Der THC-Gehalt in modernem Cannabis hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Steigt damit auch das Risiko von Sucht und Psychosen unter Nutzer:innen? So einfach ist es nicht, sagen Mediziner:innen.

taz Thema | Wer seine Freizeit gern mit „Black Widow“, „Gelato“ oder „Orange Cookies“ gestaltet, ist weder ein Actionfilmfan noch ein Liebhaber von Süßigkeiten, sondern gehört mit aller Wahrscheinlichkeit zu den rund 5 Millionen Menschen in Deutschland, die in den vergangenen 12 Monaten Cannabis konsumiert haben. Die fantasievollen Namen bezeichnen unterschiedliche Sorten der inzwischen in Deutschland legalisierten Droge.

Verantwortlich für den Rauschzustand, den Cannabis verursacht, ist der in der Pflanze enthaltene psychoaktive Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol). Der THC-Gehalt in Cannabisprodukten ist in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen. Lag der durchschnittliche THC-Anteil Anfang der 1990er Jahre bei durchschnittlich 4 Prozent, so beträgt er heute circa 20 Prozent, manche Sorten kommen sogar auf 35 Prozent.

Kreuzung und Zucht

„Für diesen Anstieg gibt es mehrere Ursachen“, weiß Psychologe Jakob Manthey. Als Leiter der Arbeitsgruppe „Substanzkonsum und Public Health“ am Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg (UKE) beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit den gesundheitlichen und sozialen Folgen von Cannabiskonsum. „Die hauptsächlichen Gründe sind ein komplexes Zusammenspiel der verbesserten Qualität des Anbaus und der Dynamiken von Angebot und Nachfrage.