PfadnavigationHomePolitikDeutschlandAußenminister Wadephul„AfD biedert sich russischem Diktator an und trampelt so auf Interessen des Landes herum“Stand: 05:04 UhrLesedauer: 3 MinutenBundesaußenminister Johann Wadephul (CDU)Quelle: picture alliance/SZ Photo/Friedrich BungertMit drastischen Worten warnt Außenminister Wadephul (CDU) vor einer Regierungsbeteiligung der AfD. Er wirft ihr vor, mit ihrem Russland-freundlichen Kurs gegen die Interessen Deutschlands zu agitieren.In der Auseinandersetzung mit der AfD geht die Union vehement in die Offensive, und zwar mit einem Aspekt, der sonst nicht immer im Mittelpunkt der Debatte steht: der außenpolitischen Orientierung der in Umfragen stärksten Oppositionspartei und dem Vorwurf ihrer Nähe zu Wladimir Putin. Als Kanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag seine Regierungserklärung im Bundestag vortrug, bewegte sich der Konflikt noch auf der Ebene von Seitenhieben. Aus der AfD-Fraktion war Lachen zu hören, als Merz über den Freiheitskampf der Ukraine sprach. Der Kanzler rief den Abgeordneten zu: „Sie lachen über das Schicksal von Millionen in diesem Land und reisen zu Champagner-Empfängen nach Moskau!“ Lesen Sie auchDoch nun kommt eine noch grundlegendere Warnung vor den außenpolitischen Folgen einer möglichen Regierungsbeteiligung der AfD von einem CDU-Mann, der sonst nicht für besondere Lautstärke bekannt ist: Außenminister Johann Wadephul.Im Text einer Rede Wadephuls, den WELT AM SONNTAG vorab einsehen konnte, heißt es über die AfD: „Sie biedert sich einem russischen Diktator an und trampelt so auf den Interessen des Landes herum, das sie vorgibt, vertreten zu wollen.“ In der Rede, die der Außenminister am Freitagabend vor der Stresemann-Gesellschaft in Mainz halten soll, wirft er der AfD vor, sie agitiere gegen die Interessen Deutschlands und gegen die Grundlage der deutschen Demokratie. Die Partei vergifte „mit Parolen der vermeintlich einfachen Lösungen jedes politische Ringen um wirksames Handeln“.Lesen Sie auchWadephul verweist in der Rede auch auf einen seiner Meinung nach grundlegenden Widerspruch zwischen den Werten der CDU und dem Gedankengut der AfD. Seine eigene Partei sei „aus der Erfahrung der dunkelsten Stunde“ der deutschen Geschichte entstanden und aus dem gemeinsamen Grundsatz „Nie wieder“. Daraus erwachse, so Wadephul, das „Bekenntnis zu Europa, zur Westbindung, zum transatlantischen Verhältnis, zur Absage an nationalistische Dominanzträume“. Wadephul betont: „Für mich ist klar: Die AfD teilt dieses Bekenntnis nicht.“Lesen Sie auchUnd weiter: „Sie ist kein Wettbewerber wie jeder andere. Sie stellt deutsche Grundüberzeugungen infrage, auf denen die Bundesrepublik und auch die CDU gegründet wurden.“ Die AfD gefährde, „was heute genau unsere außenpolitische Stärke ist“, nämlich „das Vertrauen in der Welt. Ein Deutschland, in dem die AfD Macht erhält, ist in dieser Welt schwächer.“Lesen Sie auchDass Wadephul sich gerade in der jährlichen Stresemann-Rede in dieser Weise äußert, darf als Teil der Botschaft verstanden werden. Immerhin steht Gustav Stresemann, liberaler Außenminister der Weimarer Republik, für eine Zeit, in der die erste deutsche Demokratie noch zu gelingen schien – nicht zuletzt durch erfolgreiche Politik des Ausgleichs und der Verankerung Deutschlands in die damals noch im Werden begriffenen internationalen Strukturen. So erreichte Stresemann, geboren als Sohn eines Berliner Bierhändlers und Kneipenwirts, den Beitritt des Deutschen Reichs zum Völkerbund, eine deutliche Reduzierung der Reparationsforderungen infolge des Ersten Weltkriegs und den Abzug alliierter Besatzungstruppen aus dem Ruhrgebiet. Und er galt als Hauptfeind der NSDAP. Stresemann starb 1929 an zwei Herzinfarkten und einem Gehirnschlag. Sein Tod sei „ein Wendepunkt der deutschen Geschichte“ gewesen, heißt es in Wadephuls Rede. Er könne Vorbild sein, als „Realist in einer Zeit von Wunsch und Wahn“. Realismus, so heißt es an anderer Stelle der Rede, setze nicht auf „poppige Effekte“, sondern auf verlässliche Partnerschaften. Daniel-Dylan Böhmer ist Senior Editor im Außenpolitik-Ressort von WELT.