Früher war es einmal Franz Beckenbauer, Deutschlands letzter „Kaiser“, der immer wieder als möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt wurde. Nun ist es Hape Kerkeling. Dass er Staatsoberhaupt kann, bewies er schon 1991: Als Königin Beatrix gelangte er fast ins Schloss Bellevue. Die Rolle nahmen ihm zumindest die damaligen Sicherheitsbeamten ab, den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker hätte der Komiker als Beatrix wahrscheinlich nicht überzeugt.Staatstragend steht dem Einundsechzigjährigen aber durchaus gut zu Gesicht, wie er zuletzt am 12. April bei der Gedenkfeier in der Gedenkstätte Buchenwald anlässlich des 81. Jahrestags der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau Dora bewies. Kerkelings Großvater Hermann Kerkeling war im KZ Buchenwald inhaftiert, weil er 1933 Flugblätter gegen Hitler verteilt hatte. Dort warnte er vor einer „Kultur des Wegsehens“ und sagte unter anderem in seiner Rede: „Wer heute wegschaut oder jenen applaudiert, die die Geschichte umschreiben wollen, der macht sich mitschuldig.“Nach seiner Rede in einer Synagoge wurde er angefeindet und bedrohtSchon vor drei Jahren hielt Kerkeling eine viel beachtete Rede. Es war eine Laudatio auf die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf in der Synagoge für ihren entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus mit der Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet wurde. Der Schauspieler rief dazu auf, jüdisches Leben in Deutschland zu verteidigen. Was folgte, waren massive Anfeindungen und Bedrohungen, sodass sogar der Staatsschutz eingeschaltet werden musste.Hans-Peter Kerkeling (wahrscheinlich dann nicht mehr kurz als „Hape“) könnte formal auch Bundespräsident werden: Der gebürtige Recklinghäuser hat die deutsche Staatsangehörigkeit, das aktive und passive Wahlrecht und ist älter als 40 Jahre.Schon einmal am Schloss Bellevue: Verkleidet als Königin Beatrix der Niederlande, grüßt Hape Kerkeling 1991 das Volk in Berlin.dpaWarum also nicht, dachte sich Mark Wege und startete online eine We-Act-Petition auf der Plattform des Vereins Campact: „Deutschland braucht an der Spitze keine Parteitaktik, sondern eine Persönlichkeit, die unser Land würdig repräsentiert und gesellschaftlichen Zusammenhalt stiftet. Der Bundespräsident ist das lebendige Symbol unseres Staates – er muss die Herzen der Menschen erreichen und gleichzeitig eine moralische Instanz sein.“Mehr als 20.000 Menschen haben die Petition schon unterschrieben und unterstützen den Initiator, der in Kerkeling einen Kompass sieht, „den wir im Schloss Bellevue brauchen“. Es gibt auch eine Reihe von prominenten, wenn auch nicht wahlentscheidenden Unterstützern. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, findet, Kerkeling sei „durch seinen Einsatz für Demokratie und Vielfalt sowie seine klare Kante gegen Rechtsextremismus und Intoleranz ein durchaus geeigneter Kandidat“.„Ein talentierter und begabter Bursche“Cornelia Scheel, immerhin die Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel, sagt: „Als Bundespräsident wäre der talentierte und begabte Bursche auf allen Ebenen ein Gewinn.“ Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Margot Käßmann findet: „Auf jeden Fall hätte Hape Kerkeling die Herzen der Menschen in Deutschland schon gewonnen.“Da kann auch kein Kerkeling dran vorbeigehen, der ja als stellvertretender Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ schon einmal einen Anlauf aufs Kanzleramt nahm. Im Film „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“ scheiterte seine Partei 2009 mit dem mageren Ergebnis von 0,37 Prozent.Als Hape Kerkeling aber zeigt er sich durchaus gewogen, ob der Ehre, die ihm da zuteilwird: Am Rande einer Preisverleihung in Lüneburg antwortete er dem Fernsehsender RTL auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, Bundespräsident zu werden: „Ich muss Ihnen ehrlich sagen, nach all dem, was in der Welt passiert und wer so an der Spitze von Nationen steht – ich schließe nichts mehr aus.“Allerdings gibt es nicht wenige, auch wahlentscheidende Politiker, die sich eine Frau als nächsten Kandidaten für die Wahl am 30. Januar 2027 wünschen. Doch auch das hat Kerkeling ja in seinem Repertoire. So könnte er als Uschi Blum antreten. Oder auch als Gisela. Oder er gibt für uns gleich fünf Jahre lang Königin Beatrix. Da müsste dann aber erst noch die Frage der Staatsangehörigkeit geklärt werden.