Porsche 911 Turbo S: So bleibt ein Hybridauto maximal emotionalE-Motoren ergänzen den neuen Turbo S und machen ihn zum Hybridsportler auf Rädern. Die Elektronik bügelt das Turboloch, Bodenwellen und Wankbewegungen glatt – und verwandelt den klassischen Sportwagen in ein präzise kontrolliertes Leistungspaket.12.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenIm Fahrprogramm «Sport Plus» fährt der Porsche 911 Turbo S den Heckflügel nach oben und die Frontlippe nach unten, um den Luftwiderstand zu verringern.PDSeit einigen Wochen ist der Porsche 911 Turbo S als Spitzenmodell der populären Baureihe 911 auf dem Markt. Für Frank Moser, Leiter der Baureihen 911 und 718 bei Porsche, ist er «der Alleskönner unter den Sportwagen». Er kombiniere beeindruckende Fahrleistungen mit uneingeschränkter Alltagstauglichkeit und Langstreckenkomfort.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit seinem 3,6 Liter grossen Sechszylindermotor in Boxerbauweise, also ausgelegt mit sich gegenüberliegenden Zylindern, hält der 911 Turbo S an der Tradition aus der Porsche-Frühzeit fest. Nun aber ist der Antrieb mit einem neuartigen Hybridsystem angereichert, das auf zwei Arten elektrische Energie zum Verbrenner hinzufügt.Zum einen werden die beiden Turbolader nicht durch Abgasluft angetrieben, sondern mit kleinen Elektromotoren. Dies eliminiert den bei früheren Turbomotoren in tiefen Drehzahlen fehlenden Abgasdruck, das sogenannte Turboloch. Denn die Turbolader arbeiten auch ohne Drehzahl und Abgase des Verbrenners. Zudem fungieren sie auch als Generatoren.Der 911 Turbo S liegt in Kurven wie ein Brett auf der Strasse. Die Karosserie neigt sich kaum zur Seite.PDZum anderen ist ein weiterer Elektromotor ins Getriebegehäuse integriert und liefert zusätzlichen Schub. Im Zusammenspiel entwickelt der T-Hybrid genannte Antrieb im 911 Turbo S bis zu 711 PS und ein maximales Drehmoment von 800 Nm. Der Motor liefert die Topleistung während eines breiteren Drehzahlbereichs als sein Vorgänger ohne Hybrid.Trotz Kraftzuwachs ist sein Verbrauch mässigDer neue Sportwagen ist damit um rund 27 Prozent leistungsfähiger als die Vorgängergeneration, verbraucht dabei aber gemäss Porsche durchschnittlich «nur» 11,6 Liter je 100 Kilometer. Mit diesem theoretischen Wert liegt er trotz Kraftzuwachs noch im für Sportwagen vertretbaren Bereich.Bei der ersten Testfahrt in den andalusischen Hügeln und auf der Rennstrecke fällt die auf den ersten Metern gleichförmig starke Beschleunigung auf. Das erstaunt, der 911 Turbo S ist selbst mit Profilreifen so antriebsstark wie sonst nur Autos mit profillosen Rennreifen. Er wirkt im Antritt sogar agiler als manches Elektroauto. Der Hersteller gibt für den Sprint von 0 auf 100 km/h 2,5 Sekunden an – das ist ein nachvollziehbarer Wert.Der so erstarkte 911 Turbo S versteckt seine Muskeln äusserlich jedoch geschickt. Zwar wirkt er mit breiter Karosserie und grossen seitlichen Lüftungsöffnungen kraftvoll. Doch der Heckflügel ist weniger wuchtig als noch bei den ersten 911-Turbo-Modellen aus den 1970er und 1980er Jahren.Das Interieur unterscheidet sich nur in Details von anderen Modellen der 911-Baureihe.PDFür den Baureihenleiter Moser wirkt der Turbo S sogar optisch zurückhaltend, denn die Zusatzscheinwerfer, jüngst in den vorderen Stossfänger eingebaut, sind nun in die charakteristisch runden Scheinwerfer integriert. Auch im Heck sind die Auspuff-Endrohre in den neu geformten Diffusor integriert und wirken nicht so protzig wie bei Modellen der Konkurrenz.Aktive Aerodynamik reduziert LuftwiderstandUm die Effizienz des Fahrzeugs zu verbessern, haben die Ingenieure in die Karosserie mehrere bewegliche Elemente eingebaut, die je nach Geschwindigkeit ein- oder ausfahren. Dazu gehören etwa die Frontlippe und der Heckflügel. So lässt sich der Luftwiderstand gemäss Frank Moser um bis zu 10 Prozent reduzieren, ohne die Bodenhaftung des Fahrzeugs negativ zu beeinflussen.Beim bereits in früheren 911-Generationen ausgereiften Fahrwerk gelang es Porsche, das Fahrverhalten so zu optimieren, dass die Unterschiede zwischen Komfort- und Hochleistungs-Fahrprogrammen noch deutlicher sind. Der Baureihenleiter Moser spricht von «grösserer Spreizung der einzelnen vorwählbaren Fahrstufen».Wählt man etwa den «Sport Plus»-Modus, die schärfste Einstellung der Fahrwerksabstimmung, fährt sich der 911 Turbo S noch immer recht zivil und alltagstauglich. Dabei erweist sich die Lenkung als sehr präzise. Sie überträgt die Bodenbeschaffenheit gut an den Fahrer, was es einfacher macht, den Grenzbereich in Kurven genau einzuschätzen.Für eine verbesserte Traktion in Kurven sorgen zudem die hinteren Reifen, die 10 Millimeter breiter sind als im Vorgängermodell. Auch die Bremsanlage hat Porsche mit deutlich grösseren Bremsscheiben aufgerüstet (vorne 410 mm, hinten 420 mm Durchmesser). Gerade auf der Rennstrecke und in engen Serpentinen lassen sich Bremsmanöver dadurch noch eine Spur später einleiten als bis anhin.Ein besonderes Lob verdient das elektronische Stabilitätsprogramm des Fahrwerks. Es gleicht Fahrbahnunebenheiten perfekt aus. Selbst wenn der Wagen auf dem Rundkurs über geriffelte Fahrbahnbegrenzungen rollt, spürt der Pilot praktisch nichts davon. Auch die Stabilisierung der Karosserie über dem Boden, wenn schnelle oder enge Kurven durchfahren werden, ist souverän und ermöglicht eine noch sportlichere Fahrt.Dass es sich um das Modell Turbo S handelt, ist diesem 911 kaum anzusehen.PDPorsche hat die Möglichkeiten der Elektronik in modernen Sportwagen beim 911 Turbo S perfekt ausgereizt. Das neue Spitzenmodell hält sein Versprechen einer perfekten Fahrmaschine ohne den Verlust von Emotionalität oder Fahrsicherheit. Das ausgeglichene Gesamtpaket hat allerdings seinen Preis. Er beginnt für das Coupé bei gut 312 000 Franken. Die Cabrio-Variante, die sich auch ohne allzu starke Verwirbelungen im Innenraum genauso flott bewegen lässt, kostet gut 330 000 Franken. Eine gewisse Exklusivität ist den Käufern somit gewiss.Die Testfahrt wurde durch Porsche unterstützt.Passend zum Artikel