller Sansal war ein Jahr lang wegen angeblicher „Verletzung der nationalen Einheit“ in einem Gefängnis in Algier festgehalten worden. Nach seiner Freilassung, auf die auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch ein Gnadengesuch an seinen algerischen Amtskollegen hingewirkt hatte, ließ sich Sansal in Frankreich nieder. Im Frühling dieses Jahres kündigte er an, den Verlag Gallimard, der dreißig Jahre lang seine Werke veröffentlicht hatte, zu verlassen.Er wechselte zu Grasset, das zur Hachette-Gruppe und damit zum Besitz des als rechtsextrem geltenden Medienmoguls Vincent Bolloré gehört. Nach eigenem Bekunden hat Sansal dort einen Vorschuss von einer Million Euro für sein Buch „La Légende“ erhalten – Gallimard hatte ihm, ebenfalls eigenen Aussagen zufolge, 100.000 Euro geboten. Die Umstände dieses Verlagswechsels und ein vermeintlicher Streit um das Erscheinen von Sansals „La Légende“ bei Grasset hatten schließlich dazu geführt, dass der langjährige Verlagsleiter von Grasset, Olivier Nora, geschasst wurde. Aus Solidarität mit ihm hatten rund zweihundert auch internationale Autoren den Verlag verlassen und das Haus in eine der größten Krisen seiner über hundertjährigen Geschichte gestürzt.