Die Hoffnungen auf eine moderate wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr sind trotz des Irankriegs noch nicht endgültig dahin. Diesen Eindruck vermitteln die jüngsten Konjunkturprognosen großer Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland.Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hat seine Wachstumsprognose für dieses Jahr zwar gerade auf 0,5 Prozent halbiert. Das DIW folgt damit dem Beispiel der Bundesregierung und des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Konjunkturforscher aus Kiel und aus Halle sind indes weniger pessimistisch. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) bleibt bei seiner Prognose eines Zuwachses des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,8 Prozent. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet mit 0,9 Prozent nur unwesentlich weniger Wachstum als noch im Frühjahr.Allgemein gehen Konjunkturforscher davon aus, dass in diesem Jahr rund 0,3 Prozentpunkte des Wachstums sich rechnerisch durch eine höhere Zahl an Arbeitstagen ergeben. So betrachtet bedeutet der Unterschied zwischen BIP-Prognosen von 0,5 oder 0,8 Prozent, ob die Wirtschaft konjunkturell praktisch stagniert oder noch einigermaßen moderat wächst.Alles hängt am IrankriegDas IWH setzt für die erwartete Fortsetzung der Erholung im Laufe des Jahres eine klare Bedingung: Der militärische Konflikt am Golf von Persien müsse sich entspannen, und die Energiepreise dürften nicht weiter steigen. Das ist in den Prognosen von IWH und IfW unterstellt, gemäß den Markterwartungen in den vergangenen Tagen. Danach dürfte der Ölpreis bis gegen Jahresende auf etwa 78 Dollar je Barrel (zu 159 Litern) gesunken sein.Ob es zu dieser erwarteten Entspannung kommt, ist in der Kriegssituation zwischen den Vereinigten Staaten und Israel mit Iran offen. Dauert die Krise bis über den Sommer hinaus an, droht Deutschland in Extremszenarien wieder mal eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr. Das DIW erwartet wie der Sachverständigenrat auch im regulären Szenario, dass im gesamten Sommerhalbjahr eine Rezession droht und die Wirtschaftsleistung schrumpft. Die Ökonomen aus Kiel und Halle prognostizieren eine Schrumpfung nur für das zweite Quartal von April bis Juni.Im generellen Konjunkturbild unterscheiden die Ökonomen sich wenig. Konjunkturell positive Effekte werden von den schuldenfinanzierten Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung erwartet, während der private Konsum und die privaten Investitionen kaum zum Wachstum beitragen dürften. Erstmals nach drei Jahren könnte der Export in diesem und kommenden Jahr wieder leicht zunehmen. Alle drei Institute betonen, dass das Wachstum durch die Alterung der Gesellschaft und den damit verbundenen Verlust an Arbeitskräften gehemmt werde, wie auch durch strukturelle Hemmnisse wie hohe Steuern und bürokratische Lasten.Durch alle vorliegenden Prognosen zieht sich die Erkenntnis, dass die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs bis weit in das kommende Jahr hinein dauern werden. Für das kommende Jahr wird derzeit allgemein ein Wachstum von etwa 0,9 Prozent erwartet, das sind bis zu 0,5 Prozentpunkte weniger als noch im März erwartet.