Irans Staatsmedien kosteten es voll aus, dass Donald Trumps Äußerungen über einen vermeintlichen Durchbruch bei den Verhandlungen mit Teheran international auf Skepsis stießen. „In den vergangenen zwei Monaten hat Trump 38-mal erklärt, dass eine Einigung unmittelbar bevorsteht“, spottete die Nachrichtenagentur Tasnim. Sie bezog sich dabei auf eine Zählung des amerikanischen Senders CNN.Es fiel aber auf, dass Teheran auch bemüht schien, das Papier, das nun offenbar auf dem Tisch liegt, in positivem Licht erscheinen zu lassen. Dabei handle es sich um jenen Entwurf, der dem amerikanischen Präsidenten schon vor zwei Wochen zur „finalen Entscheidung“ vorgelegen habe, den er dann aber mit Änderungsforderungen zurückgeschickt habe, schrieb Tasnim. „Amerikas militärischer und diplomatischer Druck, den 14-Punkte-Text zu ändern, war nicht erfolgreich.“ Die Vereinigten Staaten hätten dem Vermittler Qatar mitgeteilt, dass sie nunmehr auf die Änderungsforderungen verzichten würden. Iran habe sie erfolgreich ausgesessen. Dieser Erzählung nach hatte Iran schlicht nicht auf Trumps Forderungen reagiert.Außenamtssprecher Esmail Baghaei sagte zwar, eine „finale Entscheidung“ sei noch nicht gefallen. Er ließ aber die Möglichkeit offen, dass dies bald geschehen könnte. „Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass der Text der Vereinbarung den Interessen des iranischen Volkes dient, werden wir das bekannt geben.“ Das klang, als wolle er sagen: Nicht Trump, sondern wir haben das letzte Wort. Das könnte durchaus der Versuch sein, die amerikafeindliche Kernklientel des Regimes auf eine Einigung vorzubereiten.Trump: Wir haben den Krieg mit Iran beendetTrump stellte in Aussicht, dass eine solche womöglich schon in den nächsten Tagen, „vielleicht am Wochenende, in Europa“, von seinem Stellvertreter J. D. Vance unterzeichnet werden könnte. Das Portal Axios berichtete, am Donnerstag seien Transportflugzeuge des US-Militärs nach Ramstein in Deutschland abgeflogen, um eine mögliche, bislang nicht angekündigte Reise von Vance vorzubereiten.In Paris wird damit gerechnet, dass eine Vereinbarung zum Auftakt des G-7-Gipfels in Evian unterzeichnet werden könnte. Aus diplomatischen Quellen hieß es, dass nur noch um sprachliche Fragen gerungen werde. Beim G-7-Gipfel ist ein Austausch zu Nahost und zur Öffnung der Straße von Hormus geplant, zu dem die Staats- und Regierungschefs Ägyptens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Qatars eingeladen sind. Trump hat zugesagt.Der US-Präsident hatte zuvor unter Berufung auf einen vermeintlichen Durchbruch die von ihm für Donnerstagnacht angekündigten Angriffe auf Iran abgeblasen. Er ging so weit zu erklären, dass die USA „den Krieg mit Iran beendet“ hätten. Möglicherweise spielten bei seiner Entscheidung Telefonate mit dem Emir von Qatar, dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate und dem Militärchef von Pakistan eine Rolle, über die die Plattform Politico berichtete.Axios berichtete zudem unter Berufung auf Diplomaten über einige Inhalte einer möglichen Einigung. Die Grundpfeiler sind seit Langem bekannt. Die strittigen Details blieben aber auch in diesem Bericht unerwähnt. Demnach würde Iran nach Unterzeichnung die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus wieder freigeben – ohne Mautgebühren. Sanktionserleichterungen für das Regime wären an die Entwicklung in der Meerenge gebunden. Der Waffenstillstand in Iran und in Libanon würde für 60 Tage verlängert. In diesem Zeitrahmen, der verlängert werden kann und vermutlich wird, soll ein Atomabkommen verhandelt werden.Die iranische Nachrichtenagentur Mehr News berichtete detaillierter über das vermeintliche Papier, wobei unklar blieb, ob es sich um dasselbe handelte. Demnach würde das amerikanische Militär seine Seeblockade iranischer Häfen innerhalb von 30 Tagen aufheben. Zwölf Milliarden Dollar gesperrter iranischer Öleinnahmen müssten zu Beginn der 60-Tage-Verhandlungen freigegeben werden. Sanktionen gegen iranische Ölexporte würden aufgehoben – wobei unklar ist, zu welchem Zeitpunkt. Zudem müssten die USA und ihre Verbündeten einen Wiederaufbauplan für Iran im Volumen von 300 Milliarden Dollar präsentieren. Details, wie bindend ein solcher Plan wäre, nannte die Agentur nicht. Zudem seien weder das iranische Raketenprogramm noch die Unterstützung für Milizen wie Hizbullah Teil der Verhandlungen.Netanjahu: Israel keine „Vertragspartei der Absichtserklärung“Für Trump ist wichtig, dass die angestrebte Rahmenvereinbarung bereits Selbstverpflichtungen zum iranischen Atomprogramm enthält. Ohne Details über eine international kontrollierte Abreicherung des iranischen Urans durch die IAEA und den Umgang mit den teilweise zerstörten Atomanlagen dürften solche Bekenntnisse allerdings wenig wert sein.Israel hat immer wieder vor einem „schlechten Deal“ mit Iran gewarnt. Mehrere Medien berichteten, in Jerusalem sei man von Trumps nunmehriger Ankündigung überrascht gewesen. Vorerst kam von dort nur eine knappe Reaktion. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ über sein Büro mitteilen, Israel sei „nicht Vertragspartei der Absichtserklärung“. Zugleich machte er klar, was aus israelischer Sicht die Mindestanforderungen an ein Abkommen sind. Er habe in einem Telefonat mit Trump seine Anerkennung für dessen „Zusage“ zum Ausdruck gebracht, dass das endgültige Abkommen „die Beseitigung von angereichertem Material, den Abbau der Anreicherungsinfrastruktur, Beschränkungen der Raketenproduktion sowie die Einstellung der iranischen Unterstützung für seine terroristischen Stellvertreter in der Region“ beinhalten werde.Kurzfristig stellt sich aus israelischer Sicht vor allem die Frage, was das Abkommen für den Waffengang gegen die von Iran gelenkte Hizbullah-Miliz bedeutet. In Libanon herrscht auf dem Papier seit Mitte April eine Waffenruhe, die aber längst wieder kontinuierlichen beiderseitigen Angriffen gewichen ist. Iran hat gegenüber den USA stets darauf gedrängt, dass ein Waffenstillstandsabkommen auch Libanon umfasst; Israel lehnt das ab. Die libanesische, der Hizbullah nahestehende Zeitung „Al-Akhbar“ berichtete nun, dass die Feuerpause in Libanon nicht nur verlängert werden soll, sondern dass auch die israelischen Truppen im Süden des Landes „rasch“ abziehen sollen.